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BILL EVANS TRIO – Explorations

1961/2026 (Riverside Records/Analogue Productions) - Stil: Jazz

New York im Winter 1961. Draußen pulsiert die Stadt im Rhythmus ihrer eigenen Rastlosigkeit, während sich hinter den Studiowänden von „Riverside“ drei Musiker auf eine Aufnahme vorbereiten, die Jahrzehnte überdauern wird. BILL EVANS, SCOTT LAFARO und PAUL MOTIAN haben in wenigen Monaten eine musikalische Sprache entwickelt, die damals nahezu revolutionär erscheint.

Nach Monaten gemeinsamer Auftritte hatten die drei Musiker eine Form des Zusammenspiels entwickelt, die im Jazz bis dahin kaum denkbar schien. Der Pianist gab nicht mehr die Richtung vor, Bass und Schlagzeug begleiteten nicht mehr bloß – jeder Ton wurde Teil eines offenen Dialogs. Genau diese Freiheit macht ´Explorations´ bis heute zu einem der faszinierendsten Klaviertrio-Alben aller Zeiten.

Was heute selbstverständlich wirkt, war Anfang der Sechzigerjahre eine kleine Revolution. Bass und Schlagzeug verweigern die klassische Begleitrolle. Das Trio agiert als gleichberechtigtes Kollektiv, als permanenter Austausch von Ideen, Reaktionen und spontanen Richtungswechseln.

Bereits das eröffnende ´Israel´ zeigt eindrucksvoll, weshalb dieses Trio Geschichte schrieb. Die Komposition von John Carisi erhält hier eine beinahe neue Identität. BILL EVANS legt harmonische Farben übereinander wie ein impressionistischer Maler seine Pinselstriche. SCOTT LAFARO antwortet mit melodischen Gegenlinien, die sich ständig um das Klavier winden, während PAUL MOTIAN den Rhythmus eher andeutet als vorgibt. Die Musik schwebt und verändert sich mit jeder Sekunde.

Noch tiefer führt ´Haunted Heart´ in die lyrische Welt des Trios. Die Melodie scheint aus dem Nebel aufzutauchen und BILL EVANS spielt mit jener unverwechselbaren Mischung aus Melancholie und Eleganz, die sein Werk bis heute so einzigartig macht.

Mit ´Beautiful Love´ beginnt das Trio förmlich zu fliegen. Die Musiker lösen sich von traditionellen Rollenmustern und erschaffen einen Strom aus Ideen, der dennoch niemals seine melodische Schönheit verliert. Besonders SCOTT LAFARO glänzt mit einem Bassspiel, das auch mehr als sechs Jahrzehnte später noch modern wirkt. Sein Spiel begleitet nicht, es erzählt seine eigene Geschichte.

Das zarte ´Elsa´ gehört zu den poetischsten Momenten des Albums. Die Komposition von Earl Zindars entfaltet sich wie ein langsamer Spaziergang durch eine menschenleere Stadt im Morgengrauen. BILL EVANS verleiht dabei jedem Anschlag eine fast klassische Eleganz.

´Nardis´ eröffnet das zweite Vinyl dieser Neuauflage mit einem der großen Momente des modernen Jazz. Die von MILES DAVIS geschriebene Komposition wurde durch BILL EVANS praktisch neu erfunden. Geheimnisvoll, dunkel und voller Spannung entwickelt sich das Stück. SCOTT LAFAROS Bassspiel erreicht hier eine Intensität, die bis heute Generationen von Jazzmusikern beeinflusst.

´How Deep Is The Ocean?´ und ´I Wish I Knew´ zeigen anschließend die enorme Fähigkeit des Trios, scheinbar vertrauten Standards neues Leben einzuhauchen. Wo andere Musiker nostalgische Routine abliefern würden, entdecken BILL EVANS, SCOTT LAFARO und PAUL MOTIAN ständig neue Farben, neue Zwischentöne und neue emotionale Nuancen.

