
Die Deutschrocker ARTEFUCKT aus Rheinberg sind kein gänzlich unbeschriebenes Blatt. Gegründet 2015 von Sänger André Donay, legt das Trio gemeinsam mit Gitarrist Sven Goldschmidt und Bassist Kevin Ricken mit ´Alchemie´ bereits sein fünftes Studioalbum vor.
Und hier bekommt man ziemlich genau all jene Zutaten serviert, die man für gepflegten Deutschrock benötigt: druckvolle Gitarren, einen ordentlich nach vorne schiebenden Rhythmus und vor allem Refrains, bei denen man spätestens nach dem zweiten Durchlauf problemlos mitsingen beziehungsweise mitgrölen kann. ARTEFUCKT formulieren ihre Botschaften klar und direkt und lassen dabei nur wenig Raum für Interpretationen. Dazu eine Prise Hardrock, etwas Metal und eine Portion Punk, eingängige Gitarrenriffs und griffige Melodien – fertig ist die musikalische Rezeptur.
Schon ´24 Karat´ macht unmissverständlich klar, wohin die Reise geht. Die Nummer kommt mit ordentlich Schmackes aus den Startlöchern und taugt zugleich als musikalische Standortbestimmung: ARTEFUCKT sind da, haben etwas zu sagen und drehen die Verstärker dafür lieber eine Spur weiter auf. Und so geht es munter-rockig weiter. Die Jungs haben offenbar nicht vor, ihre Zuhörer mit unnötigen Wendungen vom eingeschlagenen Weg abzubringen.
Etwas düsterer fällt ´Judas´ aus. Verrat und enttäuschtes Vertrauen werden hier thematisiert, während der Titel mantraartig über polternde Drums und tiefe Gitarrenriffs in die Gehörgänge getrieben wird. ´Mit Dir´ zeigt anschließend eine andere Seite der Band. Das Stück kommt textlich als Liebeslied daher, hat musikalisch aber wenig Kuschelfaktor. ´Wir wollten fliegen´ ist dann auch musikalisch eine nachdenkliche Ballade, die das Tempo deutlich herausnimmt und deren Gesang stellenweise an den großen Hamburger Kollegen Udo Lindenberg erinnert. Ein kleiner Ausflug in ruhigere Gefilde, der zeigt, dass die Band nicht nur die krawalligen Töne beherrscht.
´Sommer´ fasst schließlich noch einmal gut zusammen, wo diese Musik hingehört: auf die Festivalbühne, mit einem Bier in der Hand und möglichst vielen Kehlen, die den Refrain gemeinsam in Richtung Bühne schmettern.
Und so ist ´Alchemie´ ziemlich genau das, was man von einem Deutschrock-Album erwartet: geradliniger, druckvoller Rock mit klarer Kante, eingängigen Melodien und großen Refrains. Keine musikalische Raketenwissenschaft, sondern solide Deutschrock-Alchemie. Und die funktioniert am besten, wenn sie laut aus den Boxen kommt.
(7 Punkte)

