
KIMMO PÖRSTI – Somewhere Not Far From Here
2026 (Seacrest Oy/Just For Kicks Music) – Stil: Symphonic / Progressive Rock
Manche Musiker gießen ihr ganzes Herzblut in spärliche Lebenszeichen, während andere wie unerschöpfliche Quellbrunnen Kreativität ausspucken. Kimmo Pörsti gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Als Taktgeber und Rückgrat von THE SAMURAI OF PROG, THE GUILDMASTER sowie PACHA & PÖRSTI prägt der finnische Multiinstrumentalist die europäische Szene seit vielen Jahren. Mit seinem vierten Alleingang ´Somewhere Not Far From Here´ schenkt er der Hörerschaft ein zeitloses Werk, das noch echte, schweißtreibende Handwerkskunst bietet. Zudem enthält es wieder mehr symphonischen Tiefgang und groß angelegte Spannungsbögen.
Der Einstieg gerät triumphal. Das von Kimmo Pörsti komponierte ´Circle Of Wagons´ schlendert als opulentes Symphonic-Epos durch den Raum. Analoge Keyboardschichten verzahnen sich virtuos mit einer dynamischen Rhythmusgruppe, während die Gesangslinien von John Wilkinson dramatisch in die Höhe steigen. Gleich im Anschluss wagt sich die Truppe an die Neuinterpretation der Jean-Pascal Boffo-Komposition ´Carrousel´. Das Stück kommt gänzlich ohne Worte aus, bezaubert jedoch mit filigranen Gitarrenläufen und edler, französisch angehauchter Eleganz.
Im weiteren Verlauf ziehen spürbar dunklere Wolken auf. Im düsteren ´Nightmares Come To Consume´ brechen schattenhafte Akkordfolgen Bahn, ehe das instrumentale ´Chasing Echoes´ mit vertrackten Tempowechseln Haken schlägt. Die Poesie von Texter Dan Schamber verleiht den Vokalstücken dabei ein starkes narratives Rückgrat. Der spanische Multiinstrumentalist Rafael Pacha bringt hingegen auf akustischen Saiteninstrumenten im verträumten ´Light Of Other Days´ gewohnt pastorale Wärme ein, während Gitarrist Toni Jokinen mit meisterhaften Soli in ´Over The Sleeping Stars´ für wohlige Gänsehaut sorgt.
Selbst vor Yacht Rock-Formationen schreckt Kimmo Pörsti nicht zurück. Die Neuinterpretation von AMBROSIAs Soft Rock-Ballade ´In My Life´ erstrahlt in neuem Westcoast-Prog-Glanz, getragen von wunderschönen Satzgesängen. Den eigentlichen Mittelpunkt des Albums bildet das majestätische ´Only One In The Crowd´, in dem Sänger John Wilkinson alle Register theatralischer Vokalkunst zieht. Wuchtige Riff-Eruptionen und kathedralenhafte Synthesizer-Kaskaden verschmelzen zu einem wahrhaftigen Rausch. Wenn das melancholische Outro ´With A Breath, I Linger´ leise im Äther verhallt, bleibt ehrfurchtsvolle Stille.
In Kombination mit dem fantastischen Artwork von Ed Unitsky und der liebevollen Mini-LP-Verpackung liefert der Finne ein Album für echte Enthusiasten ab. Ein Fest für Geist und Seele.
(8,5 Punkte)



