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LEGS ON WHEELS – Gobble

2026 (Dismembers Club Records/Just For Kicks Music) - Stil: Eclectic Prog

Manchester, eine Bühne, fünf Musiker, die aussehen, als kämen sie direkt von einem Flohmarkt für ausrangierte Synthesizer, und dann bricht der erste Song los wie ein Zug, der gleichzeitig entgleist und trotzdem pünktlich ankommt. LEGS ON WHEELS haben mit ´Gobble´ ein Album kreiert, das sich weigert, in einer einzigen Schublade sitzen zu bleiben.

Der Canterbury-Sound hat treue Anhänger, und das wird für viele moderne Bands zur Falle, zu viele Neo-Canterbury-Acts klingen wie eine Verbeugung vor CARAVAN oder der frühen Phase von SOFT MACHINE, ähnlich dem Zeuhl-Genre, wo sich mancher Act kaum von reiner MAGMA-Verehrung löst. LEGS ON WHEELS gehen den interessanteren Weg, sie verbinden Canterbury-Erbe mit Punk, Psychedelic, Art Rock und einer Portion CARDIACS-Wahnsinn, mit Anklängen an frühe KING CRIMSON und den Humor von CAPTAIN BEEFHEART, aber ohne eine einzige Referenz zu kopieren. Danny Murgatroyd singt und spielt Gitarre, Alex Crumbie steuert weitere Gitarren, Gesang und Percussion bei, George Roberts bedient Keyboards, Dean Stoloff hält am Bass das Fundament, und für diese Aufnahmen trieb Ged Hawksworth das Schlagzeug an.

´Oysters On The Half Shell´ eröffnet mit schroffen Riffs, in die sich verspielte Keyboards und eine Prise Punk mischen, Danny Murgatroyds Gesang zittert dabei in einer Weise, die an David Byrne erinnert. ´A.P.E.S.´ schwenkt nach affenartigen Lauten in einen schwankenden Piano- und Synthesizer-Lick, verspielter Sechziger-Psych-Pop trifft auf Canterbury-Witz. ´Winner Winner´ drückt die Stimmung weiter in Lounge-Jazz-Gefilde, die Schlussminuten erinnern an ein Zwischenspiel von GENESIS’ ´Selling England By The Pound´.

´Peekaboo´ packt hektische Strukturen und mathematisch verschachtelte Gitarren in gerade einmal drei Minuten und dreizehn Sekunden, während der Gesang Richtung frühem Peter Gabriel wandert. ´Waiting For His Drowning´ baut auf mächtigen Orgelklängen einen wachsenden Spannungsbogen auf, ruhige Passagen machen die späteren Ausbrüche nur wuchtiger. ´Centipede´ verbindet dreckigen Neunziger-Alternative-Sound mit ungeraden Takten und jazzigen Rhythmen.

Auf ´Dinnertime For Rat´ zeigt die Band ihre chaotischste, von CARDIACS geprägte Seite, bevor mit dem fast elfminütigen ´Masteroid´ der Schlusspunkt folgt, zurückhaltend und melancholisch beginnend, über folkige Akustikgitarren bis zu weit ausladenden, an David Gilmour erinnernden Gitarrensoli, die das Album sanft im Raum verhallen lassen.

Dabei hat alles klein angefangen. Danny Murgatroyd begann mit zu Hause aufgenommenen Songideen, bevor er befreundete Musiker um sich versammelte. Nach dem kurzen Debüt ´L E G R O O M´ von 2023 ist ´Gobble´ ihr zweites vollständiges Album, physisch finanziert über eine eigene Kickstarter-Kampagne. Aufgenommen wurde in den “Airtight Studios Manchester”, gemischt von Kevin Foy und George Roberts.

Was die Band besonders auszeichnet, ist ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit, mal Byrne, mal ein junger Gabriel, ohne dass sich das Album je wie eine Zitatsammlung anfühlt, eine Fähigkeit, die in der kleinen, aber treuen Canterbury-Szene für wachsende Begeisterung sorgen sollte. Wer ´Gobble´ physisch besitzen will, bekommt ein vollfarbiges 12-Zoll-Gatefold-Vinyl mit Artwork von Federico Della Putta, Songtext-Insert und teils signierten Exemplaren, dazu eine Gatefold-CD im selben Look.

´Gobble´ ist kein Album für nebenbei, aber jede investierte Minute zahlt sich aus. LEGS ON WHEELS kopieren die Canterbury-Tradition nicht, sie plündern sie mit Respekt, Humor sowie einer gehörigen Portion Wahnsinn und bauen daraus etwas völlig Eigenes. Wer bereit ist, sich auf die Wendungen einzulassen, bekommt ein Album, das sich nach jedem weiteren Durchlauf noch großzügiger öffnet.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/LegsOnWheelsBand/

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