
Man kann Label und Band viel Blödheit unterstellen, aber es war ein cleverer Schachzug im Vorfeld das Artwork des neuen SAVAGE GRACE-Albums zu veröffentlichen und einen Sturm der Entrüstung zu erzeugen. Ist aber auch wirklich eine Katastrophe dieses KI-generierte, bunte, klischeebehaftete Kitsch-Artwork. Aber vielleicht war das ja genau das Ziel von Label und Band, um genug Aufmerksamkeit im Vorfeld zu bekommen. Die Metalpolizei hat sich jedenfalls nicht lumpen lassen und jede Menge Gülle über Cover-Artwork (berechtigt) und Band (nicht berechtigt) ausgeschüttet. Dass es sich dabei immer um die gleichen Blase aka selbsternannte Metalpolizei handelt, ist nicht verwunderlich.
Kein Thema, die ersten beiden SAVAGE GRACE-Veröffentlichungen Mitte der Achtziger waren Wegbereiter für viele weitere Bands und gehören nicht umsonst in die Hall Of Fame des US Metal. Dass die Band sich danach selbst elimenierte und mit dem einzig verbliebenen Gründungsmitglied Gitarrist Chris Logue viel Spott auf sich zog, ist bekannt. Logue selbst ist dafür maßgeblich verantwortlich. Das 2023 veröffentlichte `Sign Of The Cross` Album finde ich persönlich akzeptabel und in Teilen auch gut zu hören. Nur findet sich von diesem Line-up auf dem neuen Album außer Logue niemanden mehr.
Man kann mit vielen Vorurteilen an dieses Album gehen, dies aber schon zu zerstören, nur weil SAVAGE GRACE auf dem Cover steht und Logue als gehasster Musiker darauf spielt, ist nicht redlich. Aber wir kennen ja alle diese Kandidaten mit überzogenem Ego, die sich anmaßen alles besser zu wissen.
Hätte man aus `Underworld` eine MLP gemacht und die aussagekräftigsten Stücke darauf gepackt, hätte man sich sicher viel negative Kritik erspart. Ein Track wie `Destiny Damour` hat seine guten Momente, allerdings killen die Chöre, die teils irgendwie nicht passen wollen, die gute Substanz. Mit Sebastian Hauser hat man einen grundsätzlich guten Sänger, der über die 12 Songs auch nicht das Problem darstellt. Weitere Songs wie `Love Never Comes When You Want It` mit unsäglich schlechter W.A.S.P.-Schlagseite, das an ALICE COOPER erinnernde `On The Run` oder das KEEL-lastige `Bad Day In Hell` sind einfach ärgerlich. `Way Back From Hell` hat grundsätzlich einen guten Ansatz, aber die matschige Produktion in diesem Fall nimmt dem Stück enorm viel Energie. Schade. Das voll auf Kommerz gemachte `Valley Of Fire` klingt wie ein Mix aus KEEL und W.A.S.P. und nicht im geringsten wie SAVAGE GRACE. Die guten Momente mit spritzigen, speedigen Songs wie `White Trash White Heat`, `Underworld` (auch wenn der Refrain grenzwertig klingt!), `Three Ways To Hell`, `Hard Times In Hollywood` oder `Magic By Day Tricks By Night` sind zwar in der Minderheit, aber haben zumindest Potential.
Aber auch daran wird die Metalpolizei nörgeln, das steht außer Frage. Im Prinzip ist `Underworld` verbrannte Erde und nur Interessierte mit nicht vorgefertigter Meinung werden ein Ohr riskieren. Dass man hier nicht die SAVAGE GRACE aus den Achtzigern hört, sollte jedem klar sein.
(6,66 Punkte)
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