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PRINCE – Timeless

2026 (NPG Records/Legacy Recordings) - Stil: Funk / Pop / R&B

Wenn das eiserne Archivschloss im Paisley Park knarrt und die Nachlassverwalter wieder einmal tief in den legendären Tresor greifen, hält die Musikwelt den Atem an. Seit dem schmerzhaften Abschied der Lichtgestalt PRINCE schwankt die Fan-Gemeinde bei jedem posthumen Release zwischen heiliger Ehrfurcht und der bangen Sorge vor einer Alibi-Veröffentlichung.

Ende August 2026 war es erneut soweit: Über “Legacy Recordings” erblickte das Kompilationsalbum ´Timeless´ das Licht der Welt. Fünf Jahrzehnte Musikgeschichte, gepresst auf schwarzes und lila-marmoriertes Gold, abgemischt vom bewährten Sound-Magier Chris James. Was uns hier allerdings erwartet, ist kein laues Durchkehren der Reste-Rampe, sondern ein atemberaubender, schmutziger und tiefer Blick in das ungezähmte Herz des Genies.

Die Reise beginnt im Jahr 1977 mit der Sensation ´I Am You´. Ein verstaubtes Tape, falsch beschriftet im hinteren Winkel des Tresors aufgetaucht, zeigt den damals 19-jährigen PRINCE völlig auf sich allein gestellt. Ohne teure Studiotechnik spielte das Ausnahmetalent jedes Instrument selbst ein. Der Track atmet den feuchten, ehrlichen Schweiß früher Soul- und Funk-Tage.

Es folgt der wilde Ritt zu einer Urversion, die Sammlern Freudentränen in die Augen treibt: ´Tick, Tick, Bang´ von 1981. Vergesst den glattgebügelten Mix der Neunziger. Diese Perle aus der Zeit von ´Controversy´ roch nach purer, ungezähmter Synthesizer-Lust, minimalistisch, dreckig und vollgepumpt mit roher Energie.

Weiter geht es durch die goldenen Epochen. Bei ´Heaven´ schleicht sich der geheimnisvolle Gesang von Susannah Melvoin in den Raum, ehe mit ´With This Tear´ eine echte Sensation offenbart wird. PRINCE verschenkte die Nummer einst an Céline Dion, hielt aber klammheimlich eine eigene Studioversion unter Verschluß. Angetrieben von der urgewaltigen Rhythmusgruppe um Schlagzeuger Michael Bland und Basser Sonny Thompson entfaltet sich eine monumentale R&B-Hymne mit tiefschürfenden Vocal-Harmonien.

Wer es knackig und tanzbar braucht, bekommt mit der Vorab-Single ´Stone´ ein Bass-Gewitter um die Ohren gehauen, bei dem der Meister seinen unverwechselbaren Falsett-Gesang ins Mikrofon peitscht. Später lässt Posaunist Greg Boyer auf dem lateinamerikanisch angehauchten Kracher ´Calabama´ die Bläser glühen. Doch die wohl größte Überraschung serviert uns das bisher völlig unbekannte Epos ´Bestest Friend´ aus dem Jahr 2012. Ein massiver, progressiver Funk-Rock-Bastard, bei dem die Bläser-Fraktion The Hornheads unter der Ägide von Posaunist Michael B. Nelson eine derartige Dynamik entfacht, dass die Lautsprechermembranen um Gnade flehen.

Den schweißtreibenden Gitarren-Fokus bildet das wuchtige ´The Guilty Ones´. Hier schrubbt PRINCE an der Seite der Sängerinnen Marva King und Shelby J. sowie der Rhythmus-Maschine um Cora Coleman-Dunham und Josh Dunham furchtlose Blues-Rock-Soli aus der Klampfe. Ganz zum Schluss zieht das Album dem Hörer schließlich die Bühnen-Schuhe aus: Eine intime Live-Aufnahme von ´How Come You Don’t Call Me Anymore´, aufgenommen 2016 in der “Oracle Arena” in Oakland ganz allein am Flügel. Nur wenige Wochen vor seinem Tod improvisiert der Gigant, schäkert mit dem Publikum und hinterlässt ein Gänsehaut-Loch in der Magengrube.

Man kann den Nachlassverwaltern vieles vorwerfen, aber dieses Material sprüht vor Leben und unzensierter Leidenschaft. ´Timeless´ ist kein verstaubtes Archiv-Programm, sondern eine hochenergetische Offenbarung, die den Mythos PRINCE in meißelharte Absolutheit gießt.

https://www.facebook.com/prince

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