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CLOVEN HOOF – Never A Prophet In Your Own Land

2026 (High Roller Records) - Stil: NWoBHM

Ein US-amerikanischer Power Metal-Sänger übernimmt das Mikrofon einer britischen NWoBHM-Legende, das klingt zunächst nach einer Schnapsidee. Harry Conklin, in der Szene nur „The Tyrant” genannt, wurde über SATAN’S HOST, THREE TREMORS und vor allem JAG PANZER mit seinen sirenenhaften Screams zur US-Institution. CLOVEN HOOF aus Wolverhampton dagegen stehen seit 1979 für britischen Heavy Metal alter Schule, in den Achtzigern noch mit Pseudonymen der vier Elemente und aufwendigen Kostümen unterwegs, angeführt von Bassist Lee Payne, dem einzigen verbliebenen Gründungsmitglied einer Band mit einer der wechselhaftesten Besetzungsgeschichten des Genres. Nach dem gefeierten gemeinsamen Debüt ´Heathen Cross´ 2024 folgt nun mit ´Never A Prophet In Your Own Land´ Beweis Nummer zwei, dass die Kombination funktioniert.

Zehntes Studioalbum der Band, aufgenommen von Chris Dando und Ben Fitzharris in den “Vault Studios” in Kidderminster, gemischt und gemastert von Patrick W. Engel im Temple Of Disharmony. Besonders ist die Konstanz dahinter, dieselbe Besetzung wie beim Vorgänger – Payne am Bass, Chris Coss und Luke Hatton an den Gitarren, Ash Baker am Schlagzeug, Chris Dando an Keyboards und Backing Vocals, Conklin am Mikrofon – eine Seltenheit in der Bandgeschichte.

Der Titel trägt eine persönliche Widmung. Sänger Russ North, über Jahrzehnte für viele Fans die prägende Stimme der Band, starb Anfang 2025. Der Albumtitel geht laut Payne auf einen Satz zurück, den er einst zu Russ sagte, als sich dieser darüber ärgerte, dass die britische Metal-Presse einmal mehr lieber ausländische Trends feierte als den eigenen, hausgemachten Heavy Metal. Ein Nachruf in Songform, ohne dass die Platte deshalb schwerfällig klingt.

Die spannende Frage bei diesem Projekt ist weiterhin, ob Conklins US-Schule mit messerscharfem Riffing und extremen Screams zum eher erzählerischen, melodischeren britischen NWoBHM-Gesang passt. Im Opener ´Terror From The Skies´ zeigt Conklin zunächst das erwartete Register. Doch schon im Titeltrack ´Never A Prophet´ und in der Hymne ´Conquistador´ nimmt er das Tempo heraus, zugunsten von theatralischem, mitsingbarem Gesang. Die größte musikalische Überraschung liefert jedoch ´Gypsy Roller´, ein Ausflug in dichte Hammond-Orgel-Flächen von Keyboarder Chris Dando im Stil der Siebziger, DEEP PURPLE oder die Dio-Ära von RAINBOW kommen einem in den Sinn, dazu singt Conklin überraschend warm und bluesig. Auf ´Flying Dutchman´ trägt Dandos Keyboard-Fläche eine mystisch-exotische Melodie durch eine fast progressive Songstruktur, während ´Prodigal Son´ mit einem eingängigen Refrain gesegnet ist. ´Iron Mask´, die Vorabsingle, bündelt dagegen das rasante, zweistimmige Gitarrenspiel von Coss und Hatton mit einem großen Refrain und zeigt am deutlichsten, warum die Band die Ära von ´A Sultan’s Ransom´ aus dem Jahr 1989 als Referenz nennt. ´Seven Sacred Wonders´ setzt zum Schluss noch einmal auf verschachtelte Twin-Gitarren-Läufe und Paynes dominante Basslinien, klassisches NWoBHM-Handwerk in Reinform.

Gegenüber dem düsteren, fast eintönig schweren ´Heathen Cross´ wirkt die neue Platte deutlich bunter, mit Ausflügen von Speed Metal-Härte bis Classic Rock-Anleihen. Diese Vielfalt fordert aber auch ihren Preis. Songs wie ´Phantom Chaser´ bleiben solide, geradlinige Riff-Nummern, die neben den ausgefalleneren Momenten etwas blass wirken, und zehn Songs in knapp achtundvierzig Minuten lassen kaum Verschnaufpausen. Ein Album für die Ewigkeit ist ´Never A Prophet In Your Own Land´ nicht, aber eines mit einer Bandchemie, die man CLOVEN HOOF nach so vielen Besetzungswechseln kaum zugetraut hätte.

Was am Ende bleibt, ist eine Band, die sich mit ihrem Sänger aus Übersee neu erfunden hat, ohne die eigene Herkunft zu verraten. Für die aktuelle Ära der Band ein Meilenstein, ob er an den Kultstatus der Achtziger heranreicht, muss sich erst zeigen.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/clovenhoof1979


(VÖ: 25.09.2026)

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