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JOSCHKO – Past & Present, All At Once

2026 (Slash Zero Records) - Stil: Indie Rock

Es gibt diese seltenen Platten, die sich anfühlen wie ein heißer Draht zwischen zwei Zeiten. Als würde sich irgendwo im Hintergrund ein alter Röhrenverstärker langsam aufheizen, während durch dieselben Kabel noch die Echos vergangener Jahre rauschen. ´Past & Present, All At Once´ von JOSCHKO gehört genau zu solchen Werken, die Vergangenheit und Gegenwart nicht voneinander trennen, sondern beide Welten so lange ineinanderfließen lassen, bis sie denselben Herzschlag tragen.

Hinter diesem Werk steht Vincent Joschko, unterstützt von Hubi Hofmann am Bass und Piano, Michael „Air“ Hofmann am Schlagzeug sowie Claus Bächer an der Hammond-Orgel. Gemeinsam erschafft das Quartett einen Sound, der gleichermaßen vertraut und frisch wirkt. Produziert von Hubi Hofmann, atmet das Album jene angenehme Unmittelbarkeit, die vielen modernen Produktionen längst verloren gegangen ist. Hier wurde nichts auf Hochglanz poliert. Stattdessen bleibt Raum für kleine Ecken und Kanten, für echte Emotionen.

Musikalisch bewegt sich JOSCHKO irgendwo zwischen britisch geprägtem Indie Rock, Singer-Songwriter-Intimität und jener melancholischen Weite, die einst Bands wie OASIS, THE VERVE, TRAVIS oder COLDPLAY in ihren frühen Jahren auszeichnete. Doch anstatt bloße Nostalgie zu bedienen, verwandelt ´Past & Present, All At Once´ diese Einflüsse in etwas Eigenständiges.

Die Songs wirken wie Momentaufnahmen eines Lebens, das ständig zwischen Aufbruch und Rückschau pendelt. Erinnerungen erscheinen als lebendige Szenerien, die mit jedem Akkord wieder Farbe gewinnen. Mal öffnen sich weite Gitarrenlandschaften voller Fernweh und Hoffnung, dann wieder ziehen dunklere Wolken auf, während sich die Musik nach innen wendet und nach Antworten sucht, die vielleicht nie vollständig gefunden werden.

Besonders beeindruckend ist die Art, wie das Album seine Dynamik entwickelt. Statt schneller Höhepunkte setzt JOSCHKO auf langsames Wachsen. Viele Passagen entfalten ihre Wirkung erst nach und nach, bis sich Melodien, Gitarren und Hammond-Klänge zu einer Atmosphäre verdichten, die lange nachhallt. Dabei entsteht immer wieder jenes schwer greifbare Gefühl, das große Alben von guten Alben trennt: die Fähigkeit, Erinnerungen wachzurufen, die vielleicht gar nicht die eigenen sind.

Über allem schwebt eine melancholische Wärme. Selbst in den nachdenklichsten Momenten verliert die Musik nie ihren menschlichen Kern. Die Melodien tragen Hoffnung in sich, ohne naiv zu wirken. Die Texte blicken zurück, ohne in Stillstand zu verfallen. Und darin liegt die besondere Stärke dieses Albums.

´Past & Present, All At Once´ fordert Aufmerksamkeit, Zeit und offene Ohren. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Werk voller Atmosphäre, Sehnsucht und ehrlicher Geschichten. Ein Album, das sich anfühlt wie eine nächtliche Autofahrt durch vertraute Straßen, während das Radio Erinnerungen spielt, die man längst vergessen glaubte.

JOSCHKO ist ein bemerkenswertes Stück Indie Rock gelungen – zeitlos, emotional und voller Herz. Eine dieser Platten, die man nicht einfach hört, sondern erlebt.

(8 Punkte)

https://www.instagram.com/joschkomusic

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