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THE VICIOUS HEAD SOCIETY – Call Of The Void

2026 (Crime Records) - Stil: Progressive Metal / Progressive Rock

Dunkle Wolken ziehen über Irland. Irgendwo zwischen schroffen Küsten, einsamen Straßen und schlaflosen Nächten entsteht Musik, die mehr sein will als bloße Unterhaltung. Musik, die Fragen stellt, auf die es keine einfachen Antworten gibt. Aus diesem Stoff formt Graham Keane das dritte Kapitel von THE VICIOUS HEAD SOCIETY.

Schon mit ´Abject Tomorrow´ und dem überragenden ´Extinction Level Event´ bewies der irische Gitarrist, dass Progressive Metal auch heute noch Geschichten erzählen kann, die lange nachhallen. ´Call Of The Void´ schlägt nun eine völlig andere Richtung ein. Das Weltgeschehen bleibt außen vor. Graham Keane richtet den Blick tief nach innen und verarbeitet Zweifel, Erschöpfung, Sinnsuche und den gefährlichen Sog, der Menschen langsam verschlingt. Der Albumtitel greift das psychologische Phänomen des “Call of the Void” auf – jenen flüchtigen Impuls, der selbst gesunde Menschen an einem Abgrund für einen Sekundenbruchteil erschrecken lässt.

Musikalisch bleibt THE VICIOUS HEAD SOCIETY den Wurzeln treu, wirkt dabei allerdings fokussierter als je zuvor. Die irrwitzige Virtuosität früherer Werke dient vollständig den Songs. Jede Melodie verfolgt ein Ziel. Graham Keanes Gitarrenarbeit lodert zwischen messerscharfen Riffs, schwindelerregenden Soli und atmosphärischen Klangflächen, ohne jemals zum Selbstzweck zu verkommen. Wer WITHERFALL, BEYOND TWILIGHT, SYMPHONY X, DEAD SOUL TRIBE oder DEVIN TOWNSEND verehrt, dürfte hier vom ersten Ton an zuhause sein.

´Fractured´ packt den Hörer sofort mit donnernden Riffs und einem Refrain, der sich sofort festsetzt. Sänger Nathan Max verleiht der Musik sogar eine verletzliche Intensität. Mit ´The Edge Of Time´ beginnt einer der roten Fäden des Albums. Der Song verbindet technische Raffinesse mit hymnischer Größe, ehe ´The Edge Of Time Pt. 2´ gegen Ende die Motive wieder aufgreift und emotional vollendet.

Ein absolutes Highlight ist ´The Tide´. Gewaltige Gitarrenwände rollen wie eine Sturmflut heran, darüber liefern Synthesizer und Soli ein wahres Feuerwerk. Noch mutiger zeigt sich ´Ignite´. Sareetas Violine öffnet den Song mit zerbrechlicher Eleganz, ehe orientalisch gefärbte Melodien, Wilmer Waarbroeks Gastgesang und ein elektrisierendes Gitarrensolo den Hörer förmlich mitreißen.

Das Titelstück ´The Void´ überrascht mitten im komplexen Progressive Metal mit einem kurzen Polka-Ausbruch. Was auf dem Papier wie ein Fremdkörper wirkt, fügt sich erstaunlich organisch in das Gesamtbild ein und unterstreicht Graham Keanes Mut, gewohnte Grenzen zu ignorieren.

Den krönenden Abschluss bildet das über dreizehn Minuten lange ´Distant Lights Of Home´. Dieses Finale vereint sämtliche Stärken des Albums. Gefühlvolle Melodien treffen auf harsche Vocals, Bertrand Juves Saxophon setzt ungewohnte Farbtupfer und Sareetas Violine sorgt für Gänsehautmomente, ehe Graham Keane noch einmal ein Gitarrensolo aus dem Ärmel schüttelt, das tief unter die Haut geht.

´Call Of The Void´ ist der bislang stärkste Beweis dafür, dass Graham Keane längst zu den großen Geheimtipps des modernen Progressive Metal gehört. Dieses Album vereint Virtuosität, Emotion und gewaltiges Songwriting zu einer Reise durch die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele. Wer den Geist der Prog-Meisterwerke der Neunziger und frühen Nullerjahre vermisst, findet hier einen Funken jener Magie wieder, der damals ganze Nächte vor der Stereoanlage vergehen ließ.

(8,5 Punkte)

https://theviciousheadsociety.bandcamp.com/album/call-of-the-void
https://www.facebook.com/TheViciousHeadSociety

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