
HAERDMAELTA – Haerdrock
2026 (Icons Creating Evil Art) – Stil: Dirty Fuckin` Punk`n`Roll
Manchmal kommt es doch noch vor, dass man unvorbereitet vom Hocker runtergehauen wird und nicht so genau weiß, was da gerade passiert ist. `Haerdrock` ist so ein Ding, dass einen mit einem grenzdebilen Grinsen wieder aufstehen lässt. Die schwedischen Untergrund-Extremisten legen ein unberechenbares Gebräu aus Punk, Industrial und Brachial Rock`n`Roll vor und haben dabei noch seltendämliche Masken auf. Damit ist Chaos vorprogrammiert und Vorurteile stehen im Raum. Aber wer auf Bulldozer-Sound mit Arschtreter-Attitüde steht, dem darf man die Band ans Herz legen.
Dass Vorurteile aufkommen ist selbstverständlich, das unkonventionelle Outfit und die noch dämlicheren Masken untermauern die Vorurteile. Somit sind zugleich mal all jene abgestoßen, die auf traditionelle Werte setzen. Das Maskending dagegen dürfte dann eher beim jüngeren Publikum ankommen, eiern auf deutschen Bühnen inzwischen nicht wenige Bands mit kindischen Masken rum. Aber schieben wir mal den optischen Kram komplett zur Seite, dann bleibt da eine Band, die einen chaotischen, rebellischen und teils auch extremen Sound liefert, der letztendlich aber dennoch in die Kategorie „Rock`n`Roll“ fällt und in diesem brachial die Grenzen ausreizt.

Wer seine Einflüsse in der Breite von RAMMSTEIN bis DOLLY PARTON angibt, der macht es dann einem auch nicht leichter. Aber lassen wir die Fakten aka Musik für sich sprechen. Mit `Haerdrock` liegt das dritte Album der Musik-Extremisten vor, bei dem schnell deutlich wird, Anfänger sind hier nicht am Werke, hier toben sich versierte Mucker aus, die kontrolliert Chaos und Rock`n`Roll in einem giftigen Gebräu verbinden.
Bei einem Teil der Songs erinnert der Gesang zweifelsfrei an Blaine Cartwright von NASHVILLE PUSSY. Anderseits gibt es Fragmente im HAERDMAELTA-Sound, die sich aus dem Cow Punk von NINE POUND HAMMER speisen. Auch hört man dezente Einflüsse der belgischen LA MUERTE, deren einstiger brachialer Bulldozer Sound für Schnappatmung sorgte. Diesen schon gewaltigen dreckigen, wütenden Mix verfeinert man mit unkonventionellen Melodieansätzen und Taktfrequenzen, die sich aus dem Industrialsound speisen, ohne dessen mechanische Härte zu nutzen. `The Kids Are Alt-Right` untermauert diese These sehr gut. Ein wütender Bastard mit hohem Tempo, ruppiger Spielweise und einem dennoch einprägsamen Refrain. Schon im schnellen und derben Opener `Enjoy The Feast` werden die Duftmarken gesetzt, die sich durch das ganze Album ziehen: Rotz, Dreck, Wut, Spaß und purer Rock`n`Roll. Die Nähe zu NASHVILLE PUSSY ist auch hier nicht ganz wegzudiskutieren. Mit `Going For The Deep End` liefert man sein Meisterstück auf diesem Album. Simpel, irgendwie vertraut und doch fremd durch die kompromisslose, rohe Spielweise. Ein Gedicht von einer rotzigen Rock`n`Roll Hymne!
`City Of The Dead` verarbeitet noisige Elemente mit einer derben Dosis Rock`n`Roll und klaut im Refrain unverschämt gut die Textzeile „We built this City on Rock`n`Roll“ vom STARSHIP-Überhit `We Built This City`! Der letzte Track des Albums, `Vast Oceans Of Nothingness`, verabschiedet sich komplett vom bis dahin gelieferten Arschtreter Sound und wirkt düster-melancholisch mit elektronischen Elementen, die schon Richtung Ambient-Sounds geht. Was ganz anderes, aber sehr hörenswert.
`Haerdrock` kann man sicher als Nischenalbum bezeichen. Ein „Love it or Hate it“-Album, dazwischen gibt es Nichts. Aber genau darin liegt der Reiz des Albums, das sich an keine Vorgaben hält und dem Begriff `Rock`n`Roll` alle Ehre macht. Wer seinen Soundtrack zum Kaffee dreckig, leicht chaotisch, witzig und dennoch markant eigenwillig mag, der sollte sich dieses Juwel nicht entgehen lassen.
(8,88 Punkte)
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(Artwork & Design: Dead Teddy Labs /
© 2026 Icons Creating Evil Art).
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