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TEN – The Name Of The Rose

1996/2025 (Escape Music) - Stil: Melodic Hard Rock / AOR

Manchmal reicht ein einziges Album, um eine Karriere zu begründen. Manchmal braucht es zwei.

Als TEN im Mai 1996 mit ´X´ aus dem Nichts auftauchten, wirkte das wie ein kleines Wunder. Während Grunge und Alternative Rock den Ton angaben, setzte Gary Hughes auf große Melodien, monumentale Refrains und klassischen britischen Hard Rock. Vier Monate später folgte mit ´The Name Of The Rose´ bereits der Nachfolger.

Bis heute liefern sich beide Alben unter Fans ein erbittertes Kopf-an-Kopf-Rennen. Die eine Fraktion schwört auf die direktere, erdigere Energie von ´X´. Die andere sieht in ´The Name Of The Rose´ den Moment, in dem TEN endgültig ihre eigene Identität fanden. Tatsächlich spricht vieles für Letzteres.

Eigentlich stammen beide Alben aus denselben Sessions. Gary Hughes hatte einen kreativen Lauf, wie ihn selbst etablierte Songwriter nur selten erleben. Fast dreißig Songs lagen auf dem Tisch. Gemeinsam mit Vinny Burns, Greg Morgan und Martin “Shelley” Shelton entstand Material für gleich mehrere Veröffentlichungen. Was zunächst als Fortsetzung der Solokarriere von Gary Hughes geplant war, entwickelte sich innerhalb weniger Monate zu einer echten Band.

Wo ´X´ noch stark von einzelnen Songs lebte, wirkt ´The Name Of The Rose´ wie ein geschlossenes Werk. Größer. Dramatischer. Ambitionierter. Bereits der Titeltrack macht klar, weshalb dieses Album heute als eines der Kronjuwelen des Melodic Rock gilt. Das gezupfte Akustikgitarren-Intro gehört zu den magischen Momenten der Neunzigerjahre, ehe die gesamte Band mit Wucht einsteigt. Gary Hughes beginnt beinahe zurückhaltend, fast zerbrechlich. Dann öffnet sich der Song Stück für Stück, bis Vinny Burns mit seinem brillanten Gitarrenspiel die Mauern einreißt. Acht Minuten und zweiunddreißig Sekunden voller Kraft, Atmosphäre und Emotionen. Hard Rock, AOR und epische Dramatik verschmelzen hier zu einem Meisterwerk, das selbst Jahrzehnte später nichts von seiner Wirkung verloren hat. Nicht ohne Grund wurde ´The Name Of The Rose´ in Japan vom Magazin “BURRN!” zum Song des Jahres gewählt – und ließ dabei Größen wie DEEP PURPLE oder DEF LEPPARD hinter sich.

Mit ´Wildest Dreams´ folgt einer jener Refrain-Giganten, die wie geschaffen für große Arenen wirken. Ein treibender Uptempo-Rhythmus, eine pumpende Basslinie und messerscharfe E-Gitarren peitschen die Energie nach vorne. Der Song verbindet die Eingängigkeit von JOURNEY mit der Energie klassischer WHITESNAKE-Momente. Gary Hughes zeigt einmal mehr sein außergewöhnliches Gespür für Melodien, die sofort hängenbleiben und trotzdem nie billig wirken.

´Don’t Cry´ schlägt danach etwas melancholischere Töne an. Ged Rylands legt breite Keyboardflächen unter die Melodie, während Vinny Burns immer wieder kleine emotionale Akzente setzt. Der Song steigert sich zu einer gewaltigen, bittersüßen Rock-Hymne und besitzt genau jene Mischung aus Melancholie und Hoffnung, die große britische Rockmusik seit Jahrzehnten auszeichnet. Das kompakte ´Turn Around´ sorgt anschließend für Auflockerung, knackige, wehende Riffs und eine sehr präsente Keyboard-Linie zelebrieren den klassischen Vibe der späten Achtzigerjahre, bevor das Album in seine vielleicht faszinierendste Phase eintritt.

