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JOE BONAMASSA – The Spirit Of Rory – Live From Cork

2026 (J&R Adventures) - Stil: Blues Rock

Es war schon länger angekündigt – von manchen mit Interesse erwartet – von manchen “wie die Pest gemieden” (O-Ton einer mir bekannten großartigen Rory Supporterin). Jetzt ist es da – das Live Album, welches Tausendsassa Joe Bonamassa einem seiner Idole widmet. Ja, neulich war noch B.B. King dran.

Joe hat schon oft auf Rory als einen seiner Einflüsse verwiesen. ´Cradle Rock´ war schon früh in seinem Programm. Immer mal wieder hat er Rory Songs gecovert. Nun wird also mit ´Cradle Rock´ startend ein Klassiker nach dem anderen in diesem – standesgemäß in Cork – aufgenommenem Konzert gespielt. Original Rory-Bassist Gerry McAvoy ist als Gast auch mal dabei.

Was fällt auf? Gitarrentechnisch beherrscht Joe das Rory-Alphabet von A-Z. Technisch kann er das. Aber Rory und sein Gitarrenspiel und sein Sound waren einmalig. Das ist einfach so. Und eine Reproduktion so und so sehr schwierig.

Rory, der Sänger, wurde immer unterschätzt und der Gesang von Joe ist in diesem Fall deutlich weniger authentisch als sein Gitarrenspiel. Das ist dann eher die Schwäche dieses Tributs als das Gitarrenspiel. Zumindest nach meinem persönlichen Eindruck. Allerdings wäre es auch nach hinten losgegangen, hätte Joe plötzlich wie Rory gesungen. Er singt wie Joe, das ist okay.

Die Songauswahl ist einwandfrei. Anscheinend sind aber Songs – wie man immer wieder liest – gekürzt worden. Das mag so sein, fällt aber wahrscheinlich nur auf, wenn man beim Konzert dabei war. Bei Songs wie ´Walk On Hot Coals´ oder ´Who’s That Coming?´ findet Joe zu einem sehr guten Gitarrensound und versucht auch nicht nur stumpf zu reproduzieren. Auch ´Calling Card´ oder ´Bullfrog Blues´ kommen entspannt.

Mit ´Treat Her Right´ (ein späterer Bonus-Track auf ´Blueprint´) kommt auch ein nicht so bekannter Song, den Rory von Roy Kent Head gecovert hat, zum Zug. Härteres aus Rorys “Hard Rock-Phase” gibt es nur mit ´Bad Penny´. Es gibt ja aber so viele Klassiker, da ist es egal. Aber was bei allen Klassikern und der sehr guten Performance von Joe immer fehlt ist irgendwie die fantastische Energie und die wahnsinnige Leidenschaft von Rory. Da war er einmalig, das ist nicht reproduzierbar.

Fazit: Joe ist Joe. Er ist einfach ein komplett anderer Typ als Rory. Und – das sieht man in der beiliegenden DVD – er versucht zum Glück gar nicht erst Rory zu sein. Steht im geschniegelten Hemd und der Weste da und ist – wie immer – sehr kontrolliert. Das ist ein Pluspunkt. Denn abgewetzte Gitarre und Holzfäller-Hemd, das wäre peinlich geworden.

Songs wie ´A Millions Miles Away´ (leider mit Backgroundgesang), ´Tattoo’D Lady´ oder ´I Fall Apart´ (sehr gefühlvoll gespielt) kann aber nur einer wirklich richtig spielen: Rory. Das ist einfach so. Auch wenn Joe hier ein sehr gut gemeintes und gespieltes Tribute-Album vorlegt. Wer, wie ich, mit Rory aufgewachsen ist und ihn live gesehen hat, wird sich mit Coversongs von ihm immer schwer tun.

Das war bei B.B. King okay, da hatte er auch viele Blues- und Soul-Musiker dazu gebeten. Das wäre hier auch schwieriger geworden. Außer dem immer schneller alternden THIN LIZZY-Gitarrist Eric Bell fällt mir niemand ein. Es ist ein Verdienst von Joe, mit diesem Album hoffentlich möglichst viele Menschen auf die großartige Musik von Rory aufmerksam zu machen. Er ist leider etwas in Vergessenheit geraten und hat heute nicht mehr den Stellenwert, den er eigentlich verdient hätte.

Als einer der leidenschaftlichsten Musiker der Rockgeschichte, glänzender Gitarrist und Sänger. Wer ihn nicht kennt, kann mit seinen Live-Alben wie ´Irish Tour´ oder ´Stage Struck´ sofort durchstarten.

Über Joes Tribut kann und soll sich jede und jeder ein eigenes Bild machen. Für mich war es gut anhörbar, hat aber vor allem bewirkt, dass ich die alten Rory-Scheiben wieder einmal auflege.

(Ohne Wertung)

https://www.facebook.com/JoeBonamassa

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