
ELLA FITZGERALD – Live At Falkoner Centre Copenhagen 6th February 1966
2026 (Gearbox Records) - Stil: Big-Band-Swing
Als am 6. Februar 1966 die Lichter im “Falkoner Centre” von Kopenhagen angingen, ahnte niemand im Saal, dass hier ein Stück Jazzgeschichte konserviert wurde. Es war kein Prestigeprojekt eines großen Labels, keine sorgfältig geplante Live-Produktion für die Nachwelt. Es war einfach ein Abend mit Ella Fitzgerald. Eine Sängerin auf dem Höhepunkt ihrer Reife. Eine Künstlerin, die in Dänemark etwas gefunden hatte, das selbst Ruhm und Grammys nicht kaufen konnten: Heimatgefühl.
Dies macht ´Live At Falkoner Centre Copenhagen 6th February 1966´ so außergewöhnlich. Diese Aufnahme trägt nicht den Glanz eines offiziellen Karriere-Meilensteins vor sich her. Sie besitzt etwas Wertvolleres. Man hört eine Ella Fitzgerald, die vollkommen losgelöst wirkt. Die Stimme schwebt durch den Raum, warm, entspannt und voller Lebensfreude. Jeder Ton vermittelt das Gefühl, Zeuge eines Moments zu sein, der niemals für die breite Öffentlichkeit bestimmt war.
Die Geschichte hinter dem Album liest sich fast wie ein Jazz-Märchen. Jahrzehntelang lagen die Bänder unbeachtet in einem Privatarchiv. Fast wären sie entsorgt worden. Erst das britische Audiophilen-Label “Gearbox Records” bewahrte die Aufnahmen vor dem Vergessen und restaurierte sie mit bemerkensamer Sorgfalt. Heute wirkt es wie ein kleines Wunder, dass dieses Konzert überhaupt existiert.
Dabei entstand die Aufnahme in einer spannenden Phase ihrer Karriere. Die großen Songbook-Jahre lagen bereits hinter ihr, ihre Zusammenarbeit mit Duke Ellington befand sich auf einem kreativen Höhepunkt. Im “Falkoner Centre” treffen diese Welten aufeinander. Musiker des DUKE ELLINGTON ORCHESTRA verleihen dem Konzert eine majestätische Größe, während Jimmy Jones, Joe Comfort und Gus Johnson für die elegante Erdung sorgen, die Ella Fitzgerald stets brauchte, um vollkommen frei zu agieren.
Der dänische Rundfunkmoderator Børge Roger Henrichsen bemerkte damals, dass Ella Fitzgerald an diesem Abend lebendiger wirkte als bei vielen ihrer vorherigen Kopenhagener Auftritte. Mehr als sechzig Jahre später lässt sich diese Beobachtung mühelos nachvollziehen. Die Sängerin klingt wach, neugierig und inspiriert. Es entsteht nie der Eindruck einer routinierten Darbietung. Stattdessen entwickelt sich jene seltene Magie, die nur in besonderen Konzertmomenten entsteht.
Über die einzelnen Songs muss man kaum viele Worte verlieren. Die Setlist vereint Ellington- und Strayhorn-Klassiker, Standards des Great American Songbook sowie einige reizvolle Überraschungen. Besonders bemerkenswert bleibt die Tatsache, wie mühelos Ella Fitzgerald zwischen emotionaler Intimität und monumentaler Bühnenpräsenz wechselt. Ein kurzer Blick, ein gesungener Halbsatz, ein Scat-Ausflug – und schon verändert sich die Stimmung im Raum.
Natürlich steht auch ´Mack The Knife´ auf dem Programm. Sechs Jahre zuvor hatte Ella Fitzgerald den Titel in Berlin durch ihre legendäre Improvisation nach einem Texthänger unsterblich gemacht. In Kopenhagen begegnet sie dem Song ohne jeden Druck. Die Version besitzt weniger Sensationswert als das Berliner Original, dafür mehr Gelassenheit und Souveränität. Man hört eine Künstlerin, die längst mit ihrem eigenen Mythos im Reinen ist.
Bemerkenswert bleibt außerdem die Atmosphäre der Aufnahme selbst. Die Zuschauer glänzen durch eine aufmerksame, aber angenehm unaufdringliche Präsenz. Die Mono-Produktion vermittelt ein unmittelbares Gefühl von Nähe. Wer die Luft eines Konzertsaals von 1966 atmen möchte, bekommt ein faszinierendes Zeitdokument.
“Gearbox Records” haben bei der Restaurierung hervorragende Arbeit geleistet. Gerade auf Vinyl entfaltet die Aufnahme eine fast greifbare Authentizität.
´Live At Falkoner Centre Copenhagen 6th February 1966´ versucht nicht, Legenden zu erschaffen. Es dokumentiert einen Abend, an dem eine Legende einfach sie selbst sein durfte. Infolgedessen gehört diese Veröffentlichung zu den wertvollsten Ella Fitzgerald-Entdeckungen der letzten Jahre.
Ein neuer Live-Klassiker.



