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JACK WHITE – Frozen Charlotte

2026 (Third Man Records) - Stil: Dreckiger, roher Garage-Blues

Jack White bleibt einer der wenigen Musiker, die den Rock ’n’ Roll tatsächlich noch leben. Während viele seiner Zeitgenossen versuchen, den alten Geist möglichst originalgetreu zu konservieren, zerlegt White die Vergangenheit lieber, setzt sie neu zusammen und jagt sie anschließend wieder durch einen übersteuerten Verstärker.

Nach dem überraschend veröffentlichten ´No Name´ aus dem Jahr 2024 geht der ehemalige THE WHITE STRIPES- und THE RACONTEURS-Rabauke mit ´Frozen Charlotte´ nun den nächsten Schritt. Diesmal ohne Geheimaktion, aber weiterhin mit einer gehörigen Portion Eigenwilligkeit. Die Platte entstand direkt nach einer ausgedehnten Tour mit seiner eingespielten Live-Band im “Third Man Studio” in Nashville. Patrick Keeler am Schlagzeug, Dominic Davis am Bass und Bobby Emmett an Orgel und Tasten sorgen dafür, dass die zwölf Saiten und vier Felle nicht wie ein Soloprojekt klingen, sondern wie eine eingeschworene Rock-Einheit.

Das Ergebnis ist ein Album, das die rohe Energie von ´No Name´ übernimmt, aber weniger wie eine spontane Explosion wirkt. ´Frozen Charlotte´ ist dunkler, kompakter und deutlich stärker vom Zusammenspiel der Band geprägt. Die Garage bleibt der Ausgangspunkt, doch aus den staubigen Wänden dringen diesmal mehr Blues, klassischer Hardrock und sogar kleine psychedelische Farbtupfer.

Der Opener ´G.O.D. And The Broken Ribs´ eröffnet mit einem simplen, aber messerscharfen Riff, dazu Whites gewohnt bissiger Gesang – mehr braucht es nicht, um eine ganze Rockgeschichte in Bewegung zu setzen. ´Derecho Demonico´ schiebt anschließend mit schwerem Blues-Riffing nach und klingt, als hätten sich die frühen LED ZEPPELIN und THE DEAD WEATHER in einer verrauchten Garage getroffen.

Jack White war nie ein Musiker, der seine Songs unnötig aufblasen musste. Die Stärke liegt weiterhin in der Reduktion. Ein paar verzerrte Gitarren, ein treibendes Schlagzeug und eine Idee reichen häufig aus. ´Dollar Bill´, ein kurzer, dreckiger Proto-Punk-Angriff, der mit wenigen Akkorden mehr Energie erzeugt als manche Bands mit einer ganzen Studiowand voller Technik, ist dafür das beste Beispiel.

Doch ´Frozen Charlotte´ lebt nicht ausschließlich von der Abrissbirne. ´There’s Nobody There´ lebt auch von seiner Atmosphäre, getragen von Bobby Emmetts Orgel und den klassischen Rock-Strukturen, während ´I Can’t Believe What I’m Hearing´ beinahe wie ein vergessener Hit der THE RACONTEURS wirkt. Zwischen all dem Lärm verstecken sich immer wieder überraschende Melodien, sowie Anklänge an LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH, RUSH, MC5 und Hendrix.

Natürlich bleibt White auch seinem Hang zum Chaos treu. ´Making Contact´ ist eine verzerrte Abrechnung mit der digitalen Dauerbeschallung, irgendwo zwischen Noise-Rock und Garage-Punk. ´She’s In A Frenzy´ wirkt dagegen wie ein eingefangener Moment aus einer wilden Studiosession.

Zum Schluss zieht ´Neighbors Blues´ noch einmal alle Register. Der längste Song des Albums schleppt sich zunächst schwerfällig durch den Blues, bevor Jack White seine Gitarre endgültig sprechen lässt.

Jack White erfindet sich mit ´Frozen Charlotte´ nicht neu. Die Platte lebt von genau dem, was ihn seit Jahren auszeichnet: dreckige Gitarren, ungewöhnliche Ideen und eine tiefe Liebe zu den Wurzeln des Rock. Während ´No Name´ wie ein spontaner Befreiungsschlag klang, präsentiert sich der Nachfolger als eingespielte Bandmaschine.

Ein Album für alle, die ihre Verstärker lieber zu laut als zu leise einstellen. Jack White hält den Rock ’n’ Roll weiterhin am Brennen – und ´Frozen Charlotte´ wirft noch einmal ordentlich Öl ins Feuer.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/jackwhite

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