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DEA MATRONA – Hate That I Care

2026 (AWAL) - Stil: Alternative Goth Rock

Mollie McGinn und Orláith Forsythe verabschieden sich auf ihrem zweiten Studioalbum ein gutes Stück von jenem bluesgetränkten Classic Rock-Sound, mit dem DEA MATRONA bekannt wurden. Die Gitarren bleiben das Zentrum der Musik, die stilistischen Koordinaten haben sich jedoch verschoben. Wo auf ´For Your Sins´ noch LED ZEPPELIN, THE WHITE STRIPES und klassische Bluesrock-Muster durchschimmerten, dominieren nun Alternative Rock, Post Punk-Basslinien, Grunge-Gitarren und die Melodik britischer und irischer Neunzigerjahre-Bands.

Dass beide Musikerinnen sämtliche zehn Stücke selbst geschrieben, produziert und aufgenommen haben, hört man dem Album an. Die Arrangements wirken fokussierter als auf dem Debüt. Viele Songs verzichten auf überflüssige Verzierungen und setzen stattdessen auf markante Riffs, mehrschichtige Gitarrenspuren und klar strukturierte Refrains.

Der Titelsong ´Hate That I Care´ steht exemplarisch für diese Entwicklung. Das Stück basiert auf einem schweren Gitarrenriff, dessen Spannung durch einen melodisch offenen Pre-Chorus aufgelöst wird. Der Refrain verbindet Alternative Rock mit einem Gespür für große Pop-Hooks. Inhaltlich verarbeitet Mollie McGinn die Kehrseite eines Lebens auf Tour: permanent in Action, Schlafmangel und die Schwierigkeit, persönliche Beziehungen aufrechtzuerhalten. Die musikalische Umsetzung bleibt dabei erfreulich konkret.

´My Own Party´ gehört zu den stärksten Songs der Platte. Ein treibender Beat, prägnante Bassfiguren und ein Refrain mit deutlicher Indie-Rock-DNA erinnern stellenweise an THE CRANBERRIES oder die frühen THE KILLERS. Der Song behandelt das Gefühl, sich selbst in Situationen fremd zu fühlen, die eigentlich dem eigenen Erfolg gewidmet sind.

Besonders interessant gerät ´Aisling´. Der Track setzt auf eine dominante Basslinie, die hörbar von Simon Gallups Spiel bei THE CURE inspiriert wurde. Darüber legen DEA MATRONA verhallte Gitarrenflächen und einen Gesang, der stärker mit Klangfarben arbeitet als mit Kraft. Das Ergebnis bewegt sich näher an Gothic Rock und Dream Pop als an den klassischen Bluesrock der Anfangsjahre.

Mit ´A Rebel Song´ gelingt dem Duo die überzeugendste Verbindung aus Vergangenheit und Gegenwart. Akustische Gitarren treffen auf breite elektrische Arrangements, während die Harmoniearbeit deutlich an FLEETWOOD MAC erinnert. Gleichzeitig bleibt die Produktion moderner und direkter.

Auch ´John Doe´ zeigt, dass DEA MATRONA ihre Wurzeln nicht vergessen haben. Der Song basiert auf schweren Bluesrock-Riffs, verwendet diese jedoch innerhalb eines deutlich aggressiveren Alternative Rock-Kontexts. Die Gitarren klingen dichter, die Rhythmusgruppe härter und kompakter als auf dem Debüt.

Zu den Überraschungen des Albums zählen ´Magic Spell´ und ´Siren Song´. Beide Stücke verlassen klassische Rockstrukturen zugunsten stärkerer Klanggestaltung. Synthesizer, Hallräume und geschichtete Gitarrenspuren erzeugen eine deutlich dunklere Klangästhetik. Dabei wird besonders deutlich, wie stark sich die Band von ihrer ursprünglichen Retro-Rock-Schublade emanzipiert hat.

Der ruhige Gegenpol ist ´Summer Rain´. Der Song reduziert die Instrumentierung auf wenige Gitarren und den mehrstimmigen Gesang von Mollie McGinn und Orláith Forsythe. Dadurch entsteht einer der stärksten Momente des Albums. Die Harmonien wirken sorgfältig ausgearbeitet und erinnern an die große Tradition britischer Folk Rock-Duos.

Das Finale ´Told U I’m Strange´ fasst die Grundidee des Albums noch einmal zusammen. Rhythmisch und strukturell ist der Song der experimentellste Beitrag der Platte. DEA MATRONA verweigern einen einfachen Abschluss und entscheiden sich stattdessen für einen Track, der bewusst Ecken und Kanten besitzt.

´Hate That I Care´ markiert den ersten großen Entwicklungsschritt dieser Band. Das Debüt dokumentierte zwei außergewöhnlich talentierte Musikerinnen mit großer Liebe zum klassischen Rock. Das neue Album zeigt erstmals eine eigene Handschrift, die sich aus Alternative Rock, Post Punk, Power Pop und modernen Indie-Einflüssen zusammensetzt.

DEA MATRONA nutzen ihre klassischen Einflüsse als Fundament für einen Sound, der deutlich zeitgenössischer wirkt als alles, was sie bislang veröffentlicht haben.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/deamatronaband/

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