
ILIUM gehören seit fast drei Jahrzehnten zu diesen unermüdlichen Überzeugungstätern, die im Stillen an ihrer Vision feilen. Vier Jahre nach der ´Quantum Evolution Event´-EP und sechs Jahre nach dem heftigen Brocken ´Carcinogeist´ meldet sich das Gespann um Axt-Meister Jason Hodges und Multiinstrumentalist Adam Smith zurück. Mit ihrem neunten Studioalbum ´Scythe Ballet´ setzen die Australier über “Arkeyn Steel Records” ein dickes Ausrufezeichen im Power Metal, das sich gewaschen hat.
Was dieses Werk sofort aus der breiten Masse heraushebt, ist der Neuzugang am Mikrofon. Giles Lavery, bekannt von WARLORD und ALCATRAZZ, gibt dem Ganzen eine herrlich theatralische, majestätische Eigenheit, die man ansonsten im Genre-Einerlei oft vermisst. Seine Reibeisenstimme thront erhaben über massiven Riff-Breitseiten, während ILIUM direkt mit dem Doppelpack ´Infant Clairvoyants´ und ´Blood Embers´ lospreschen. Stahlharte, messerscharfe Guitarlines im Stile alter HELLOWEEN schießen aus den Boxen, während Schlagzeuger Tim Yatras den Rhythmus wie ein Urwerk nach vorne peitscht.
Der Vorteil dieser Scheibe liegt in dem cleveren Songwriting. Man tauft diesen Sound nicht ohne Grund gern als Power Metal für Genießer. Die Riffs wirken verschachtelt, biegen in unerwartete Winkel ab, ohne dabei die Hooks liegen zu lassen. Besonders der Titeltrack ´Scythe Ballet´ entpuppt sich als technisches Flammenmeer, in dem komplexe Taktwechsel und pfeilschnelle Sechs-Saiten-Duelle den Hörer schwindelig spielen.
Gleich danach drosselt das monumentale Epos ´Confessions Of A Former God´ zwar das Tempo, weckt aber Erinnerungen an JAG PANZER oder LOST HORIZON. Weiter hinten drehen ILIUM mit dem mitreißenden ´Extinction Point´ und dem majestätisch angehauchten ´Byzantium´ richtig auf. Hier greift Adam Smith beherzt in die Tasten-Kiste, um den Gitarrenwänden eine erhabene, cineastische Tiefe zu verleihen.
Mit dem rasanten ´Jovian Storm´ lugt sogar die europäische Schule der späten Neunziger durch die Tür, bevor das dunkle Schluss-Trio aus ´Lexicon´, dem rhythmisch vertrackten ´Morality Virus´ und dem epischen Zauber ´The Prophet King´ den Sack endgültig zumacht.
Klar, wer nach oberflächlichem Trallala-Metal für die nächste Bierzelt-Sause sucht, dürfte an den vielschichtigen Strukturen womöglich vorbeisegeln. Aber für Liebhaber von anspruchsvollem, traditionellem Stahl ist diese Scheibe ein Schuss ins Schwarze. ILIUM zeigen mit viel Herzblut, wie lebendig und packend klassischer Metal im Jahr 2026 klingen kann.
(8 Punkte)



