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NEW ENGLAND JAZZ COLLABORATIVE – Tributaries

2026 (ACP Records) - Stil: Jazz

Große Jazzorchester sind selten geworden. Umso erstaunlicher ist, was das NEW ENGLAND JAZZ COLLABORATIVE mit seinem Debüt ´Tributaries´ auf die Beine stellt. Denn hinter diesem Projekt steckt keine klassische Big Band mit dominierendem Bandleader, sondern ein Kollektiv aus Komponisten und Spitzenmusikern, die eine gemeinsame Vision verbindet: neue Orchestermusik schreiben, aufführen und lebendig halten.

´Another Brighter Day´ eröffnet mit Vogelstimmen, sanften Flöten und Klavier, ehe sich das Orchester langsam erhebt. Was zunächst beinahe meditativ beginnt, entwickelt sich zu einem pulsierenden Stück voller westafrikanischer Rhythmen. Gitarrist Mitch Selib, Saxofonist Temidayo Balogun und Schlagzeuger Lumanyano Mzi verleihen der Komposition eine Leichtigkeit, die sofort begeistert.

Die größte Stärke von ´Tributaries´ liegt in seiner Wandelbarkeit. Unter der Leitung von Ken Schaphorst entfaltet das Ensemble eine beeindruckende Klangpalette. Die Bläser besitzen Kraft und Eleganz, die Saxofonsätze schimmern mal warm, mal brillant, während die Rhythmusgruppe jeder Komposition den passenden Puls verleiht. Alles ist sorgfältig ausbalanciert.

Die sechs Stücke stammen von Jeremy Cohen, Darryl Harper, Matan Rubinstein und Sam Spear. Vier unterschiedliche Handschriften, die erstaunlich harmonisch zusammenfinden. Zwischen modernem Big-Band-Jazz, Third Stream, klassischem Swing, Funk und afrikanischen Einflüssen entstehen fließende Übergänge, die das Album wie eine zusammenhängende Suite wirken lassen.

Besonders eindrucksvoll gelingt ´Gee, Em…´. Sam Spear verbindet die Eleganz orchestraler Jazztradition mit der Spielfreude des frühen New Orleans-Jazz. Das Feature für Altsaxofonist Allan Chase gehört zu den Höhepunkten der Platte.

Wer ausschließlich traditionellen Swing erwartet, dürfte von den modernen Ideen gelegentlich überrascht werden. Ungewöhnliche Harmonien und mutige Arrangements fordern Aufmerksamkeit. Vielleicht ist ´Tributaries´ auch gar kein Album, das jeden Jazzfan sofort begeistern soll. Dafür besitzt es Charakter. Es wagt musikalische Abenteuer, bleibt dabei stets nachvollziehbar und verliert nie den roten Faden. Vor allem spürt man die Begeisterung der Musiker in jeder Passage.

Das NEW ENGLAND JAZZ COLLABORATIVE liefert mit seinem Debüt einen beeindruckenden Einstand ab. Wer orchestralen Jazz mit Neugier, Tiefe und außergewöhnlichen Klangfarben schätzt, sollte dieser Veröffentlichung unbedingt eine Chance geben.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/nejazzcollab

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