
LOCKHART – City Pulse
2026 (High Roller Records) - Stil: Melodic Rock/AOR
Wenn in den späten Achtzigern in verrauchten Redaktionsbüros über die Zukunft des melodischen Hard Rock gesprochen wurde, fielen Namen wie JOURNEY, BOSTON oder FOREIGNER – Bands, die den Begriff „Arena“ nicht nur bespielten, sondern mit jedem Refrain neu definierten. Genau in diese Aura stossen nun LOCKHART mit ´City Pulse´ hinein, als hätte jemand eine vergessene Kassette aus dem Handschuhfach eines 1987er Mustang gezogen und sie wieder zum Leben erweckt.
Der Auftakt ´City Pulse´ geht in der Zeit zurück. Breite Synth-Flächen, warm pulsierende Rhythmen, Stimmen wie Neonlicht über einer nächtlichen Skyline – LOCKHART erschaffen hier ein Gefühl zwischen Aufbruch und Sehnsucht, irgendwo zwischen SURVIVORs Stadiondramaturgie und der eleganten Melancholie von TOTO.
´Can’t Shake It´ weckt weitere Erinnerungen, an sonnendurchfluteten AOR mit einer Leichtigkeit, die an FOREIGNERs goldene Phase erinnert, während sich ´The Dose That Made You Poison´ zu einem dieser typischen Achtziger-Refrains aufschwingt, die sich im Kopf festsetzen wie ein unsterblicher Radiomoment.
Dann dieses bittersüße Flackern in ´Together As None´ – ein Song, der klingt, als hätte man JOURNEY und BOSTON in einen Proberaum gesperrt und sie gezwungen, sich auf einen gemeinsamen Himmel zu einigen.
´Under Fire´ ist ein stolzer Midtempo-Groover, getragen von souveränem Rhythmusfundament und dieser unerschütterlichen 80s-Attitüde, die früher ganze Stadien in Bewegung versetzte. Dabei blitzt auch kurz der Geist von REO SPEEDWAGON auf, dieses unaufdringliche Selbstbewusstsein, das große Refrains einfach geschehen lässt.
´Just Can’t Wait´ ist der perfekte Highway-Song zwischen Sonnenuntergang und offenen Fenstern, irgendwo zwischen HEART und klassischem MTV-AOR.
Doch mit ´You Wouldn’t Know Love´ riskieren sie auch einen Seitenblick in eine andere Realität. Die Gitarrenarbeit der Coverversion setzt einen raueren Akzent, so als würde kurz der Schatten des modernen Hard Rock durch die rosa Wolken brechen.
´Before The Fall´ schwebt atmosphärisch durch das Album, bevor ´No Chance In Heaven´ das Schlussbild setzt: der große finale Refrain, das breite Pathos, die letzte Explosion aus Melodie und Gefühl.
LOCKHART bewegen sich auf ´City Pulse´ durch eine Welt aus Synthesizern, Erinnerungen und klassischer Rock-Dramaturgie, die heute selten geworden ist. Man hört hier eine echte Wiederbelebung. Die Songs tragen den Geist von BOSTON, die emotionale Weite von TOTO, die Stadiongröße von JOURNEY – und trotzdem bleibt da diese eigene Handschrift, die alles zusammenhält. LOCKHART liefern keine Nostalgie und keinen Rückblick. Sie liefern frisches Leben.
(8,5 Punkte)



