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STEFANO PANUNZI – Caravaggio

2026 (Independent/Just For Kicks Music) – Stil: Cineastischer Art Rock

Der Italiener Stefano Panunzi denkt nicht in gewöhnlichen Albumformaten. Nach dem atmosphärischen ´Pages From The Sea´ folgt nun mit ´Caravaggio´ ein monumentales Doppelalbum von über zweieinhalb Stunden Spielzeit. Was zunächst wie eine kaum zu bewältigende Mammutaufgabe erscheint, entpuppt sich als cineastische Klangreise, auf der Art Rock, Ambient, Jazz und moderner Progressive Rock in ständig wechselnden Hell-Dunkel-Kontrasten aufeinandertreffen.

Gut zwei Jahrzehnte nach seinem Solo-Debüt setzt Panunzi erneut auf eine beeindruckende Zahl hochkarätiger Mitstreiter. Tim Bowness (NO-MAN), David Torn, Theo Travis, Markus Reuter, Colin Edwin (PORCUPINE TREE), Grice, Nicola Alesini, Fabio Trentini, Luca Calabrese und viele weitere Musiker verleihen den insgesamt vierundzwanzig Kompositionen ihre ganz eigene Handschrift. Dennoch bildet Panunzis Piano- und Keyboardspiel  den ruhenden Mittelpunkt des Albums.

Der eröffnende Titeltrack ´Caravaggio´ entfaltet mit Grice am Mikrofon sofort seine melancholische Kraft. David Torn setzt dazu kantige Gitarrenakzente, während Panunzi die Atmosphäre mit schimmernden Keyboardflächen verziert. Tim Bowness übernimmt auf ´Hidden Ties´ den Gesang und bewegt sich zwischen elegantem Art Rock und der melancholischen Welt von NO-MAN. Theo Travis steuert dazu Flöten- und Saxophonlinien bei, die den Stücken zusätzliche Wärme verleihen.

Instrumentale Höhepunkte finden sich reichlich. ´I No Longer Know Who You Are´ lebt von eleganten Pianomotiven und einem wunderbar singenden Bass, während ´On The Forgiveness Road´ die melodische Gitarrenarbeit in den Mittelpunkt rückt. Das eindringliche ´No More Wars´ verbindet schließlich eingängige Melodien mit einer ernsten Botschaft, vorgetragen durch Sänger und Gitarrist Alessandro Borgo Caratti.

Auch die zweite Hälfte hält das hohe Niveau mühelos. Das intime ´The Well´ verbindet Grice’ sanften Gesang mit Duduk, Piano und feinen Ambientfarben. Das instrumentale ´If It’s Not Love, What Is?´ schlägt überraschend die Brücke zum Jazz, ehe ´Endless´ und ´Breathing The Thin Air´ frühere FJIERI-Kompositionen in neuem Gewand präsentieren. Besonders gelungen gerät dabei der Wechsel von Tim Bowness’ ursprünglicher Interpretation hin zum deutlich dunkleren Gesang von 05Ric.

Zu den bewegendsten Momenten zählt allerdings ´Tribal Innocence, Part 2´. Hier verarbeitet Panunzi eine ältere Aufnahme mit seinem großen musikalischen Vorbild Mick Karn. Dessen unverwechselbarer Fretless-Bass verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf berührende Weise und erinnert daran, wie stark dessen Einfluss bis heute nachhallt.

Mit ´Hold´, getragen von Colin Edwin und David Torn, erreicht das Album einen weiteren Höhepunkt, bevor ´Sea Of Madness´ und das rein instrumentale ´Gaza´ den Schlusspunkt setzen. Gerade das finale Stück wirkt mit zusätzlicher Trompete umso eindringlicher.

Im Vergleich zum bereits starken ´Pages From The Sea´ wirkt ´Caravaggio´ deutlich ambitionierter. Die Musik verlässt häufiger den klassischen Art Rock, öffnet sich Avantgarde, Ambient, Jazz und experimentellen Klanglandschaften, ohne dabei ihre melodische Seele zu verlieren. Die enorme Spielzeit verlangt zwar Zeit und Aufmerksamkeit, doch sie wirkt erstaunlich selten überladen. Stattdessen entfaltet sich ein musikalischer Roman voller Licht und Schatten, der sich eher Kapitel für Kapitel als in einer einzigen Sitzung erschließt.

Stefano Panunzi ist mit ´Caravaggio´ ein außergewöhnlich vielschichtiges Werk gelungen. Ein Album, das man immer wieder aufschlägt, wie ein gutes Buch, und dabei jedes Mal neue Farben zwischen Licht und Dunkel entdeckt.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/stefanopanunzimusic

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