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RADAKKA – Requiem For The Innocent

1998/2026 (Jolly Roger Records) - Stil: Progressive/Power Metal

Ein Requiem ist eine Totenmesse. Als RADAKKA ihr zweites Album 1998 so nennen, ist das als düstere Konzeptidee gedacht. Dass der Titel sich Jahre später wie eine Prophezeiung liest, ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand in der Band. Denn ´Requiem For The Innocent´ wird tatsächlich zum letzten Lebenszeichen von RADAKKA, kurz bevor sich die Band für immer auflöst.

Dabei beginnt alles mit gehörigem Rückenwind. Nach dem Ritterschlag durch Glenn Tipton und K.K. Downing von JUDAS PRIEST, die RADAKKAs Version von ‘Night Crawler’ öffentlich loben, fühlt sich die Band unbesiegbar. Doch mit dem überschaubaren Erfolg des Debüts ´Malice And Tranquility´ im Rücken lauert der berüchtigte Fluch des zweiten Albums. Gitarrist Michael Posch macht später sogar keinen Hehl daraus, wie sehr RADAKKA diesen „Sophomore Jinx” begraben wollten, mit einem bewussten Rückzug zu härteren, kompromissloseren Riffs.

Und härter klingt ´Requiem For The Innocent´ tatsächlich, nicht zuletzt, weil mit Gabriel Anthony ein neuer Schlagzeuger für den langjährigen Dean Maltese einsteigt und dem Sound spürbar mehr Aggression verleiht. Die Riffs sind härter, das Songwriting weniger auf Hooks getrimmt, die Stimmung insgesamt düsterer als beim Debüt. John Dobbs verlässt sogar streckenweise seine kristallklare Gesangslinie und wechselt zu einem fast theatralisch-zerrissenen Vortrag, halb gesungen, halb gesprochen. Im Studio selbst kursierten damals Gerüchte, die Band zerlege sich im Streit. Diese innere Zerrissenheit ist bis heute der Platte anzuhören.

Schon der erste Song ´Phantom #9´ bricht mit der Stilistik seines Vorgängers. Energisches, treibendes Schlagzeug und kernige Riffs erinnern nicht sofort an ´Malice And Tranquility´. Der melodische Heavy Metal von ´Still A Stranger´ besitzt einen modernen Groove. Die Power Ballade ´Azriel (My Dying Love)´ lässt melancholische Gothic-Elemente einfließen und der beinahe Crossover-Metal von ´Whore´ sowie ´Sit Up And Sweat´ Härte und funkige Rhythmen.

Obwohl der Gesang auch im Stile eines Ray Alder dargeboten wird, zeigt sich das Titelstück ´Requiem For The Innocent (We Die Alone)´ in düsterer Atmosphäre. ´Cult Of One´ lässt immerhin die progressiven Wurzeln im Rahmen des US Power Metal nochmal aufblitzen.

Das eigentliche Herzstück des Werkes ertönt am Ende: die über zwanzigminütige ´Black Rose & Red Wine´-Trilogie. ´Gothic Rain´ eröffnet mit wilden Chorgesängen und glänzenden Melodien, ´Queen Of Autumn´ wagt mit über acht Minuten einen mutigen Spagat zwischen 80er-Pop-Hooks und harten Gitarrenausbrüchen. Den Schlusspunkt setzt ´Sorrow’s Thorn´, eine von Akustikgitarren getragene, zutiefst melancholische Ballade, ein versteckter Höhepunkt im gesamten RADAKKA-Katalog.

Passend zum fast klassischen „Opus-Charakter” trägt das Cover ein surreales, an Renaissance-Gemälde erinnerndes Werk von Rainer Kalwitz. Doch während der Musikmarkt längst Richtung Nu Metal und skandinavischem Melodic Death Metal driftet, bleibt für solch ein sperriges US Metal-Album ohne Promotion-Budget kein Raum. Der mutige Stilmix aus Metal, Prog und AOR überzeugt dann auch nicht die Unentschlossenen. Wer jedoch mehr Härte, Risikofreude und ein Finale mit Feuerwerk sucht, findet bei ´Requiem For The Innocent´ trotzdem einiges, das dem Debüt fehlt.

Nach dem Bandaus ging allerdings jeder seinen eigenen Weg. Michael Posch wurde Produzent in Chicago, Randy Jostes blieb lokalen Bands treu, John Dobbs kehrte irgendwann sogar zu seiner allerersten Band PARADOXX zurück. Am weitesten kam Schlagzeuger Gabriel Anthony: Er trommelte bei den Thrashern BLUDGEON, leitete zwischen 2007 und 2009 die Live-Band von Pamela Moore – bekannt als „Sister Mary” auf ´Operation: Mindcrime´ – und sitzt seit 2009 in der DAVID SHANKLE GROUP. Benannt ist sie nach dem Gitarristen, der in den Achtzigern selbst bei PARADOXX spielte, bevor er zu MANOWAR wechselte. Die Chicagoer Metal-Szene bleibt klein.

2026 erscheint ´Requiem For The Innocent´ zum ersten Mal überhaupt auf Vinyl. Verantwortlich zeichnet erneut das italienische Speziallabel “Black Beard”, ein Sub-Label von “Jolly Roger Records”, das sich auf Vinyl-Ausgrabungen klassischer Heavy Metal-Raritäten spezialisiert hat. Auch hier handelt es sich um eine Einzel-LP, wahlweise in Schwarz oder limitiert in Silber.

´Requiem For The Innocent´ ist kein leichter Einstieg und kein Nachfolger, der das Debüt einfach wiederholt. Es ist der Sound einer Band, die lieber untergeht, als sich zu wiederholen. Wer RADAKKA nur über ´Malice And Tranquility´ kennengelernt hat, sollte sich auf ein raueres, zerrisseneres Kapitel gefasst machen. Und wer bis zur ´Black Rose & Red Wine´-Trilogie durchhält, erlebt einen gebührenden Abschluss der Bandgeschichte. Kein makelloser, aber ein faszinierender, kompromissloser Abschiedsbrief.

 

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