
WILLIE NELSON & MERLE HAGGARD – Django And Jimmie
2015 (Legacy Recordings) - Stil: Country, Outlaw Country
Kippenqualm im Scheinwerferlicht, der Duft von abgestandenem Bourbon in den Dielen und zwei uralte Raubtiere, die das Mikrofon noch einmal mit bloßen Händen packen! Wenn sich zwei Giganten wie WILLIE NELSON und MERLE HAGGARD im Spätherbst ihres Daseins für eine allerletzte gemeinsame Schlacht im Studio versammeln, erstarrt der ganze verdammte Highway in Ehrfurcht.
Zehn Monate vor dem endgültigen Erlöschen von MERLE HAGGARDs Erdenfeuer schenkten die beiden Rebellen der Welt mit ´Django And Jimmie´ über “Legacy Recordings” ein Abschiedsdokument, das vor gelebtem Narbengewebe, unbefleckter Würde und staubiger Altersweisheit schlichtweg überquillt. Vergesst die sterile Fließbandware aus den modernen Country-Fabriken Nashvilles. Auf ´Django And Jimmie´ riecht jede Note nach Leder und ungezähmter Freiheit.

Schon beim Einstieg wird klar, dass dieser Streich kein müder Altherren-Kaffeekranz geworden ist. Der Titeltrack ´Django And Jimmie´ entpuppt sich als beschwingter, unfassbar lässiger Verbeugungstanz vor ihren Ur-Göttern Django Reinhardt und Jimmie Rodgers. Die legendäre akustische Klampfe von WILLIE NELSON perlt spritzig durch die Rillen, während Renato Caranto mit seinem schmutzig-jazzigen Saxophon unerwartete Farbtupfer in die raue Kulisse malt. Die beiden Haudegen singen mit brüchiger, aber furchtlos aufeinander abgestimmter Aura und verzichten komplett auf glattpolierte Studio-Tricks. In der süffisanten Kiffer-Hymne ´It’s All Going To Pot´ schimmert der unverwüstliche Schelmenmut der beiden Outlaws durch, getragen von einer wimmernden Steel-Guitar aus den Händen von Mike Johnson und Dan Dugmore.

Der Puls dieser Scheibe schlägt jedoch in den tiefen, melancholischen Abgründen. Dementsprechend zieht einem ´Unfair Weather Friend´ bedingungslos die Schuhe aus. Wenn Catherine Styron-Marx die Tasten der Hammond B-3 Orgel streichelt und die beiden Greise über die unverbrüchliche Loyalität echter Kameradschaft philosophieren, bleibt kein Auge trocken.
Nicht minder intensiv gerät das erschütternd ehrliche ´Live This Long´. Mit trockenem Humor und tiefsitzender Wehmut blicken die Legenden auf Jahrzehnte voller Raubbau zurück, während Drummer Eddie Bayers und Basser Eli Beaird das Fundament wie ein verlässliches Uhrwerk zusammenhalten. Durch die schunkelnde Cash-Hommage ´Missing Ol’ Johnny Cash´, bei der Urgestein Bobby Bare mit an Bord springt, sowie die schmutzige Honky-Tonk-Rauferei ´The Only Man Wilder Than Me´ wird der Geist der Highwaymen-Tage endgültig wieder aufgerüttelt.
Die originale Vinyl-Doppel-LP von “Legacy Recordings” aus dem Jahre 2015 fängt diese späte Sternstunde in vollendeter Hi-Fi-Pracht ein. Gepresst auf schwerem Material, entfaltet das Gatefold-Set eine Räumlichkeit, die den Hörer mitten zwischen die Verstärker in WILLIE NELSONs texanisches Pedernales Studio katapultiert. Ein epischer, herzergreifender Schwanengesang zweier unsterblicher Legenden!
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