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BOB MARLEY & THE WAILERS – Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon

2026 (Tuff Gong/Island/Universal Music Enterprises) - Stil: Roots Raggae

Fünffache Kapazität, ausverkauft binnen Tagen. Als BOB MARLEY & THE WAILERS im Juni 1976 vier Abende im Londoner “Hammersmith Odeon” buchen, ist das kein Konzert, sondern eine Machtdemonstration. Kaum sechs Monate zuvor war erst das letzte Live-Album erschienen, die Konzertversion von ´No Woman, No Cry´ kletterte gerade in die britischen Top-20. Unterdessen spielen sie vier Nächte in einem restlos ausverkauften Haus, und setzen zum Sprung ins Rampenlicht der ganz Großen an. Eine Band am Siedepunkt.

Der Weg dorthin ist keine zwei Jahre alt. 1974 erscheint mit ´Natty Dread´ das erste große Album, kurz darauf erreicht Eric Claptons Version von ´I Shot The Sheriff´ Platz eins in den USA und lenkt die Blicke der Welt auf den Songwriter dahinter. ´Live!´, aufgenommen im “Lyceum Theatre”, bringt Ende 1975 endgültig den Durchbruch. Die ausverkaufte Konzertreihe im “Hammersmith Odeon” wird demzufolge zum vorläufigen Gipfel dieser Aufstiegskurve. Wenige Wochen später schafft es ´Rastaman Vibration´ erstmals in die US-Top-10.

Aufnahmen der Konzerte aus dem “Hammersmith Odeon” gab es angeblich immer schon, Gerüchte über Raubkopien kursieren seit Jahrzehnten, doch die vollständigen Bänder lagen, über verschiedene Standorte der “Island”-Archive verstreut, fünfzig Jahre lang ungehört. Erst jetzt erscheint erstmals offiziell ´Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon´ aus den Original-Multitracks neu zusammengestellt, mit der stärksten Version jedes Songs, gezogen aus den Abenden des 16., 17. und 18. Juni 1976, voller Ausnahmezustand.

Und dieses Live-Album klingt alles andere als gewöhnlich, denn bereits die Songs tönen nicht wie in den Studioalben. ´Get Up, Stand Up´ ist auf ´Burnin’´ ein knackiger Dreiminüter, im “Hammersmith Odeon” explodiert der Song zum zwölfminütigen Ekstase-Ritual mit dem Bob Marley das Publikum anfeuert. ´Crazy Baldhead´ verdoppelt seine Studiolänge und lässt der Band Raum für improvisierte Soli, ´Want More´ wird auf über sechseinhalb Minuten ausgedehnt und entwickelt einen fast hypnotischen Sog. Beim ausgiebig vorgestellten ´Lively Up Yourself´ schiebt sich sogar die Bassline von Aston „Family Man” Barrett derart in den Vordergrund, wie es die Studioversion nie erlaubt hätte.

Der Titelsong ´Roots, Rock, Reggae´ ist die einzige bekannte, professionell mitgeschnittene Live-Version. Eine echte Rarität ist obendrein ´Bend Down Low´. Der Song stammt noch aus der Ska- und Rocksteady-Frühphase der Band in den Sechzigern und wurde auf späteren Welttourneen kaum gespielt. Hier taucht er komplett umgebaut auf, im schwereren, langsameren Roots-Reggae-Gewand der Siebziger.

Am eindrücklichsten aber ist das große Finale, eine dreißigminütige Zugabe, in der sich ´War´ – Bob Marleys Vertonung von Haile Selassies berühmter Rede – mit ´No More Trouble´ musikalisch und politisch vereint, bevor die Band mit der zwölfminütigen Version von ´Get Up, Stand Up´ das Haus endgültig zum Beben bringt.

Auch optisch wird nicht gespart. Das Cover klappt sich von einer seitlichen Ansicht zu einem Ganzkörperporträt von Bob Marley in tranceartiger Bühnenpose auf, dazu gibt es Konzertfotos, bedruckte Innenhüllen und ein neues Essay von Don Letts, langjähriger Weggefährte der Band, der die Stimmung jener Abende aus erster Hand kannte. Sein Essay fängt sie treffend ein: ein ganzer Saal, der für einen Moment im selben Rhythmus atmet.

Wer zugreifen will, hat die Wahl als klassische schwarze 180g-Doppel-LP, als limitierte Farbedition in „Molten Lava Red” oder „Peridot Swirl Green”, als umfangreiches 2-CD-Set oder digital inklusive Dolby-Atmos-Mix für alle, die das Konzert im Wohnzimmer noch einmal räumlich erleben wollen.

Der zeitliche Kontext macht die Aufnahmen zusätzlich ungemein kostbar. Nur wenige Monate nach diesen Konzerten kehrte Bob Marley nach Jamaika zurück, wo im Dezember 1976 ein Attentat auf ihn verübt wurde. ´Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon´ hält damit auch die letzte unbeschwerte Phase vor diesem Einschnitt fest – eine Band auf dem Höhepunkt ihrer rohen, jamaikanischen Live-Kraft, wie sie kein offizielles Album zuvor eingefangen hat.

Der Marley-Biograf Chris Salewicz brachte das Gefühl jener Nächte später auf den Punkt: eine Band, die spürte, dass ihre Zeit gekommen war, und die diesen Moment mit voller Kraft nutzte. Fünfzig Jahre mussten diese Bänder warten, und sie waren jede einzelne Minute davon wert. ´Roots, Rock, Reggae: Live At The Hammersmith Odeon´ ist das fehlende Kapitel im Marley-Katalog, der Beweis, dass diese vier Nächte tatsächlich so brannten, wie es alle Legenden seither behaupten.

Ein Live-Dokument von historischem Rang, ein Must-Have für jeden, der Reggae auch nur ansatzweise ernst nimmt.

Klassiker.

https://www.facebook.com/BobMarley


(VÖ: 28.08.2026)

 

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