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JOHNNY HARTMAN – The Voice That Is!

1964/2026 (Impulse!) - Stil: Jazz

Sein Name steht für immer neben dem von John Coltrane, und doch klingt Johnny Hartman nirgends so sehr nach sich selbst wie hier, ganz ohne ihn. Man kennt das ja. ´John Coltrane And Johnny Hartman´ von 1963 läuft in jeder gut sortierten Jazzbar irgendwann nach Mitternacht, und das völlig zu Recht. Aber wer bei diesem Sänger nur an jenes eine Album denkt, verpasst etwas. Danach entstand für Impulse! erst ´I Just Dropped By To Say Hello´, und im September 1964 folgte ´The Voice That Is!´, sein drittes und letztes Album für das Label. Ein Titel wie ein Statement.

Aufgenommen wurde an zwei Tagen, am 22. und 24. September 1964, im „Van Gelder Studio“ in Englewood Cliffs. Produziert hat Bob Thiele, die Arrangements stammen von Bob Hammer, die Liner Notes des Originals schrieb George Hoeffer. Und das Spannende ist, dass hier zwei ganz verschiedene Besetzungen am Werk sind.

Die eine ist klassisch und intim. Ein Quartett mit Hank Jones am Klavier, Barry Galbraith an der Gitarre, Richard Davis am Bass und Osie Johnson am Schlagzeug. Mit ihnen singt Johnny Hartman ´My Ship´ von Kurt Weill und Ira Gershwin, ´The More I See You´ und ´These Foolish Things´. Dazu kommen Bill Evans’ ´Waltz For Debbie´, mit dem Text von Gene Lees, und ´It Never Entered My Mind´ von Richard Rodgers und Lorenz Hart.

Die andere Besetzung nennt die Platte schlicht Orchester, und da wird es bunt. Dick Hafer spielt Englischhorn und Flöte, Phil Kraus die Marimba, Howard Collins und Barry Galbraith teilen sich die Gitarren, und Willie Rodriguez sorgt für lateinamerikanische Percussion. Richard Davis und Osie Johnson bleiben als Fundament dabei. Das klingt nach einem ganz anderen Abend, eher nach einer warmen Terrasse als nach dem verrauchten Club.

Die Songauswahl ist mutiger, als man denkt. Klar, die Standards sind da. Aber Johnny Hartman greift auch nach ganz frischem Material. ´A Slow Hot Wind´ von Henry Mancini und Norman Gimbel gehört zu den frühen Gesangsfassungen dieses Stücks, das ursprünglich als Instrumental bekannt war. ´Funny World´ stammt aus dem italienischen Film „Malamondo“ von 1964, geschrieben von Ennio Morricone, mit Text von Alan Brandt. Und dann ´Sunrise, Sunset´ von Jerry Bock und Sheldon Harnick, aufgenommen in derselben Woche, in der „Fiddler On The Roof“ am Broadway Premiere feierte. Näher dran am Puls der Zeit konnte man kaum sein.

Die Neuauflage verteilt die Songs auf zwei LP-Seiten. Seite A beginnt mit ´The More I See You´, gefolgt von ´A Slow Hot Wind´, ´Let Me Love You´ von Bart Howard und ´Funny World (Theme From Malamondo)´. Dann kommen ´These Foolish Things´ und ´My Ship´. Seite B öffnet mit ´The Day The World Stopped Turning´ von Buddy Kaye und Phillip Springer. Es folgen ´Joey, Joey, Joey´ von Frank Loesser und ´Sunrise, Sunset´, bevor ´Waltz For Debbie´ und ´It Never Entered My Mind´ den Abend beschließen.

Und diese Stimme. Ein Bariton voller Wärme, der nie protzt. Johnny Hartman phrasiert so unaufgeregt, dass man manchmal vergisst, wie viel Kontrolle dahintersteckt. Er braucht keine Akrobatik. Er singt eine Zeile, und sie sitzt. Wer diesen Mann einmal ´It Never Entered My Mind´ hat singen hören, weiß, was ein Torch Song eigentlich sein soll.

Gerade mal 34 Minuten dauert das Ganze. Keine Füllware. Hier singt einer, der weiß, was er tut, und der es nicht nötig hat, das zu beweisen.

Die „Verve Acoustic Sounds Series“ holt jeden Monat historische Jazzaufnahmen aus den Archiven von „Verve“ und „Universal Music Enterprises“, betreut von Chad Kassem, dem Chef von „Acoustic Sounds“. Gemastert hat Matthew Lutthans bei The Mastering Lab direkt von den originalen Analogbändern. Gepresst wurde auf 180g schwerem Vinyl bei „Quality Record Pressings“, und das Klappcover im alten Tip-on-Stil kommt von Stoughton Printing. Für eine Aufnahme aus dem Studio von Rudy Van Gelder ist das ein Produktionsweg, bei dem man sich als Sammler entspannt zurücklehnen und genießen kann.

Für Liebhaber von feinsinnigem Vocal-Jazz und herausragender Aufnahmequalität ist ´The Voice That Is!´ ein absolutes Must-have.

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