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JON ANDERSON – Olias Of Sunhillow

1976/2026 (Mobile Fidelity Sound Lab) - Stil: Progressive Rock / Kosmischer New Age / Psychedelic Folk

Man schüttet sich den nächsten Scotch hinter die Binde, reibt sich die verquollenen Augen im Studio-Dunst und glaubt seinen eigenen Ohren nicht. Was der schmächtige YES-Nachtigallen-Sänger Jon Anderson im vernebelten Sommer 1976 im Alleingang verbrochen hat, grenzt an einen handfesten LSD-Rausch ohne Wiederkehr. Während seine Bandkollegen wie Steve Howe oder Chris Squire mit teurem Equipment entspannten, verbarrikadierte sich der Mann in seiner umgebauten Garage in Buckinghamshire.

Völlig besessen von Bewusstseinserweiterung, den Schriften der Mystikerin Vera Stanley Alder und den fantastischen Welten aus J.R.R. Tolkiens Werken kaufte Jon Anderson auf Welttourneen haufenweise Instrumente, die er nicht einmal unfallfrei spielen konnte. Er brachte sich Harfe, Sitar, Flöten und Synthesizer im Selbststudium bei – oft beschränkt auf die weißen Tasten, aber Schicht für Schicht auf über hundert Tonspuren analoge Bandmaschinen übereinandergetürmt. Ein Himmelfahrtskommando am Rand des echten Wahnsinns, bei dem die Motoren der Bandmaschine unter der Last der Bänder schier kollabierten!

Fünfzig Jahre nach diesem beispiellosen Epos spendiert “Mobile Fidelity Sound Lab” dem Meisterwerk eine streng limitierte Jubiläumsausgabe auf audiophilem 180g-Vinyl.

Die Geschichte hinter dieser Scheibe liest sich wie eine intergalaktische Bibel. Der Planet Sunhillow steht vor dem Untergang, weil ein gigantischer Vulkanausbruch die Welt zu vernichten droht. Drei Magier – der Architekt Olias, der Navigator Ranyart und der Trance-Sänger Qoquaq – müssen die vier zerstrittenen Musik-Stämme Nagrunium, Asatranius, Oractaniom und Nordranious vereinen. Olias baut aus lebenden Bäumen und den Schuppen der Ozeanfische das majestätische Raumschiff Moorglade Mover, um die Bevölkerung geradewegs in die Sterne zu evakuieren.

Der majestätische Einstieg ´Ocean Song´ walzt umgehend jegliche Zweifel mit sakraler Wucht nieder. Keine wüst verzerrten Gitarren, sondern schwebende Synthesizer-Teppiche und schier unendliche Gesangskaskaden ziehen den Hörer direkt hinein in die Naturmystik von Sunhillow. Jon Anderson nutzt seine engelsgleiche Stimme als pures Instrument und erschafft ein monumentales Klanggebilde. Im fließenden Übergang zu ´Meeting (Garden Of Geda) / Sound Out The Galleon´ entfesselt er afrikanische Percussion und verträumte Harfenläufe. Weil der englischen Sprache die Magie für den Bau der Arche fehlte, erfindet der Meister kurzerhand seine eigene Laut-Sprache im Stile der Zeuhl-Pioniere MAGMA. Die Musik atmet den ungezähmten Esprit der Siebzigerjahre.

In ´Dance Of Ranyart / Olias (To Build The Moorglade)´ bündeln Glockenspiele, Navajo-Trommeln und exotische Saiteninstrumente ihre Kräfte. Jon Anderson vertraut einzig auf sein Gespür für Atmosphäre, um das Schiff der Flucht zu erbauen. Das psychedelische ´Qoquaq Ën Transic / Naon / Transic Tö´ hypnotisiert mit stoischen Synthie-Schleifen im Stile der Berliner Schule von TANGERINE DREAM. Hier singt Qoquaq die Stämme in Trance, um ihren Stolz zu brechen und sie an Bord zu vereinen. Zum Abschluss der ersten Seite feiert das beschwingte ´Flight Of The Moorglade´ das Abheben der Arche mit mitreißender Melodieführung – eine unvergessliche Folk-Pop-Glanztat.

Die zweite Seite offenbart die wahre meisterhafte Tiefe dieser Scheibe. Im schwebenden Raumschiff-Ruhepol ´Solid Space´ pulsiert ein Moog-Bass durch den Raum, während Jon Andersons glasklarer Sologesang Gänsehaut über den Rücken jagt. Es fängt die Isolation im tiefen Kosmos perfekt ein. Dann bricht der epische Zwölfminüter ´Moon Ra / Chords / Song Of Search´ los. Ein sinfonischer Exzess aus dramatischen Orgel-Akkorden, aggressiven Percussion-Eruptionen und wilden Rhythmuswechseln. Die Flüchtlinge stellen sich der furchterregenden Weltraum-Entität Moon Ra, ehe das hymnische ´To The Runner´ den Hörer zutiefst erschöpft, aber selig grinsend auf dem neuen Heimatplaneten Asguard entlässt.

Audiophil aufbereitet von Krieg Wunderlich vom originalen Analog-Masterband über DSD 256, liefert diese “MoFi”-Pressung eine atemberaubende Instrumententrennung. Wo alte Scheiben im Frequenz-Matsch der hundert Spuren erstickten, erstrahlen die Synthesizer-Schichten vor einem pechschwarzen, flüsterleisen Hintergrund. Gepresst auf schwerem 180g-Vinyl bei “Fidelity Record Pressing”, gleitet die Nadel flüsterleise durch die Rille. Das edle Klappcover mit den Original-Illustrationen von David Fairbrother-Roe und geprägten Texturen setzt diesem berauschenden Gesamtkunstwerk die Krone auf.

Ein episches Meisterwerk der Prog-Geschichte, das den Hörer mit voller Wucht aus der Realität katapultiert!

https://www.facebook.com/TheJonAnderson

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