
MIRROR OF DECEPTION – Transience
2026 (Independent) - Stil: Unorthodox Doom Metal
Nach über sieben Jahren Stille melden sich MIRROR OF DECEPTION mit ihrem sechsten Album zurück, und diese lange Reifezeit ist jederzeit hörbar. Die Band aus Göppingen hat sich neu aufgestellt, seit Pascal Schrade am Bass und Uwe Kurz am Schlagzeug eingestiegen sind, und genau dieser Wechsel verleiht dem Material spürbar mehr Spannung und Zielstrebigkeit. Aufgenommen wurde das Album unter der Leitung von Michael „Michelle“ Darkness (END OF GREEN), dessen Handschrift den Songs einen klaren, warmen Klang und die nötige Schwere gibt.
Der Titel ´Transience´ zieht sich wie ein roter Faden durch alle sieben Stücke, mal in persönlichen Bildern, mal in größeren historischen Perspektiven.
Der Einstieg ´Death, Deliver Us´ legt als Basis ein schleppendes Riff, darüber schildert der Text den verzweifelten Kampf eines Kapitäns gegen einen Sturm, der längst außer Kontrolle geraten ist. Man sieht förmlich das Schiff, wie es gegen die Wellen ankämpft, während Sänger und Gitarrist Michael Siffermann die Geschichte mit erhobener, ungewohnt klarer Stimme erzählt. ´Currents´ knüpft daran an, wirkt aber agiler. Die Gitarren zeichnen das Bild eines Flusses, der sich durch Fels und Zeit frisst, erst ungestüm, später ruhiger, bis er sich in größere Zusammenhänge fügt. Dabei zeigt sich die Band von ihrer melodischen Seite.
Mit ´Haven´ folgt ein druckvoller Song, der die Muskeln etwas anzieht. Die Gitarren und das Schlagzeug treten entschlossener auf, und mittendrin setzt Gitarrist Jochen Fopp mit kurzen Growl-Passagen einen rauen Kontrast. Inhaltlich geht es um Rückzug, um einen Ort fern von Lärm und Konflikt, musikalisch bleibt jedoch stets eine latente Unruhe spürbar. ´Slow Winds´ reduziert anschließend das Tempo. Uwe Kurz spielt fast stoisch, während die Gitarren lange Töne stehen lassen und sich langsam steigern. Der Text zeichnet eine karge Landschaft im Zwielicht, ein Aufstieg durch Geröll und Wind. Diese Ruhe baut Spannung auf, die sich erst spät entlädt.
In ´Consumed´ trifft ein schwerer, fast schleppender Groove auf ein Riff, das sich stetig steigert, während der Text innere Zerrissenheit und Selbstzerstörung beschreibt. Die Bilder sind direkt, Blut, Spiegel, Asche, und genau so klingt auch die Musik. Der nächste Höhepunkt folgt mit ´The Sands´. Der Song beginnt verhalten, bevor sich der Sand und ebenso das Geschehen sammelt und in einer wuchtigen Passage aufgeht. Inhaltlich steht ein Sandsturm im Mittelpunkt, der alles verschlingt, was ihm in den Weg kommt. Wenn sich der Sturm legt, bleibt eine ruhige, fast klare Schlussphase, die wie ein Neuanfang wirkt.
Den Abschluss bildet ´Meander´, der längste und vielleicht eindrucksvollste Track. Der Song beginnt zurückhaltend und entwickelt sich Schritt für Schritt zu einem großen Finale. Inhaltlich verbindet er die Bewegung eines Flusses mit einer archaischen Szenerie, Knochenreste, Pfeilspitzen, Spuren einer uralten Schlacht, die im Boden verborgen lagen und nun wieder freigelegt werden – wahrscheinlich die bronzezeitliche Schlacht im Tollensetal. Diese Verbindung aus Natur und Geschichte gibt dem Stück eine besondere Tiefe, während die Musik zwischen ruhigen Passagen und schweren Ausbrüchen pendelt.
So entsteht ein Album, das fest im klassischen Doom verwurzelt ist und dennoch genug eigene Akzente setzt, um sich von bloßer Tradition zu lösen.
Während das Cover mit dem Schädel eines Magellantauchers eine maritime Spur zieht, die sich durch mehrere Ebenen des Albums fortsetzt, entfaltet sich zwischen Schiffbruch, Erdbewegung und stillen Momenten der Auflösung eine Welt ohne festen Boden.
Der Sturm legt sich, der Fluss zieht weiter, der Sand bedeckt, was war. Nichts wird bewahrt, nichts wird erklärt. Nur die Zeit kennt das Schicksal.
(8,5 Punkte)