Den Schlusspunkt setzt ´Sweet And Lovely´ mit einer wunderbaren Leichtigkeit. Hinter der entspannten Oberfläche verbirgt sich ein hochkomplexes Zusammenspiel dreier Musiker, die einander intuitiv folgen. Das Trio klingt wie ein einziger Organismus mit drei Stimmen.

Mehr als sechs Jahrzehnte später wirkt ´Explorations´ noch immer wie ein Blick in die Zukunft. Diese Musik altert nicht. BILL EVANS, SCOTT LAFARO und PAUL MOTIAN erschufen hier keinen bloßen Jazzklassiker, sondern eine neue Form musikalischer Kommunikation. Was zwischen diesen acht Stücken geschieht, entzieht sich bis heute jeder vollständigen Erklärung. Es ist jener seltene Moment, in dem Technik, Emotion und Intuition vollkommen miteinander verschmelzen. Einer der kostbarsten Augenblicke der Jazzgeschichte.

(Klassiker)

Diese neue Ausgabe von „Analogue Productions“ gehört ohne Zweifel zu den begehrtesten Wiederveröffentlichungen des Jahres. Chad Kassem bringt einen Höhepunkt des „Riverside“-Katalogs in der legendären Gray/Hoffman-45-RPM-Version zurück, die über viele Jahre praktisch vom Markt verschwunden war.

Klanglich verfolgt die 45-RPM-Version aus der „Fantasy-45“-Serie einen anderen Ansatz als etwa die zuletzt veröffentlichte, luxuriöse „Small-Batch“-Ausgabe von „Craft Recordings“. Bereits nach wenigen Takten wird deutlich, weshalb viele Audiophile seit Jahren von den Kevin Gray-/Steve Hoffman-Schnitten schwärmen. Die Bühne öffnet sich enorm weit nach links und rechts. Das Trio erhält mehr Luft, mehr Tiefe und mehr räumliche Staffelung.

Die “Small-Batch-One-Step” von “Craft Recordings” verfolgt dagegen eine intimere Philosophie. BILL EVANS rückt stärker in den Mittelpunkt des Geschehens. Das Klavier besitzt etwas mehr Wärme und Substanz im Grundtonbereich. Das extrem ruhige VR900-Vinyl sorgt zudem für eine nahezu gespenstische Stille zwischen den Noten.

Ein weiterer Unterschied liegt im Mastering selbst. Die „Fantasy-45“-Ausgabe verwendet die legendären AcousTech-Metallteile von Kevin Gray und Steve Hoffman, die direkt von den Original-Masterbändern erstellt wurden. Viele Sammler betrachten diese Schnitte seit Jahren als Referenz für „Riverside“-Aufnahmen. Die „Small-Batch“-Ausgabe wurde dagegen von Bernie Grundman neu gemastert und präsentiert das Album mit etwas modernerer Fokussierung.

Auch bei der Pressqualität liefern beide Hersteller absolute Spitzenklasse. „Quality Record Pressings“ produziert die „Fantasy-45“-Ausgabe praktisch fehlerfrei mit hervorragender Laufruhe. Die „Small-Batch“ steht dem kaum nach und überzeugt durch das exklusive „One-Step“-Verfahren.

Am Ende entscheidet der persönliche Geschmack. Die „Small-Batch“ ist die luxuriöse Wohnzimmer-Version: intim, warm, fokussiert und bequem zu hören. Die „Fantasy-45“-Series ist die kompromisslose Referenz für maximale Dynamik, größere Räumlichkeit und die vollständigste Darstellung des legendären BILL EVANS TRIOS.

Wer die letzten fünf Prozent audiophiler Perfektion sucht, landet bei der „Analogue Productions“ mit 45 RPM. Wer das geschlossenere Albumerlebnis bevorzugt, wird die „Small-Batch“ weiterhin lieben. Beide Pressungen bewegen sich auf einem Niveau, von dem die meisten Jazz-Veröffentlichungen nur träumen können.

https://www.facebook.com/BillEvansOfficial

 

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