PlattenkritikenPressfrisch

IRONFLAME – Worlds To Conquer

2026 (High Roller Records) - Stil: Heavy Metal

Es gibt Bands, die ständig ihr Gesicht verändern. Und es gibt Projekte wie IRONFLAME, die genau wissen, wofür sie stehen. Andrew Della Cagna gehört zu jener seltenen Sorte Musiker, die sich nie um Trends geschert haben. Während sich andere an modernen Spielarten des Heavy Metal versuchen oder verzweifelt nach dem nächsten großen Stilbruch suchen, bleibt der Multiinstrumentalist aus Ohio seiner Vision treu: klassischer Heavy Metal mit Herz, Melodie und einer gehörigen Portion Pathos. Seit der Gründung von IRONFLAME im Jahr 2016 ist genau das die Konstante und auch das sechste Studioalbum ´Worlds To Conquer´ macht daraus keinen Hehl.

Wer allerdings Innovation um ihrer selbst willen erwartet, dürfte enttäuscht sein. Wer dagegen den Geist von DIO, IRON MAIDEN, frühen HAMMERFALL, HELLOWEEN oder auch US-Metal-Größen wie TWISTED TOWER DIRE schätzt, wird sich hier vom ersten Ton an zuhause fühlen. ´Worlds To Conquer´ versucht nicht, das Genre neu zu definieren. Es will vielmehr zeigen, weshalb traditioneller Heavy Metal auch 2026 noch begeistern kann.

Beeindruckend bleibt vor allem die Arbeitsweise von Andrew Della Cagna. Er schrieb die Songs über mehrere Jahre hinweg, nahm nahezu sämtliche Instrumente selbst auf, sang alle Gesangsspuren ein und kümmerte sich erstmals sogar eigenhändig um Mix und Mastering. Lediglich die Gitarrensoli überließ er seinen Live-Gitarristen Quinn Lukas und Jesse Scott. Dass ein Album trotz dieser nahezu vollständigen Eigenregie niemals steril oder nach einem Soloexperiment klingt, spricht für das Gespür seines Schöpfers. ´Worlds To Conquer´ wirkt wie das Werk einer eingespielten Band.

´Night Closes In´ macht gleich zu Beginn alles richtig. Die Gitarren preschen mit klassischer NWoTHM-Energie nach vorne, während Della Cagna seine markante Stimme irgendwo zwischen Bruce Dickinson und Ronnie James Dio positioniert. Zu ´Legion Of Fire´ marschieren die Riffs sogleich entschlossen voran, die Rhythmussektion sorgt für mächtigen Druck und über allem schweben zweistimmige Gitarrenharmonien, wie man sie seit Jahrzehnten liebt.

´Dynasties Fall´ schlägt anschließend epischere Töne an. Die Gitarren erzählen beinahe ihre eigene Geschichte, während der Gesang Bilder von untergehenden Reichen, zerbrochenen Herrschaften und vergangenen Epochen entstehen lässt. Dunkler gerät ´Where Cauldrons Burn´. Schon der Titel weckt Assoziationen an vergessene Schlachtfelder, Hexenkessel und düstere Legenden. Musikalisch dominiert ein schwerer Groove.

Nicht zufällig bezeichnet Andrew Della Cagna ´Shadow Slave´ selbst als den traditionellsten des Albums. Tatsächlich schwebt der Geist von Ronnie James Dio beinahe über jeder Passage. Der kraftvolle Rhythmus, die heroischen Gesangslinien und die großen Melodiebögen erinnern an die goldenen Jahre des klassischen Heavy Metal. ´Crimson Shores´ bringt hernach mehr Melodik ins Spiel. Hier verschmelzen europäischer Power Metal und klassischer US Heavy Metal besonders harmonisch miteinander.

Mit ´Valhalla Is Calling´ folgt der wohl eingängigste Song der Platte. Wikinger, Schlachten und nordische Mythologie gehören seit Jahren zum Standardrepertoire des Metal. Den krönenden Abschluss bildet jedoch der Titeltrack ´Worlds To Conquer´. Klassische Maiden-Harmonien treffen auf kraftvolle Power Metal-Strukturen. Inhaltlich geht es allerdings weniger um tatsächliche Eroberungen als um den inneren Antrieb, Grenzen zu überwinden und sich neuen Herausforderungen zu stellen.

Natürlich bewegt sich ´Worlds To Conquer´ innerhalb klar definierter Genregrenzen. Wer auf radikale Experimente oder überraschende Stilwechsel hofft, wird sie hier nicht finden. Manche mögen genau das als Schwäche betrachten. Tatsächlich liegt darin aber gleichzeitig die größte Stärke des Albums. Andrew Della Cagna schreibt keine Musik, um Erwartungen zu brechen. Er schreibt Musik, weil er diesen Sound liebt.

IRONFLAME müssen niemandem mehr etwas beweisen. Auch das sechste Album liefert alles, was Fans erwarten dürfen: starke Melodien, hervorragende Gitarrenarbeit, hymnische Refrains und ehrlichen Heavy Metal ohne Schnörkel. Vielleicht fehlt am Ende tatsächlich jener eine Song, der das Album endgültig in höhere Ränge erhebt. Doch selbst ohne diesen ganz großen Gänsehautmoment bleibt ´Worlds To Conquer´ eine durchweg gute Veröffentlichung. Manchmal reicht es eben völlig aus, das zu tun, was man wirklich beherrscht. Und genau das gelingt Andrew Della Cagna hier einmal mehr mit beeindruckender Konsequenz.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/IronflameUSA


(VÖ: 14.08.2026)

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"