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OAKFARM – Too Hard For Some Too Soft For Others

2026 (Pink Tank Records) - Stil: Heavy Blues Classic Rock

OAKFARM haben was mit WEST, BRUCE & LAING gemein. So wie das amerikanische Kult-Trio schlichtweg MOUNTAIN mit dem Bassisten und Sänger von CREAM gewesen ist, so sind die Kieler im Grunde zwei Drittel von BONE MAN mit einem frischen Gitarristen und Sänger. 2020 aus der Asche der Vorgängerkapellen gegründet, 2024 das erste Album, jetzt der Nachfolger. Sie sind ihrem langjährigen Label treu geblieben.

OAKFARM haben auch etwas mit CREAM gemeinsam. Nicht nur die auf gewisse Weise jaulenden Leadgitarrensounds, die Amis würden sagen “bloopy”, ein Freund nannte den Klang “Ambulance Guitar”, sondern auch einen menschlich äußerst schwierigen Schlagzeuger. Nun ist Ötzi von BONE MAN sicherlich talentiert, aber nicht ansatzweise auf dem Level von einem Ginger Baker, jedoch im persönlichen Zusammentreffen nach einer gewissen Eingewöhnungsphase ein gleichsam unangenehmer Geselle. Hört ihr da etwa Ressentiments raus? Man soll halt besser die Musiker, die man gerne gehört hat, niemals persönlich kennenlernen.

Ich könnte jetzt den großen Schreibern der 70er und 80er nacheifern und dieses Album schlichtweg zumindest im geschriebenen Worte im gerechten Zorn als minderwertig einstufen und in Frisbee Fantasien verfallen. Leider hat die Sache einen großen Haken. So wie die mir bekannte Vorgängerband BONE MAN sind auch OAKFARM eine verdammt talentierte und wirklich gute Kapelle, auch wenn ich diesen kleinen direkten Seitenhieb oben anbringen musste.

Ich hoffe, dass ihr Gitarrist Tobias von der gleichen Art wie sein Vorgänger Marian ist, intelligent und tatsächlich menschlich sehr angenehm. Von der Stimme her ist er ein wenig anders, etwas heller und mit etwas mehr Melancholie gesegnet. Das bringt ihn in stilistische Nähe zu vielen amerikanischen Rocksängern der Nordwest-Szene aus den frühen bis mittleren Neunzigern. Ein wenig Alternative, ein wenig Folkrock Melancholie, aber auch den bodenständigen Schmutz bluesigen Hardrocks vereint Tobias in den Tönen, die seiner Kehle entfleuchen. Er hat dabei eine eigensinnige Intensität und Tiefe in seiner Stimme, eine Tiefe, die deine Seele fast schon in sich aufsaugt.

Geschickt unterlegt er diese Stimme mit wechselhaftem Gitarrenspiel. Sanfte, verträumt sehnsuchtsvolle Licks, brodelnd deftige Akkorderuptionen, die dazu die volumimös jaulenden “bloopy” Leads. Daraus ergeben sich großartige Melodien, die tatsächlich gar nicht so sehr nach holsteinischer Provinzhauptstadt, sondern nach Nordamerika klingen und je nach Stimmung des Augenblicks Bilder von weiten Landschaften mit güldenen Feldern und üppigen Waldgebieten, aber auch lauten und trist grauen Industriemetropolen im Niedergang und rauen Wetterbedingungen in den Häfen des Nordpazifik, wo die Fischer ihre Jollen zum Auslaufen fertig machen, in die Seele meißeln.

Ötzi und Arne sind dann tatsächlich ein wirklich gutes Rhythmusgespann, nach so vielen Jahren natürlich auch perfekt aufeinander eingespielt. Sie zaubern, mal zurückhaltender und auch einmal draufgängerisch rhythmische Figuren, die mehr sind als nur ein schlichter Beat zu Unterstützung der Gitarre. Und gerade in den klassischen Momenten kommen sie Legenden wie Don Brewer und Mel Schacher (GRAND FUNK RAILROAD) oder Felix Pappalardi und Corky Laing (MOUNTAIN) durchaus nahe.

Man kann also das Geld für eine Scheibe der Typen ausgeben. 8 Punkte sind von mir immer drin, auch wenn ich Leder, Jeans und Boots gegenüber Haremshosen, Drug Rugs und Mokkasins bevorzuge.

https://www.facebook.com/Oakfarmkiel


(03.10.2026)

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