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SLAUGHTER – Strappado

1987/2025 (High Roller Records) - Stil: Death/Thrash Metal

Wenn man heute über die Geburtsstunde des Death Metal diskutiert, fallen fast automatisch Namen wie DEATH und POSSESSED. Doch tief unten im kanadischen Underground lauerte 1987 eine Bestie, die sich um Genregrenzen einen Dreck scherte. SLAUGHTER spielten keinen Death Metal, keinen Thrash Metal und keinen Hardcore. Sie spielten Krieg.

Deshalb klingt ´Strappado´ fast vier Jahrzehnte später immer noch gefährlicher als ein Großteil dessen, was heutzutage unter dem Banner des Extreme Metal veröffentlicht wird.

Schon das Cover von ´Strappado´ wirkt wie ein Relikt aus den finstersten Kellern des 80er-Undergrounds. Die Darstellung der mittelalterlichen Foltermethode, die dem Album seinen Namen gab, passt perfekt zur Musik. Dahinter steht eine Szene aus Tape-Tradern, Fanzines, Patronengürteln, Kutten und verrauchten Clubs, in der Extreme Metal noch wie eine geheime Bruderschaft funktionierte. Abgewetzte High-Tops. Haare bis zur Hüfte. Fotokopierte Fanzines. Briefe aus Brasilien, Deutschland und den USA. Eine Zeit, in der Metal noch Untergrund war und jede neue LP wie ein verbotenes Artefakt wirkte.

Genau dieses Gefühl konserviert ´Strappado´. Dave Hewson, Terry Sadler und Ron Sumners erschufen hier keinen Hochglanz-Klassiker – sie erschufen eine Abrissbirne. An einem einzigen Tag. Eine komplette Aufnahme-Session in gerade einmal 24 Stunden, mit kaum Budget, billigem Equipment und Chaos überall. Dazu der berühmte Kurzaufenthalt von Chuck Schuldiner, der für wenige Wochen bei SLAUGHTER auftauchte und genauso schnell wieder verschwand wie ein Geist in der Nacht.

Das Ergebnis? 23 Minuten und 44 Sekunden musikalischer Straßenkampf. Diese Platte klingt nicht produziert. Sie klingt einfach rausgeballert. Der Gitarrensound ist bis heute eine Naturgewalt. Was Dave Hewson damals aus seinen Verstärkern herausprügelte, erinnert an rostige Kettensägen, die durch Betonblöcke gefressen werden. Der Bass von Terry Sadler brodelt darunter wie ein defekter Hochofen. Ron Sumners hämmert auf sein Schlagzeug, als wolle er die Studiowände einreißen. Echte Magie. Nichts wirkt berechnet. Nichts wirkt konstruiert. Man hört Menschen. Man hört Schweiß. Man hört Fehler. Man hört Leben.

Während viele spätere Death Metal-Bands technische Perfektion anstrebten, lebt ´Strappado´ von seiner Wildheit. Die Songs rasen vorbei wie ein außer Kontrolle geratener Güterzug. Hardcore-Punk kollidiert mit HELLHAMMER-Düsternis, CELTIC FROST-Grooves und dem Wahnsinn früher Thrash-Exzesse.

Natürlich gibt es Highlights. Der Titelsong ´Strappado´ eröffnet die Schlacht wie ein Molotowcocktail durch ein Kellerfenster. ´The Curse´ verneigt sich tief vor HELLHAMMER und CELTIC FROST. ´Incinerator´ gehört bis heute zu den großen Underground-Hymnen des extremen Metal. ´F.O.D.´ trägt immer noch den Zorn jener Tage in sich, als Chuck Schuldiner plötzlich wieder Richtung Florida verschwand. Und ´Tales Of The Macabre´? Dieser Song ist keine Musik mehr. Er ist ein Ritual. Ein Grabstein. Ein finsteres Manifest aus einer Zeit, in der Extreme Metal noch wirklich extrem war.

Was diese „High Roller“-Neuauflage von 2025 so wertvoll macht, ist die Entscheidung für den originalen 1987er Mix. Genau hier lag über Jahrzehnte der Streitpunkt unter Fans. Die späteren Remix-Versionen wirkten sauberer, fetter und moderner.

Doch ´Strappado´ braucht keinen modernen Sound. Es braucht Dreck. Es braucht Gefahr. Es braucht dieses Gefühl, als würde die Anlage jeden Moment explodieren.

Patrick W. Engel vom „Temple Of Disharmony“ hat genau verstanden, worum es geht. Statt den historischen Wahnsinn glattzubügeln, wurde der originale Mix gerettet, wurde der originale Charakter bewahrt und lediglich dort verbessert, wo es dem Vinylschnitt zugutekommt. Die Seele blieb unangetastet.

Genau so muss eine Reissue aussehen. Die Ausstattung bewegt sich ebenfalls auf Sammler-Niveau: 425gsm Heavy Cover, Poster, Textblatt und die Wahl zwischen schwarzem Vinyl sowie der limitierten Splatter-Version. So etwas fühlt sich nach Metal an. Nach echter Leidenschaft. Nach einem Album, das man besitzen möchte und nicht einfach nebenbei streamt.

Diese Platte stammt aus einer Zeit, in der niemand an Algorithmen dachte. Niemand optimierte Songs für Playlists. Man wollte lediglich härter, lauter und kompromissloser sein als alle anderen. Mission erfüllt.

Heute klingt ´Strappado´ immer noch wie eine Kneipenschlägerei zwischen MOTÖRHEAD, HELLHAMMER, D.R.I., CELTIC FROST und einer Horde entfesselter Hardcore-Punks. Mehr 80er geht nicht. Mehr Underground geht nicht. Mehr Lederjacke, Patronengürtel und Bierpfütze geht nicht.

Ein Monument.

Ein Kultalbum.

Ein verdammtes Stück Metal-Geschichte.

10/10

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