
TRIOSPHERE – Oceans Above, Stars Below
2026 (Frontiers Music s.r.l.) - Stil: Heavy / Power / Progressive Metal
Zwölf Jahre lang glich die Suche nach dieser norwegischen Formation einer Reise durch neblige Niemandsländer. Nach dem monumentalen Schlag von ´The Heart Of The Matter´ hüllte sich die Truppe aus Trondheim in Schweigen, ehe das lange Warten mit dem vierten Studioeisen ´Oceans Above, Stars Below´ nun ein schlagartiges Ende findet. Wer fürchtete, der Zahn der Zeit hätte das Fundament angenagt, wird von der ersten Sekunde an eines Besseren belehrt. TRIOSPHERE kehren nicht einfach zurück; sie brettern mit ungeheurer Entschlossenheit durch das Unterholz.
Nach dem atmosphärischen Vorgeplänkel von ´Premonition´ bricht die Hölle los. Das furiose ´Of Tyrants´ fegt mit thrashiger Schärfe durch die Hörmuscheln und zeigt sofort, wer hier das Zepter führt. Bassistin und Frontfrau Ida Haukland klingt rauer, entfesselter und stimmlich gereifter denn je. Ihre mächtige Röhre verzichtet auf den oft üblichen Opern-Kitsch des Genres und setzt stattdessen auf stahlharte, emotionale Kante. Wenn die Gitarristen Marius Bergesen und Tor Ole Byberg ihre filigranen Duell-Salven abfeuern, schimmert das goldene Zeitalter von NEVERMORE und SYMPHONY X durch, ohne dass der Blick für mitreißende Hooklines verloren geht.
Die Rhythmusabteilung agiert punktgenau. Der neue Schlagwerker Kenneth Tårneby treibt die Band mit komplexen Patterns und strammem Doublebass-Druck voran. Im hypnotischen Ohrwurm ´Through The Phantom Wall´ entfaltet die Formation eine bedrohliche, hochgradig dramatische Atmosphäre, während das düstere, fast schon theatralische ´Monster’s Ball´ geschickt zwischen vertrackten Taktwechseln und majestätischer Weite pendelt. Das rockige Intermezzo ´Encore´ sorgt für rotzige Abwechslung, ehe das abschließende, instrumentale Epos ´Gjenklang´ den Hörer mit gänsehauterregender, nordischer Wehmut in die Nacht entlässt.
Das schwedische Sound-Genie Jens Bogren hat dem Material in den “Fascination Street Studios” eine glasklare, tonnenschwere Klangmauer verpasst. Das Album schlägt die Brücke zwischen klassischer Tradition und moderner Raffinesse mit spielerischer Leichtigkeit. Ein Comeback nach Maß, das die lange Dürreperiode im Handumdrehen vergessen macht.
(8,5 Punkte)



