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NÁSTIO MOSQUITO – 0

2024 (Eight To Infinity) - Stil Jazz / World / Spoken Word

Null. Mehr steht nicht auf dem Cover. Die Ziffer sitzt mitten auf dunkelrotem Grund, und dahinter starrt einem ein Kopf mit finsterem Blick entgegen. Für einen Künstler, der zehn Jahre lang mit Worten um sich geworfen hat wie andere mit Konfetti, ist das fast schon ein Schock.

´0´ erschien 2024 und ist der Schlussstein einer Trilogie, die 2014 mit ´S.E.F.A. / Se Eu Fosse Angolano´ begann. Damals ging es um Identität und Motivation, also um die Frage, was einen eigentlich antreibt und wer man zu sein glaubt. 2016 folgte ´Respectable Thief´, auch bekannt als ´Gatuno Eimigrante & Pai De Família´, ein Album über Wut und Bitterkeit, entstanden im Auftrag des „Museum of Modern Art“, der „Tate Modern“ und der „Berliner Festspiele“. Acht Jahre später kam nun der dritte und letzte Teil. Diesmal ringen Körper und Transzendenz miteinander, und über allem schwebt das Sterben.

Schwere Kost also? Ja. Aber anders, als man denkt.

Nástio Mosquito wurde 1981 in Luanda geboren und lebt nach vielen Jahren in Portugal inzwischen in Belgien. ´0´ ist als letzter Schritt einer langen Suche gedacht. Es geht darum, die Vorstellung zu entlarven, Identität sei das Selbstverständlichste der Welt, das, woran wir uns als Menschen erkennen. Am Ende steht keine Abrechnung, sondern ein Sprint in Richtung Klarheit und die Freude daran, sich neu zu erfinden.

Die Grundidee war denkbar schlicht und zugleich gewaltig. Eine Geste sollte entstehen, die eine Einladung ausspricht, über die Würde des Menschen nachzudenken. Passend dazu tragen die sechs Stücke dieser Platte schlicht die Namen ´Gesture 1´ bis ´Gesture 6´. Kein Titel nimmt etwas vorweg. Es sind Gesten, die man annehmen oder ausschlagen kann, und sie gehen ineinander über, als wären sie eine einzige lange Bewegung.

Was er mit dieser Würde meint, verrät ein Text, den Nástio Mosquito dem Album mitgegeben hat. Ein Mensch müsse auf den Tod vorbereitet sein, schreibt er, und dazu gehöre auch, Frieden mit jenen zu schließen, die man einst geliebt hat. Bis dahin aber gebe es das Leben und endlos viel Zeit. Und dann dieser Satz, bei dem man kurz grinsen muss. Jemand möge doch bitte Gott ausrichten, dass er sich ein exklusives Treffen unter vier Augen mit der Ewigkeit wünsche. Mit der Zeit, meint er, stehe er dank seines Werks auf gutem Fuß. Die Ewigkeit sei aber eben etwas ganz anderes.

Da ist er wieder, dieser Mosquito. Selbst wenn es um den Tod geht, lässt er sich den Schalk nicht nehmen. Doch der Ton hat sich verschoben. Wo früher Wut stand, steht jetzt eine Art Gelassenheit, die man ihm vor zehn Jahren kaum zugetraut hätte. Er fragt nicht mehr, wer wir sind oder wohin wir gehören. Er fragt, wie man in Frieden gehen kann. Und was bis dahin noch zu tun bleibt.

Knapp vierzig Minuten nimmt er sich dafür Zeit. Irgendwo zwischen Jazz, World und Spoken Word bewegt sich das Ganze, wobei solche Etiketten hier nur eine grobe Richtung vorgeben. ´0´ ist eine Platte, die man nicht nebenbei laufen lässt. Man legt sie auf, setzt sich hin und lässt die sechs Gesten auf sich wirken. Am besten am Stück, am besten ohne Telefon in der Hand.

Erschienen ist ´0´ auf Mosquitos eigenem Label „Eight To Infinity“, als LP im Klappcover. Damit hat sich ein Kreis geschlossen. Was danach kam, ist eine andere Geschichte. Diese hier endet bei null, und das ist kein Ende, sondern ein Anfang.

https://www.facebook.com/NASTIOMOSQUITO


Cover-Artwork: „0“ von Nástio Mosquito
(Design & Artwork: Eight To Infinity Collective /
© 2024 Eight To Infinity)
LP-Fotos: SaitenKult, Michael Haifl –
Bildzitat: Minimalistisches Vinyl-Layout
und minimalistische Ästhetik der
2024er Edition von Nástio Mosquito – 0
(© 2024 Eight To Infinity)

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