
GUČA MEETS WACKEN – Here Comes The Horny Future
2026 (Tubareckorz/BuschFunk Vertriebs GmbH) - Stil: Balkan Metal
Schmeißt die verstaubten Feuilleton-Brillen in den nächsten Straßengraben, schnallt die Nietenstiefel fest und schnappt euch den nächsten Kasten Rakija! Was hier aus den Lautsprechern donnert, ist ein schweißtreibender, völlig irre gewordener Bastard aus blechglänzendem Ekstase-Rausch und brachialer Riff-Gewalt. Wenn serbische Hochzeitstrompeten auf schlammerprobte Wacken-Doublebass-Brecher treffen, bleibt kein Moshpit trocken und kein Tanzbein auf dem Rasen. GUČA MEETS WACKEN haben mit ihrem Debütkracher ´Here Comes The Horny Future´ eine Scheibe eingespielt, die das Blut in den Adern augenblicklich zum Kochen bringt, den Verstand ins Delirium pustet und jede Bude binnen Sekunden in eine stampfende, hüpfende Masse verwandelt!
Erdacht hat sich diesen glorreichen Wahnsinn Bassist, Produzent und Ex-ENGERLING-Routinier Manne Pokrandt, als er 2015 auf dem legendären Trompetenfestival im serbischen Guča stand. Dort erlebte er, wie dreißigtausend Menschen zu Blechblaskapellen stagedivten, als gäbe es kein Morgen. Jahrelang scheiterte die Umsetzung am dichten Terminkalender der beteiligten Musiker, ehe der Beginn des neuen Jahrzehnts den nötigen Freiraum schuf, um diese Vision im Studio zum Leben zu erwecken. Manne Pokrandt entwarf die Demos, entwickelte die Gitarrenspuren gemeinsam mit John Stergiou sowie Pero Smiljkov und scharrte ein hochkarätiges internationales Kollektiv um sich. Im Studio brachten die Trompeter Marjan Antic aus Serbien und Krassimir Jossifov aus Bulgarien das Blech zum Glühen, während Ralf „Zicke“ Zickerick stoisch sämtliche Hörner sowie die Tuba einspielte und die Notation mit austüftelte. Am Schlagzeug zimmerte Marcel van Cleef das Fundament.
Der Titel des Werkes, ´Here Comes The Horny Future´, sorgt im englischen Sprachraum zwar regelmäßig für zweideutige Blicke, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen aber als wunderbar trockenes Wortspiel: Es feiert schlicht die bläsergestützte Zukunft der Musik – eine Zukunft voller Hörner, auch wenn humorlose Zeitgenossen darin sofort Frivolitäten wittern. Am Mikrofon wütet dazu, spuckt und röhrt Tim Tom Thomas. Der Sänger – von MONOKEL-Gitarrist Buzz Dee entdeckt und Sohn von KNORKATOR-Kopf Alf Ator – bringt jene unnachahmliche Berliner Narrenfreiheit mit, die der Band als Support auf den KNORKATOR-Jubiläumsshows in der ausverkauften Berliner Columbiahalle vor über dreitausendfünfhundert Fans den roten Teppich ausrollte.

Allein schon der namensgebende Titelsong ´Here Comes The Horny Future´ walzt als absolute Brass-Metal-Hymne durchs Gebälk. Schmetternde Gitarren paaren sich mit rasanten Bläser-Riffs zu einer tonnenschweren Ansage. Das ist kein dekoratives Geplänkel im Hintergrund, das ist pure Urgewalt! Denn es gilt das ungeschriebene Gesetz serbischer Trompeter: Es wird mit so viel Druck geblasen, dass sich das Horn beim Spielen schlicht geradebiegen muss.
Gleich danach fordert die Single-Granate ´We All Live In A Village´ zum kollektiven Mosh-Reigen auf. Schlagzeuger Marcel van Cleef zimmert den Beat mit unerbittlicher Präzision ins Parkett, während Tim Tom Thomas die ironische Botschaft über den Erdball brüllt: Von Serbien bis Bukarest, von der Bukowina bis New York und vom Guča-Festival bis direkt in den Wacken-Backstage hocken wir im Grunde alle im selben globalen Dorf.
Die Meute springt, der Schweiß tropft von der Decke, und spätestens bei der völlig entfesselten Balkan-Metal-Abreibung von ´Bella Ciao´ bricht vollkommenes Chaos aus. Wo andere Partisanenlieder zu Tode nudeln, jagt diese Kapelle den Klassiker mit rasendem Tempo und schmetternden Hörnern durch den Fleischwolf – eine Idee, die Manne Pokrandt im Publikum bei einem Goran-Bregović-Konzert kam, als es Bierbecher auf die feiernde Menge regnete.

Das zappelnde, wundervoll irrsinnige ´I Lost The Overview´ zelebriert zappaeske Haken und abrupte Rhythmuswechsel, dass man schwindelig wird vor Glück. Dementsprechend entpuppt sich der Song als hochkomplexe, mitreißende Tanzmusik für Anspruchsvolle. Bevor die Nadel allerdings zum ersten Mal gehoben wird, walzt der A-Seiten-Rausschmeißer ´Rammhornz´ als wuchtiger, marschartiger Industrial-Brass-Hybrid in Anlehnung an RAMMSTEIN alles platt, was noch steht.
Umdrehen, Nadel auflegen, weiterfeiern! Zum B-Seiten-Auftakt geht es mit dem Stampfer ´Circle´ ohne Umschweife in den nächsten Circle Pit, wo sich Japaner, Brasilianer, Schotten, Serben und Metalheads zum weltweiten Wahnsinnstanz verbinden. Sogar vor den Heiligtümern der Rockgeschichte macht die Truppe keinen Halt. Den KINKS-Klassiker ´Lola´ verwandelt das Ensemble in einen dreckigen, temporeichen Punk-Ska-Bastard, der textlich das Thema Queer-Identität feiert, lange bevor das Wort in den Neunzigern populär wurde.
Dieses Album kennt auch danach keine Atempause. In der Speed-Brass-Kanone ´Kalasnjikov´ – einer halsbrecherischen Hommage an ebenjenen Goran Bregović – peitschen die Bläser im unbarmherzigen Takt über den Asphalt, während das Gitarren-Doppel die Härte skrupellos nach oben schraubt. Ehe der berauschende Trip am Plattenende ausklingt, setzt das zynisch-theaterhafte ´Where Is The Button´ furiose Riff-Pointen, bevor die Roma-Hymne ´Ederlezi´ als großer, epischer Schlusspunkt übernimmt. Hier segeln wehmütige Trompetenmelodien über ein tonnenschweres Metal-Fundament und erzeugen Hühnerhaut am gesamten Körper.

Kein Synthie-Schnickschnack, keine künstlichen Samples – hier brennt echtes Herzblut, vollkommen analog eingespielt von Musiker-Persönlichkeiten aus Serbien, Griechenland, Nordmazedonien, Bulgarien und Deutschland. Veröffentlicht wurde dieser historische Partyschock über das Label “Tubareckorz” im Vertrieb von “BuschFunk“, wobei das farbenfrohe Spektakel für feinschmeckerische Schallplatten-Jäger auf knisterndem, schwarzem Gold im imposanten Gatefold auf Vinyl erhältlich ist.
Schnappt euch diese Scheibe, dreht den Lautstärkeregler bis zum Anschlag auf und feiert die Zukunft der Blasmusik – laut, dreckig, hemmungslos und absolut fantastisch!
(8,5 Punkte)
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