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SATOKO FUJII ORCHESTRA NAGOYA – Korekara

2026 (Libra Records) - Stil: Jazz

Das vielleicht fröhlichste Orchesterwerk in Satoko Fujiis Marathonjahr verdankt seine Existenz einem winzigen Café, das einst nur ein paar Schritte vom Bahnhof in Nagoya entfernt lag. Dort, im Rojiura no Matahari, kehrten Satoko Fujii und ihr Mann Natsuki Tamura nach jedem Auftritt in der Stadt ein, bevor sie den Zug nach Hause nahmen. Betrieben wurde das kleine, gemütliche Lokal von Ririko Mio und ihrem Mann Shingo Takeda, der im Orchester Altsaxofon spielt. Hier saßen Menschen, die Filme, Musik und Bücher liebten, dicht an dicht.

Inzwischen ist das Café umgezogen, in ein Viertel voller Restaurants und Plattenläden, ein wenig weiter vom Bahnhof entfernt. Zum 20. Geburtstag des Hauses bat das Paar Satoko Fujii um ein Stück. Die Uraufführung fand im Juli 2021 statt, mitten in den Lockdowns, und vor dem Konzert ließ sich die ganze Truppe brav testen. Der Titel der Suite bedeutet „von jetzt an“. Satoko Fujii wollte für die Zukunft ihrer Freunde schreiben, nicht für deren Vergangenheit.

Mit ´Korekara´ legt die japanische Ausnahmekünstlerin nun Teil vier ihres Fünf-Alben-Marathons vor, wieder auf „Libra Records“. Satoru Kono schnitt das Ganze im Februar 2026 live im „Club Tokuzo“ in Nagoya mit, abgemischt und gemastert hat Naoto Sugahara in den „Orpheus Studios“ in Tokio. Diesmal sitzt die Chefin nicht selbst am Flügel. Sie steht vor ihren fünfzehn Musikern und lenkt das Geschehen mit Einsätzen, und diese Truppe kennt ihre Handschrift aus dem Effeff. Gitarrist Yasuhiro Usui hatte das Orchester 1999 zusammengetrommelt und es seither durch alle Besetzungswechsel geführt. Er kenne ihre Musik und die Musiker vor Ort, sagt Satoko Fujii, sie vertraue ihm, und aus diesem Vertrauen entstehe die Musik.

´Korekara Part 1´ stürzt sich mit einer breiten, selbstbewussten Melodie in die Vollen, das gesamte Ensemble auf einmal. Dann gehört die Bühne Bassist Toru Kasai, der traditionelle und erweiterte Spieltechniken so selbstverständlich verwebt, als wären sie nie getrennt gewesen. Satoko Fujii holt die Band Stück für Stück herein, die Spannung steigt, bis Trompeter Takahiro Tsujita in ein Zwiegespräch mit dem Bass einsteigt. Plötzlich biegt das Ganze in einen Rockbeat ein, und Tenorsaxofonist Yoshiyuki Hirao feuert Notenkaskaden mit kratzigem Ton ab. Die Rückkehr zum Eingangsthema setzt dem Viertelstundenkoloss eine triumphale Krone auf.

´Korekara Part 2´ beginnt leise, mit zarten Tönen von Posaunist Toshihiro Koike, bis die Band sich zu einem mächtig anschwellenden, auskomponierten Abschnitt aufbäumt. Altsaxofonistin Ryoko Ono nimmt erst den Druck heraus, mit einem unbegleiteten Solo voller Schreie und Pausen, doch die Riffs der Kollegen stacheln zu einem explosiven, verspielten Ausbruch an. Dann kommt Natsuki Tamura, und mit ihm das Absurde. Er verbiegt Klangfarben, manipuliert den Ton und vokalisiert, als hätte er einen kleinen Kobold in seiner Trompete eingesperrt. Ein letzter Ausbruch des ganzen Orchesters, und Natsuki Tamura hebt zum Freudensprung ab.

´Korekara Part 3´ lässt es gemächlicher angehen. Über einem lässigen Tempo gehört das Rampenlicht Yasuhiro Usui, dessen Gitarre hell funkelt und mit voller Wucht zuschlägt. Danach brennt Shingo Takeda, der Mann aus dem Café, mit kehligen Stimmfärbungen und ausgefeilten Spieltechniken ein Solo in den Saal, das vor Hitze nur so glüht.

Und dann das Finale. ´Korekara Part 4´ ist mit über 21 Minuten der längste Brocken, und verspricht einige der einfallsreichsten Arrangements, die Satoko Fujii geschrieben hat. An der Trompete eröffnet Misaki Ishiwata mit sorgsam gesetzten Phrasen, kleinen lyrischen Juwelen, bevor Posaunist Toshinori Terukina hinzukommt und beide ihre Linien eng ineinanderfließen lassen. Baritonsaxofonist Daion Kobayashi und Tenorsaxofonist Takuya Matsumoto blasen gemeinsam wuchtige, raue Phrasen in den Raum. Posaunist Tatsuki Nakamura schlägt den Bogen vom funkigen Blues hinüber zur Post-Bop-Raffinesse. Den Schlusspunkt setzen Schlagzeuger Hisamine Kondo und Trompeter Tsutomu Watanabe in einem ausgelassenen Schlagabtausch.

Was am Ende bleibt, ist ein Geburtstagsgeschenk, das weit über seinen Anlass hinausgewachsen ist. Gut eine Stunde Musik von Menschen, die einander seit Jahren vertrauen und das in jedem Takt spüren lassen. Wer bei Satoko Fujii nur an kopflastige Avantgarde denkt, sollte wie immer die Ohren spitzen. Das hier ist Freigeist mit offenem Herzen. Im November folgt mit ´Kappa Ondo´ vom SATOKO FUJII ORCHESTRA TOKYO das letzte Kapitel dieses irren Jahres. Man darf gespannt sein.

(9,5 Punkte)

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