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VILLAGERS OF IOANNINA CITY – Venceremos

2026 (Napalm Records) - Stil: Heavy Rock / Progressive Folk Metal

Septembersonne über Epirus, Staub auf den Stiefeln und der Geruch von verbranntem Holz in der Abendluft. Wenn sieben lange Jahre des Schweigens brechen, reicht kein gewöhnliches Lebenszeichen. Die griechischen Freigeister VILLAGERS OF IOANNINA CITY kehren zurück. Doch wer nach dem magisch-luftigen Traumreigen von ´Age Of Aquarius´ ein sanftes Verharren im gewohnten Metier erwartete, reibt sich nach wenigen Sekunden verwundert die Augen. Die Band zerbricht ihre bisherigen Ketten mit kalkulierter Härte. Wo die Wurzeln des Debüts ´Riza´ noch tief in der Erde der nordgriechischen Heimat festsaßen, zündet das Kollektiv auf seinem dritten Studioalbum eine musikalische Fackel in einem dystopischen Albtraum aus Kontrolle, Entfremdung und Angst.

Das cinematische Intro ´Alienation´ zieht den Hörer schleichend in diese düstere Gegenwelt, ehe der majestätische Opener ´Home´ zehn Minuten lang eine hypnotische, fast stoische Spannung aufbaut. Die Hellenen lassen die folkloristischen Motive mit unendlicher Geduld wachsen, spulen das Riffing Schicht für Schicht auf und halten die aufgestaute Urgewalt wie ein Raubtier an der straff gezogenen Leine. Statt in chaotischen Exzess auszubrechen, entlädt sich die Wucht am Ende in atemberaubender Disziplin, um in das historische Sprach-Sample des chilenischen Präsidenten Salvador Allende zu münden.

Der Hörer wird bei ´Ghosts In The Sky´ direkt mit der Tür ins Haus geworfen. Der Track steigt ohne Vorwarnung mit der harten Refrain-Salve ein, kreuzt urige Melodieführungen mit drückenden, modernen Metal-Wänden und versprüht sofort diesen unnachahmlichen, marschierenden Mittelalter-Vibe, den man sonst von Urgesteinen wie IN EXTREMO oder SUBWAY TO SALLY kennt. Beim episch aufragenden Titelsong ´Venceremos´ kleistern flirrende Synthesizer den Hintergrund zu, während die traditionellen Sackpfeifen im Verbund mit metallischen IRON MAIDEN-Gitarren nach vorne peitschen. Das ist treibender Space Rock im feierlichen Gewand, ein Bastard aus kosmischer Magie und griechischer Folklore.

Wie geschickt die Band mit Dynamik spielt, beweist das anschließende ´The Ruiner´. Das Stück eröffnet mit einer bittersüßen, schottisch angehauchten Dudelsack-Weise, täuscht Ruhe vor und lässt Schlagzeuger Achilleas Radis sowie Bassist Akis Zois Stück für Stück das Rhythmusfundament unterlegen. Aus der melancholischen Elegie erwächst eine stampfende, tonnenschwere Progressive Rock-Dampfwalze. Völlig entfesselt zeigt sich das Kollektiv im überraschenden ´No Fear´, wo nach schwebenden Post Rock-Kaskaden plötzlich furiose Blast-Beats aufkeimen – eine Grenzüberschreitung in Richtung Extrem-Metal, die dem lyrischen Befreiungskampf rohe Verzweiflung einhaucht.

Das über elfminütige Herzstück ´Here And Now´ verzichtet glücklicherweise auf abgedroschene PINK FLOYD-Klischees. Stattdessen atmet die Nummer den erdig-mystischen Geist von THE TEA PARTY, verwebt orientalische Schwere mit einem strammen, beinahe elektronischen Rhythmus-Korsett und trägt den Hörer auf einer Trance-Welle durch die Nacht. Über das kurze, schwermütig-akustische Interludium ´Epitaph´ gleitet die Platte schlussendlich ins epische Finale ´Requiem´ über. Entgegen aller Erwartungen erstarrt das Finale keineswegs im trüben Schlamm des klassischen Doom Metal. Das Ensemble verabschiedet sich mit einer überraschenden Wendung, zieht das Tempo im Schlussakt mächtig an und entlässt den Hörer mit einem schnellen, mitreißenden Metal-Solo in die Freiheit. Ein modernes Werk voller Wut, Leidenschaft und unerschütterlicher Rebellion.

(8,25 Punkte)

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