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MAUNRA – VRAK

2026 (Regain Records / Grazil Records) - Stil: Blackened Post Metal / Sludge

Man sollte sich zuerst einmal das Cover anschauen. Ein Schiffsbug, zerfressen bis in die letzte Niete, ragt aus einem grauen Nichts, der Mast steht noch, die Seile hängen schlaff herunter, und darüber prangt in Rot der Titel, durchgestrichen, als hätte ihn jemand aus dem Schiffsregister gelöscht. ´VRAK´ heißt Wrack, auf Schwedisch wie auf Tschechisch, und von Wien aus ist Tschechien bekanntlich nicht weit. Das Artwork hat die Band selbst gestaltet, und es verrät in einer Sekunde, worauf man sich einlässt. Hier geht es nur noch in eine Richtung, nach unten.

MAUNRA sind fünf Musiker aus Wien und im österreichischen Untergrund längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Nach dem Debüt ´Monarch´ aus dem Jahr 2022 folgt nun die zweite Platte, und die Zutatenliste liest sich wie die Karte eines Beisls, in dem es nur Deftiges gibt. Sludge als Hauptgang, Black Metal als scharfer Senf daneben und ein ordentlicher Schuss Hardcore, damit es bloß nicht gemütlich wird. Aufgenommen und gemischt hat Markus Matzinger in den “Doom Studios” in Linz, gut eine Zugstunde die Westbahn hinauf, das Mastering übernahm Role in der “Tonmeisterei” in Oldenburg. Waren es auf dem Debüt noch sieben Stücke in 41 Minuten, kommen MAUNRA diesmal mit sechs Nummern und knapp 35 Minuten aus. Kein Füllmaterial.

´H.S.´ reißt die Luke auf, und zwar mit voller Wucht. Was das Kürzel bedeutet, verrät die Band nicht, nach den ersten Takten ist das aber ohnehin egal. Durch das Gewitter ziehen Melodien, die nach Norden klingen, nach Eis und langen Nächten, als hätte sich das Wrack auf seiner letzten Fahrt irgendwo vor der skandinavischen Küste verirrt. ´Cavities´ heißt auf Englisch Hohlräume, aber auch Löcher in den Zähnen, und beides passt. Überraschend sind hier die Melodiebögen, die fast schon aus dem klassischen Heavy Metal stammen könnten und mitten im Morast auftauchen wie alte Bekannte, mit denen man an diesem Ort nie gerechnet hätte. Danach geht es ohne Umwege weiter. ´Eyes To The Signs´ und ´Barren Plains Of Madness´ halten den Kurs, bevor ´Seeker´ und ´Petrifier´ mit jeweils rund sieben Minuten die lange Strecke übernehmen. Dass am Ende ein Stück steht, dessen Titel nach Versteinerung klingt, passt zu einer Platte, die ´VRAK´ heißt.

Was MAUNRA richtig gut beherrschen, ist die Balance. Die Wucht kommt nie zu kurz, und dennoch verliert sich die Band nicht in endlosem Gedröhne, weil sie zwischen all dem Schlamm immer wieder Melodien auslegt wie Bojen, an denen man sich festhalten kann. Wer unbedingt etwas bekritteln will, findet höchstens die Spielzeit, denn gerade wenn man sich an das Salzwasser gewöhnt hat, ist die Fahrt schon zu Ende. Besser allerdings eine kurze Reise, die sitzt, als eine lange, bei der man auf halber Strecke einschläft. Auf Vinyl und Tape erscheint das Wrack über das steirische Label „Grazil Records“. Für alle, die ihren Metal gern schwarz, zäh und mit Salz auf der Haut nehmen, ist ´VRAK´ eine leiwande Angelegenheit. Baba, und gut festhalten.

(8 Punkte)


Cover-Artwork: „VRAK“ von Maunra
(Cover-Artwork & Design: A. /
© 2026 Regain Records / Grazil Records)
(VÖ: 27.11.2026)

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