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CAPTAIN MANTELL – Human Or Not

2026 (Overdrive Records/Go Down Records) - Stil: Alternative Rock, Post Punk, Electronic Music

Als der US-Pilot Thomas Mantell 1948 bei der Jagd auf ein nicht identifiziertes Flugobjekt über Kentucky den Tod fand, hinterließ er der Nachwelt eine der dauerhaftesten Chiffren der modernen UFO-Mythologie. Es ist kein Zufall, dass sich das italienische Crossover-Projekt rund um Bandkopf Tommaso Mantelli seit genau zwanzig Jahren nach dieser historischen Figur benennt. Das Unbekannte, das Nicht-Menschliche zieht sich seit jeher wie ein roter Faden durch das Schaffen der Formation.

Auf ihrem siebten Studioalbum ´Human Or Not´ bekommt das Phantom allerdings eine völlig neue Fratze. Die Bedrohung schwebt nicht mehr als silberne Scheibe über den Wolken, sondern nistet als künstliche Intelligenz im eigenen Mischpult. Das Resultat ist ein kompromissloses Konzeptwerk, das die alte Streitfrage nach menschlicher Kreativität und maschineller Kopie direkt auf das physische Vinyl überträgt.

Seite A liefert sieben rein analog eingespielte, kraftvolle Tracks. Tommaso Mantelli an der Gitarre, Schlagzeuger Roberto Olivotto, Bassist Andrea Lombardini und Violinen-MUSE Sergio Orso zimmern ein wuchtiges Fundament aus peitschendem Post Punk, tanzbarem Synth Rock und zähem Sludge. Stücke wie das treibende ´Miracle Mojo´ oder der finstere Brocken ´Down In The Slime´ leben von handgemachter Energie, schmutzigen Frequenzen und organischem Druck. Das klingt ungeschönt und physisch. Solange bis man die Platte umdreht.

Auf Seite B verzichtet die Truppe auf jegliche Eitelkeit und übergibt die eigenen Spuren einer Musik-KI als Beute. Was der Algorithmus mit dem Material anstellt, ist meilenweit entfernt von glattgekämmten Pop-Remixen. Der Code zerhackt die Gesangsspuren, zerrüttet die Rhythmen und verwandelt das organische Ausgangsmaterial in instabile, dystopische Soundscapes. Wo eben noch breite Fuzz-Gitarren zündeten, herrschen plötzlich verstümmelte Gesangs-Loops und unbarmherziger Industrial-Lärm. Das Experiment zwingt zum Vergleich: Mensch gegen Maschine, Kontrolle gegen Kontrollverlust.

Selbst die optische Präsentation greift dieses Prinzip auf. Das rot-blaue Artwork von eeviac lässt sich nur durch die beiliegende 3D-Brille entschlüsseln – ein Auge sieht das Menschliche, das andere die Maschinensprache.

CAPTAIN MANTELL liefern mit ´Human Or Not´ keine Antworten, sondern brennen eine spannende klangliche Schnittstelle ab. Ein mutiges Doppelgesicht für mutige Hörer.

https://www.facebook.com/captainmantell

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