
FLOTSAM & JETSAM – Rats In The Temple
2026 (Napalm Records) – Stil: Thrash Metal
Ja, das neue FLOTSAM & JETSAM ist schnell, sehr schnell. Auf ihrem 16. Studioalbum haben die Herren aus Arizona erneut einen Gang nach oben geschaltet. Dass FLOTSAM & JETSAM live eine monströse Bank sind, darüber braucht man nicht zu diskutieren, auch über einen Großteil ihres Backkatalogs gibt es nichts zu nörgeln. Dass die Band seit einigen Jahren einen “zweiten Frühling” erlebt, liegt neben den schweißtreibenden Live-Shows auch an den Album Veröffentlichungen seit 2016.
Mit ´Rats In The Temple´ legen sie gleich einen krachenden Start bei ihrem neuen Label “Napalm Records” vor – dem Label, das derzeit alles abgreift, was nicht schnell genug auf den Bäumen ist. Wie einst “Nuclear Blast Records”.
Zurück zum Album. 13 Songs lang fliegen einem vertraute FLOTSAM-Trademarks um die Ohren. Wie immer over the top, Sänger Eric “AK” Knutson, dessen Stimme unkaputtbar scheint. Erstaunlich treffsicher schlagen die Stücke ein, lassen kaum Zeit zur Erholung. Und jetzt kommts – vielleicht ist das auch der Schwachpunkt des Albums. Nur auf Geschwindigkeit und Nummer sicher zu gehen ist nicht immer vorteilhaft. Die 13 Tracks unterscheiden sich nur minimal, mit der angewandten Rezeptur geht man schließlich kein Risiko ein.
Zwei Songs, die leicht aus dem Rahmen fallen und somit auch zu den nachhaltigen Tracks zählen, nennen sich: ´A Taste Of War´ sowie der letzte Song des Albums ´Not Goin´Down That Way´. Ansonsten ist die Prämisse “Vollgas und Sicherheit”.
Nach drei Durchgängen kommt schnell eine dezente Langweile auf, da die Stücke mit ihrer Gleichförmigkeit kaum noch Aufmerksamkeit fordern. Keine Frage, Nummern wie ´Damnation´, ´First On The Spike´, ´Absolution´ oder ´Her Blood Your Pain´ blasen fucking gut die Ohren frei, aber man hört sich auch eben schnell satt.
Der Trend ging leider schon auf den letzten beiden Album los. Wo man es sich aus meiner Sicht zu einfach gemacht hat und die Sicherheit in den Vordergrund stellte. In zehn Jahren fünf Alben ist schon eine Masse. Vielleicht in Zukunft mal seiner Kreativität mehr Raum und Zeit geben, was dann als Ergebnis weniger Songs hergibt, aber diese mit etwas mehr Abwechslung.
(7 Punkte)
Jürgen Tschamler

Wo der Kollege im Erst-Review zu Recht die ungebrochene Spielfreude der Arizona-Veteranen abfeiert, aber gleichzeitig die aufkeimende Langeweile anprangert, schleicht sich beim Blick auf den Gesamtfluss dieselbe nüchterne Erkenntnis ein: FLOTSAM AND JETSAM haben sich auf ihrem neuesten Studioalbum in ihrer eigenen Komfortzone gut eingerichtet. Handwerklich gibt es an diesem Durchmarsch der letzten zehn Jahre absolut nichts zu deuteln. Die Riffs von Michael Gilbert und Steve Conley sitzen scharf, Basser Bill Bodily und Drum-Legende Ken Mary zimmern das Fundament absolut fest, und Eric “A.K.” Knutson singt schlichtweg in einer eigenen Liga. Doch wer die Platte nicht nur häppchenweise genießt, sondern als gesamtes Werk durchlebt, blickt hinter die makellose Fassade. Das Kernproblem heißt Tempo-Einerlei. Das permanente High-Speed-Geballer verhält sich zu den dreizehn Kompositionen wie eine Dampfwalze. Es bügelt die Feinheiten glatt. Warum die sogenannte Fachpresse hier Gebetsmühlen-artig von großer “stilistischer Vielfalt” spricht, erschließt sich erst auf den zweiten Blick. Ja, die Band arbeitet Maiden-Gitarren, Dio-Dramatik und symphonische Tupfer im Titeltrack ein. Doch weil fast jedes dieser Elemente im selben, unerbittlichen Raserei-Tempo serviert wird, verpufft der dynamische Kontrast. Anstatt mit Tempowechseln zu arbeiten, werden die Kompositionen unter dem Dauerdruck des Schlagzeugs förmlich plattgewalzt. Dass ausgerechnet das unruhige ´A Taste For War´ mit seinen Tribal-Drums und das düster kontrastierte ´Not Goin’ Down That Way´ als wirkliche Highlights im Gedächtnis haften bleiben, ist kein Zufall. Sie sind die einzigen Momente, in denen die Band der Komposition Raum zum Atmen gestattet. Dazwischen regiert das Prinzip “Dauerfeuer-Dienst nach Vorschrift”. FLOTSAM AND JETSAM haben eine funktionierende Formel perfektioniert, weigern sich aber standhaft, auch nur einen Millimeter davon abzuweichen. Wer ungebrochenen Tatendrang sucht und schlicht hochklassiges Futter für die Autobahn braucht, wird fantastisch bedient. Wer im Spätwerk der Band allerdings nach jener kreativen Unruhe sucht, die einst Alben wie ´Cuatro´ so spannend machte, sieht hier beim gepflegten Verwalten des eigenen Erbes zu. (7,5 Punkte)
Michael Haifl
Pic: Shane Eckert



