
FERRIS & SYLVESTER – It’s A Joy To Be Alive
2026 (Archtop Records/Integral Music) - Stil: Folk Pop
Manchmal reicht ein einziger Ton, um zu spüren, dass eine Band an einem anderen Punkt ihrer Karriere angekommen ist. Bei FERRIS & SYLVESTER entfaltet sich dieses Gefühl bereits mit dem Titelstück ´A Joy To Be Alive´.
Wer den Vorgänger ´Otherness´ kennt, wird überrascht sein. Das opulente Konzeptalbum mit seinen experimentellen Ausflügen weicht einer deutlich fokussierteren Platte. Alles wirkt persönlicher, wärmer und näher am eigenen Leben. Issy Ferris und Archie Sylvester schreiben keine Folk-Märchen über das Glück. Sie haben sich durch Angst, Zweifel und schlaflose Nächte gearbeitet.
Deshalb besitzen diese elf Songs eine Glaubwürdigkeit, die sich nicht inszenieren lässt. Produziert im eigenen Studio, fernab großer Studios und analoger Prestige-Projekte, atmet jede Minute diesen unabhängigen Geist, der Folk und Americana seit Jahrzehnten so besonders macht.
Musikalisch bewegt sich ´It’s A Joy To Be Alive´ mit traumwandlerischer Sicherheit zwischen dem warmen Folk-Pop der Siebzigerjahre, Americana und einem Hauch Soul. Den Gesangsharmonien von Issy Ferris und Archie Sylvester ist es dabei jederzeit anzuhören, dass sie aus einem Jahrzehnt gemeinsamen Lebens und Musizierens gewachsen sind.
Elegante Streicher verleihen den Songs cineastische Größe, Michael Rendall setzt mit seinen Keyboards und Pianoklängen feine Farbtupfer, Miles Hobbs sorgt für ein geschmeidiges Fundament am Bass und Ross Gordon hält mit seinem zurückhaltenden Schlagzeugspiel alles souverän zusammen.
´A Joy To Be Alive´ eröffnet das Album mit einer optimistischen Leichtigkeit. Zwischen sanfter Folk-Melodie und luftiger Pop-Produktion wächst ein Refrain heran, der lange nachhallt. Der Titelsong klingt nach Menschen, die das Dunkel erlebt haben und trotzdem wieder lachen können.
´Tiny Little Love´ zählt zu den bewegendsten Momenten der Platte. Wer die Geschichte hinter der dramatischen Frühgeburt ihres Sohnes kennt, hört jede Zeile mit anderen Ohren. Warme Streicher treffen auf zerbrechlichen Gesang, ehe sich das Stück zu einem hoffnungsvollen Finale erhebt.
Einen markanten Kontrast setzt ´5.4.3.2.1´. Die Gitarren knurren, das Schlagzeug treibt entschlossen nach vorne und die Wut über Machtmissbrauch in der modernen Arbeitswelt entlädt sich mit voller Wucht. FERRIS & SYLVESTER zeigen, wie bissig Folk klingen kann. ´Lucky Night´ schlägt in eine ähnliche Kerbe, entwickelt dabei einen lässigen Groove und kratzt stellenweise sogar am Heavy-Rock.
Mit ´Jealous´ beweist das Duo sein Gespür für große Pop-Melodien. Schimmernde Harmonien und ein Refrain, der sich unauffällig im Gedächtnis festsetzt, verleihen dem Song zeitlose Eleganz. ´Fishing Song´ erinnert mit erfrischendem Paar-Gesang daran, wie viel Kraft in einfachen akustischen Arrangements liegen kann.
Auch die von Archie Sylvester gesungenen ´Peach Tree Street´ und ´The Game´ fügen sich mühelos in den Fluss des Albums ein, bevor ´The Sun Will Shine Again´ mit seiner hoffnungsvollen Botschaft einen versöhnlichen Schlusspunkt setzt. Kein Song wirkt wie ein Lückenfüller. Jeder erzählt ein weiteres Kapitel aus der gemeinsamen Lebensreise von Issy Ferris und Archie Sylvester.
Was diese Platte so anziehend macht, ist ihre Atmosphäre. Nichts wirkt künstlich aufgeblasen. Freude, Angst, Liebe und Hoffnung stehen gleichberechtigt nebeneinander und verleihen den Songs eine bemerkenswerte Tiefe. Die Produktion klingt warm und bis ins Detail liebevoll ausgearbeitet. Der DIY-Geist ist in jeder Minute spürbar, ohne dass der Klang jemals an Größe oder Qualität verliert.
´It’s A Joy To Be Alive´ ist ein Werk voller Herz, Seele und wunderschöner Melodien. FERRIS & SYLVESTER gelingt es, persönliche Erlebnisse in zeitlose Songs zu verwandeln. Ihre dritte Veröffentlichung wirkt ehrlich, musikalisch gereift und gehört zu jenen Folk-Alben, die durch ihre Authentizität glänzen.
(8,5 Punkte)

´It’s A Joy To Be Alive´ kann entweder HIER im Band-Shop als Album-Bundle mit neuen Merchandise-Artikeln oder hierzulande HIER regulär vorbestellt werden.
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Photo-Credit: Daniel Alexander Harris
(VÖ: 14.08.2026)



