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Frank Beard (ZZ TOP) Nachruf: Der Kerl ohne Bart hatte den besten Groove

Ausgerechnet Frank Beard, das stoische, unerschütterliche Fundament von ZZ Top, hat die Sticks für immer aus der Hand gelegt. Wenn eine Nachricht wie ein Schlag in die Magengrube trifft, dann diese. Nach Dusty Hill verliert die legendärste Texas-Blues-Maschine der Welt nun ihren nächsten Pfeiler.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Über ein halbes Jahrhundert stand dieses Trio gemeinsam auf den Bühnen dieser Welt. Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard. Drei Männer, die irgendwann nicht mehr wie eine Band wirkten, sondern wie eine Naturgewalt. Diese drei waren ZZ Top.

Und Frank Beard saß hinten. Genau dort, wo man ihn brauchte.

Während Billy Gibbons seine Gitarren aufheulen ließ und Dusty Hill mit seinem Bass den nächsten schweren Brocken ins Rollen brachte, hielt Beard das Ganze zusammen. Nicht mit dem Bedürfnis, sich selbst in den Mittelpunkt zu spielen. Sondern mit diesem trockenen, tief in den Blues hineingewachsenen Groove, der ZZ Top von der ersten Sekunde an unverwechselbar machte.

Der Mann ohne Bart war der Taktgeber der beiden Männer mit den Bärten. Was für eine schöne Ironie.

Beard brauchte keine endlosen Schlagzeugsolos und keine artistischen Verrenkungen. Sein Instrument war kein Zirkuspferd. Es war der Motor. Der Puls. Die Straße unter den Reifen.

Hör dir „La Grange“ an. „Tush“. „Gimme All Your Lovin’“. Man hört dort nicht einfach einen Schlagzeuger, der den Takt vorgibt. Man hört einen Musiker, der verstanden hatte, dass Groove manchmal gerade darin besteht, nicht zu viel zu tun.

Frank Beard ließ der Musik Luft zum Atmen. Und genau deshalb hatte sie Gewicht.

Das war auch dann zu spüren, als ZZ Top in den Achtzigern mit Synthesizern, Drumcomputern und einer gewaltigen Portion MTV-Ästhetik plötzlich vom texanischen Blues-Trio zur internationalen Stadionmaschine wurde. Die Videos wurden größer, die Autos schneller, die Bärte länger – aber unter all dem blieb dieser eigentümlich dreckige, trockene Rhythmus.

Beard sorgte dafür, dass ZZ Top trotz aller Hochglanzoptik nicht den Boden unter den Füßen verloren.

Vielleicht war das seine größte Stärke: Er musste nie beweisen, dass er der Schlagzeuger von ZZ Top war. Er war es einfach. Und das über Jahrzehnte.

Als Dusty Hill 2021 starb, verlor ZZ Top bereits einen Teil dieser unverwechselbaren Dreieinigkeit. Nun ist Frank Beard ebenfalls gegangen. Damit ist von der klassischen Besetzung nur noch Billy Gibbons übrig.

Das ist mehr als eine Personalie. Es ist das Ende eines Kapitels. Denn ZZ Top war eine dieser seltenen Bands, bei denen man irgendwann vergaß, dass hinter den Namen Menschen standen. Billy, Dusty und Frank wurden zu einer Einheit. Zu einem Bild. Zu einem Sound. Zu einem Stück Rockgeschichte, das aussah, als könne es niemals wirklich verschwinden.

Jetzt tut es das. Frank Beard war der Mann ohne Bart. Aber ganz sicher nicht der Mann ohne Profil.

Sein Vermächtnis steckt in jedem trockenen Snare-Schlag, in jedem rollenden Shuffle, in diesem lässigen Texas-Groove, bei dem man den Kopf automatisch mitwippen lässt. Und es steckt in der Erkenntnis, dass ein großer Schlagzeuger nicht immer der sein muss, den man am lautesten hört.

Manchmal ist der Größte der, der alles zusammenhält.

Mach’s gut, Frank.

Schnapp dir die Sticks. Dusty wartet bestimmt schon. Und wenn dort oben irgendwo ein Verstärker brummt und eine Gitarre in D loslegt, dann wissen wir ja, was als Nächstes kommt.

Der Groove bleibt. Für immer.

 


Pic: Frank Beard von ZZ Top beim Bilbao BBK Live 2008. Foto: Alberto Cabello, CC BY 2.0.

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