Mit ´Pharaoh’s Prelude: Ascension To The Afterlife´ tauchen TEN tief in mythologische Welten ein. Orientalische Klangfarben, geheimnisvolle Keyboardlandschaften und eine fast filmische Atmosphäre führen direkt in ´Wait For You´. Greg Morgan treibt die Band mit kraftvollem Schlagzeugspiel und gewaltiger Hardrock-Power voran, begleitet von einem schweren, stampfenden Mid-Tempo-Riff, während sich die Spannung kontinuierlich aufbaut.

Überhaupt besitzt ´The Name Of The Rose´ eine erzählerische Qualität, die vielen Genrekollegen fehlte. Das zeigt sich auch bei dem feinen Hardrock von ´The Rainbow´. Hinter den melodischen Harmonien verbirgt sich eine überraschend düstere Geschichte über Einsamkeit, Verzweiflung und einen vermeintlichen Freitod. Gary Hughes gelingt es dabei, schwere Themen in große Melodien zu kleiden, ohne jemals ins Kitschige abzurutschen.

Noch monumentaler wird es mit ´Through The Fire´. Über acht Minuten lang entfaltet sich ein hochemotionales Epos voller Tempowechsel, Gitarrenmelodien und dramatischer Spannungsbögen. Hier zeigt sich, weshalb viele dieses Album als die perfekte Verbindung aus MAGNUM, WHITESNAKE und den großen amerikanischen AOR-Bands betrachten.

Der vielleicht emotionalste Moment schließt jedoch unmittelbar an. ´Goodnight Saigon´ ist ein unheimlich düsteres, psychologisches Porträt über den inneren Verfall eines Soldaten und gehört zu den eindringlichsten Kompositionen, die Gary Hughes jemals geschrieben hat. Düster, nachdenklich und von einer beinahe filmischen Atmosphäre getragen, zeigt der Song eine Tiefgründigkeit, die weit über klassische Rock-Klischees hinausgeht.

Mit dem packenden, schnellen und straighten Uptempo-Rocker ´Wings Of The Storm´ drehen TEN wieder auf. Knackige Gitarrenriffs, treibende Rhythmen und ein Refrain mit enormer Energie erinnern daran, dass TEN trotz aller Epik immer eine Hard Rock-Band geblieben sind. Dann kommt ´Standing In Your Light´. Sieben Minuten pure Emotion. Eine jener Balladen, die langsam beginnen und sich Schritt für Schritt zu einer majestätischen Hymne entwickeln. Gary Hughes liefert hier eine seiner stärksten Gesangsleistungen überhaupt ab, während Vinny Burns eines jener Soli spielt, die direkt ins Herz treffen.

Fast drei Jahrzehnte später erhält dieses Meisterwerk endlich die Vinyl-Behandlung, die es immer verdient hatte.

Die 2025 über “Escape Music” veröffentlichte Doppel-LP markiert die erste offizielle Vinyl-Ausgabe von ´The Name Of The Rose´ überhaupt. Weltweit existieren lediglich 500 handnummerierte Exemplare. Gepresst auf schwerem 180g-Vinyl erscheint die Edition auf „Bloody Mary“/„Black Solid“, verpackt in einem Gatefold-Cover.

Für Sammler besonders interessant ist die vierte LP-Seite. Mit ´You’re My Religion´, ´When Only Love Can Ease The Pain´ und dem Live-Mitschnitt von ´Can’t Slow Down´ enthält sie wertvolle Ergänzungen. Gerade ´You’re My Religion´ besitzt die Qualität eines regulären Album-Highlights.

Heute gilt ´The Name Of The Rose´ als eines der wichtigsten Melodic Rock-Alben der Neunzigerjahre. Es entstand in einer Zeit, in der kaum jemand an die Zukunft dieses Genres glaubte. Gary Hughes, Vinny Burns und ihre Mitstreiter scherten sich nicht um Trends. Sie vertrauten auf starke Songs, große Melodien und echte Emotionen.

Dementsprechend funktioniert dieses Album auch fast dreißig Jahre später noch so eindrucksvoll. Wer nur ein einziges TEN-Album besitzen möchte, landet am Ende oft hier. Und wer einmal vom Zauber des Titelstücks erfasst wurde, versteht auch sofort warum.

Klassiker.

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