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MUDDY WATERS – Muddy, Brass And The Blues

1966/2026 (Chess Records/UMG Recordings) - Stil: Blues

Wer MUDDY WATERS zeitlebens stur als den unverrückbaren Monolithen des staubigen Chicago-Blues verbucht hat, reibt sich bei diesem 1966er Kapitel erst einmal verwundert die Augen. Die Mächtigen bei “Chess Records” blickten damals mit gierigem Blick auf die gut gefüllten Geldbörsen des weißen Jazz-Publikums, sahen das spitzfindige Großstadt-Publikum zu B.B. KING strömen und schickten ihr Aushängeschild kurzerhand im feinen Smoking auf die Bühne. Dass MUDDY WATERS dieses Reißbrett-Kalkül im Grunde seines Herzens zutiefst verabscheute, schimmert durch jede Note. Doch genau aus diesem unbändigen Widerstand, aus dem Aufbäumen einer stolzen Naturkraft gegen ein starres Korsett, erwächst eine unverschämt packende Dynamik.

Schon das Visuelle ist eine herrlich freche Mogelpackung für die Schaufenster der Plattenläden. MUDDY WATERS posiert auf dem Cover zwar mit seiner roten Fender Telecaster, doch im Studio legte er das Holz fast durchgehend beiseite. Die Sechs-Saiten-Arbeit überließ er komplett seinen Sidemen Sammy Lawhorn und James “Pee Wee” Madison. Bevorzugt nahm der Maestro schlicht das Mikrofon in die Hand und wandelte sich gezwungenermaßen vom ländlichen Delta-Shouter zum urwaltigen R&B-Sänger. Seine Stimmbänder kämpfen förmlich gegen die Wand aus Trompeten und Saxofonen an, was dem Material eine atemberaubend rohe Soul-Präsenz einhaucht. In den intensivsten Momenten schlägt diese Darbietung Wellen, die erstaunlich nah an die emotionale Zerrissenheit eines OTIS REDDING heranreichen.

Saxofonist und Arranger Gene Barge stand vor der schier unmöglichen Aufgabe, den unberechenbaren Rhythmus von MUDDY WATERS in das Gerüst geschriebener Notenblätter zu pressen. Ein echtes Unterfangen, neigte der Meister doch seit jeher dazu, Takte völlig spontan nach eigenem Bauchgefühl zu verlängern oder zu verkürzen. Dennoch entfaltet sich das Zusammenspiel mitreißend.

´Corine, Corina´ fegt als hochenergetischer Jump-Blues aus den Boxen, dicht gefolgt vom swingenden Kansas-City-Groove in ´Piney Brown Blues´. B.B. KINGs Klassiker ´Sweet Little Angel´ bekommt eine edle West-Coast-Poliertheit verpasst, während Charles Stepney an der elektrischen Orgel in ´Trouble In Mind´ für dichte, beinahe sakrale Wehmut sorgt. Selbst das abschließende ´Hard Loser´, die einzige eigene Komposition des Meisters auf dieser Scheibe, schlägt eine herrlich schmutzige Brücke zwischen den alten Wurzeln und dem neuen Bläser-Gewand.

Unter diesem Gebläse schuftet die eingespielte Stammband unermüdlich: Klavier-Genie Otis Spann setzt wie gewohnt magische Akzente, während James Cotton seine Mundharmonika klagend durch die Lücken jagt.

Den absoluten Höhepunkt markiert jedoch der eine Moment, in dem MUDDY WATERS stur seinen Dickkopf durchsetzte. Für den düsteren Slow-Blues ´Black Night´ schickte er die ungeliebte Bläserfraktion kurzerhand vor die Studiotür. Was bleibt, ist der puristische, ungezähmte Chicago-Sound in seiner reinsten Form. James Cottons Harfe weint bitterlich, während MUDDY WATERS mit dunkler, beschwörender Stimme eine Aura heraufbeschwört, die schlicht gänsehauterzeugend ist.

Die frische All-Analog-Neuauflage im Rahmen der “Chess-75th-Anniversary-Reihe” spendiert diesem unterschätzten Befreiungsschlag endlich den Klangraum, den er verdient.

Bei “Quality Record Pressings” auf schweres 180g-Vinyl gepresst und von den originalen Masterbändern gemastert, wummert der Bass erdig und tief durch den Raum, während die Bläsersätze gestochen scharf im Stereopanorama stehen. Ein faszinierendes Zeitdokument voller Charakter und unbändiger Leidenschaft!

Kult-Klassiker.

https://www.facebook.com/muddywatersofficial

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