
KARFAGEN – Omni II – Act I: The Glass Of Time
2026 (Caerllysi Music/Just For Kicks Music) - Stil: Prog Rock
Hörte man mit ´Omni´ noch den Sonnenaufgang über weiten Landschaften des Progressive Rock, öffnet ´Omni II – Act I: The Glass Of Time´ nun die nächste Tür. Antony Kalugin führt sein ambitioniertes Konzept nahtlos fort und beweist erneut, dass KARFAGEN längst mehr ist als nur ein Studioprojekt. Die Musik fließt wie aus einem Guss, kennt kaum Unterbrechungen und entwickelt sich über knapp fünfzig Minuten zu einer einzigen großen Erzählung.
Erneut versammelt Kalugin eine beeindruckende Schar namhafter Gäste um sich. Roine Stolt, Yogi Lang, Marco Glühmann, Per Malmberg, John Hackett, Kalle Wallner, Marek Arnold oder Jean Pageau sind längst keine bloßen Gastmusiker mehr, sondern Teil eines musikalischen Mosaiks, das Kalugin mit erstaunlicher Leichtigkeit zusammensetzt. Trotz der vielen Stimmen und Instrumentalisten trägt das Album unverkennbar die Handschrift des ukrainischen Komponisten.
“Omni Part 4” beginnt mit ´The Glass Of Time Part 1´ fast schwerelos. Sanfte Keyboards, John Hacketts Flöte und filigrane Gitarrenlinien lassen Erinnerungen an CAMEL, GENESIS oder Mike Oldfield aufkommen. Anschließend übernimmt Roine Stolt auf ´Frozen Rivers´ das Mikrofon und veredelt den warmen Symphonic-Prog mit seiner unverwechselbaren Stimme. Zwischen Flöte, Saxophon und eleganten Keyboardflächen entwickelt sich einer der stärksten Momente des Albums.
Maria Panasenko sorgt in ´Shadowbound´ für den ersten echten Gänsehautmoment. Ihre Stimme bewegt sich mühelos zwischen Zerbrechlichkeit und dramatischer Kraft, während Michael Stolts wunderbar melodischer Bass das Fundament legt. Noch größer wird das Kinogefühl anschließend in ´The Shape Of Love´. Marco Glühmann führt den Hörer sicher durch immer neue Wendungen, ehe Flöte, Gitarren und Mellotron in einem herrlich melodischen Finale zusammenfinden.
“Omni Part 5” setzt den eingeschlagenen Weg konsequent fort. ´Carry On´ verbreitet mit Yogi Lang am Mikrofon eine wohltuende Leichtigkeit, bevor Kalle Wallners Gitarrensolo dem Stück zusätzliche Dynamik verleiht. ´Beyond The Mirror´ überrascht mit Per Malmbergs angenehm unaufgeregtem Gesang und fein dosierten Saxophoneinsätzen von Marek Arnold. Besonders gelungen gerät der fließende Übergang zu ´How Fragile We Are´. Maria Panasenko zeigt hier eine völlig andere Seite ihrer Stimme, geheimnisvoll, beinahe schwebend, während Chapman Stick, Saxophon und Slide-Gitarre für eine außergewöhnlich dichte Atmosphäre sorgen.
Mit ´The Glass Of Time Part 2´ schließt sich schließlich der Kreis. Das eröffnende Thema kehrt zurück, diesmal nachdenklicher und reifer. Kalugins majestätische Keyboardlandschaften treffen auf lyrische Gitarren, ehe das Album in einem würdevollen Finale langsam entschwindet.
Auch der Bonus-Abschnitt “Omni Part 6” besitzt seinen Reiz. Instrumentalstücke wie ´The Silent Compass´ oder ´OMNI 45´ geben den beteiligten Musikern noch mehr Raum zur Entfaltung, während ´We Live While We Remember´ mit Jean Pageau einen weiteren gesanglichen Höhepunkt bereithält. Den Schlusspunkt setzt das wunderschöne ´Shard Of Silence´, in dem Marek Arnolds Sopransaxophon noch einmal für Gänsehaut sorgt.
Antony Kalugin gelingt das Kunststück, den Vorgänger nicht einfach zu wiederholen, sondern dessen musikalische Welt behutsam zu erweitern. Wo ´Omni´ bereits durch seine melodische Vielfalt überzeugte, wirkt ´Omni II – Act I: The Glass Of Time´ noch geschlossener, cineastischer und emotionaler. Die zahlreichen Gastmusiker bereichern das Album, ohne ihm den Charakter von KARFAGEN zu nehmen. So wächst das OMNI-Konzept zu einem der spannendsten Symphonic-Prog-Zyklen der letzten Jahre heran.
(9 Punkte)



