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RANDY INGRAM – Sound Within (A Celebration Of Bill Evans)

2026 (Chill Tone Records) - Stil: Modern Jazz / Piano Trio

Bill Evans zu ehren ist ein gefährliches Unterfangen. Kaum ein Pianist hat den modernen Jazz so nachhaltig geprägt, kaum einer wird bis heute derart verehrt. Wer sich seinem Werk nähert, läuft schnell Gefahr, bloß bekannte Phrasen nachzuspielen oder in Ehrfurcht zu erstarren. Randy Ingram wählt einen anderen Weg. Er nimmt Bill Evans nicht als Vorlage, sondern als Ausgangspunkt für etwas Eigenes.

Dass dieses Album funktioniert, liegt nicht nur an Randy Ingrams außergewöhnlich feinem Anschlag, sondern auch an der Besetzung. Mit Bassist Rufus Reid und Schlagzeuger Joe La Barbera sitzen zwei Musiker im Studio, die Bill Evans aus eigener Erfahrung kannten. Gerade Joe La Barbera, der in Evans’ letztem Trio spielte, verleiht dieser Aufnahme eine Authentizität, die man nicht künstlich erzeugen kann.

´Turn Out The Stars´ macht sofort deutlich, worum es hier geht. Randy Ingram kostet jede Harmonie aus, ohne sie zu überfrachten. Sein Klavier klingt warm, offen und fast fragil. Rufus Reid legt darunter einen wunderbar singenden Bass, während Joe La Barbera mit feinsten Beckenakzenten den gesamten Song aufleben lässt. Das sich anschließende ´My Foolish Heart´ gehört seit Jahrzehnten untrennbar zur Geschichte von Bill Evans. Daher überrascht es, wie selbstverständlich Randy Ingram diesen Standard in seine eigene Klangwelt überführt.

Mit ´Aloft´ erscheint erstmals eine Eigenkomposition. Rhythmisch wird es dabei harmonisch moderner. Das Klavier gibt jedoch längst nicht mehr allein jede Richtung vor. Dann fordert George Russells anspruchsvolle Komposition ´Ezz-Thetic´ alle drei Musiker gleichermaßen, ehe Joe La Barbera der Interpretation von ´Letter To Evan´ eine besondere Tiefe gibt. Denn er spielte dieses bereits 1980 gemeinsam mit Bill Evans ein. Im Titeltrack ´Sound Within´ beschreibt Randy Ingram seine eigene musikalische Suche nach seinem eigenen Klang.

Mit ´Mother Of Earl´ wird noch einmal die Verbindung zu Evans’ musikalischem Umfeld hergestellt. Earl Zindars schrieb das Stück einst für seinen Freund Bill. Die Walzerstruktur wirkt dabei traumhaft leicht, bevor ´Remembrance´ den Abschluss bildet. Randy Ingram widmet diese Komposition seinem verstorbenen Schwiegervater Lauren Bloom, dessen Gemälde auch das Cover schmückt. Impressionistische Klavierfarben treffen auf behutsame Improvisationen. Ein würdiger Schlusspunkt.

Was an ´Sound Within (A Celebration Of Bill Evans)´ besonders beeindruckt, ist seine völlige Ehrlichkeit. Randy Ingram versucht an keiner Stelle, Bill Evans zu kopieren. Es ist daher weit mehr als ein weiteres Tribute-Album. Es ist eine respektvolle Verneigung vor einem der größten Jazzmusiker aller Zeiten und gleichzeitig ein starkes Statement eines Pianisten, der längst seine eigene Stimme gefunden hat.

https://www.facebook.com/randyingram/

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