
VOMITS – Synchro! Synchro!
2026 (Bloodshed666 Records/Sounds of Subterrania) - Stil: Noise Punk / Hardcore / Noise Rock
Es mag Platten geben, die riechen schon nach Studio. Andere hingegen, die müffeln schon nach Marketingabteilung. Und dann gibt es Alben wie ´Synchro! Synchro!´. Die riechen nach verschüttetem Bier auf klebrigen Jugendzentrumsböden, nach kaltem Zigarettenrauch vor dem Proberaum, nach durchgeschwitzten Shirts und dem letzten Bus, den man nach einem Konzert irgendwo zwischen Linz und Wien gerade noch erwischt.
VOMITS kommen aus Waidhofen/Ybbs. Einer Kleinstadt, die auf keiner musikalischen Landkarte besonders groß eingezeichnet ist. Umso erstaunlicher ist die Szene, die dort seit Jahren vor sich hin brodelt. Zwischen dem Kulturverein Förderband, dem Vereinslokal Sturmfrei und dem Fleischrock Festival wächst seit langer Zeit eine D.I.Y.-Kultur, die man in dieser Konsequenz selbst in deutlich größeren Städten selten findet. Hier wird nicht gewartet, bis jemand etwas organisiert. Hier macht man es selbst.
Und so klingt ´Synchro! Synchro!´. Diese Platte kommt nicht geschniegelt aus einem Hochglanzstudio gekrochen. Sie tritt die Tür ein. ´Who Pays The Price´ eröffnet das Album wie eine rostige Flex, die sich durch Stahl frisst. Die Gitarren sägen in bester UNSANE-Manier durch den Raum, während die Rhythmussektion alles vor sich herschiebt wie ein außer Kontrolle geratener Güterzug. Der Sound besitzt diese herrliche Unberechenbarkeit alter Noise Rock-Platten, bei denen man nie genau weiß, ob der nächste Takt gleich explodiert oder komplett auseinanderfällt.
´Buy A Kazoo´ wirkt anschließend wie eine Kneipenschlägerei zwischen DEAD KENNEDYS und DŸSE. Rotzig, schief grinsend und voller Energie. Genau diese Mischung aus Chaos und Kontrolle zieht sich durch das gesamte Album. Die eigentliche Stärke von VOMITS liegt jedoch darin, dass sie ihre Vorbilder nie nachahmen. Natürlich schweben die Geister von SHELLAC, BLACK FLAG, THE STOOGES oder UNWOUND über diesen Songs. Natürlich hört man Steve Albinis trockene Brutalität an allen Ecken. Doch ´Synchro! Synchro!´ klingt nie wie eine nostalgische Kopie alter Helden.
´Huso´ kotzt seine Wut direkt ins Gesicht des Hörers. ´Knock Knock´ taumelt zwischen Punk, Noise Rock und Hardcore wie ein Betrunkener durch eine nächtliche Seitengasse. ´Drunk Funk´ macht seinem Namen alle Ehre und entwickelt einen grungeigen Groove, der gleichzeitig tanzen und stolpern lässt. Spätestens in diesem Moment wird klar, dass VOMITS keine klassische Punkband sind. Unter der dreckigen Oberfläche steckt erstaunlich viel Gespür für Dynamik.
´Instructions For Side B´ funktioniert fast wie ein elektronisch NEUer Zwischenruf, bevor ´Laugh To Laugh´ und ´Bite The Bullet´ wieder sämtliche Sicherungen aus der Wand reißen. Die Gitarren kratzen, schaben und quietschen. Der Bass pumpt sich durch die Songs wie ein zweiter Herzschlag.
Besonders stark gerät ´Reel On(E)´. Hier verdichten sich die verschiedenen Einflüsse des Albums zu einem einzigen lärmenden Monolithen. Irgendwo zwischen BRAINBOMBS, THE FALL und frühen MELVINS entwickelt der Song eine hypnotische Wucht, die lange nachhallt. ´Traitor´ und ´Fine Line´ führen die emotionale Ebene des Albums noch stärker aus. Die Texte von VOMITS sind grantig, selbstkritisch und manchmal fast schmerzhaft ehrlich. Es geht um Frust, gesellschaftliche Enge, persönliche Widersprüche und das Gefühl, irgendwo festzustecken.
Produziert wurde das Album von Feelix, der in der Wiener Underground-Szene längst eine feste Größe ist. Seine Arbeit bewahrt genug Dreck für die Glaubwürdigkeit, genug Transparenz für die Songs. Gastbeiträge wie die Posaune von Otto Horvath oder die Synthesizerflächen von Alex Ernst setzen kleine Farbtupfer, ohne das Naturell der Platte zu verwässern.
VOMITS liefern mit ´Synchro! Synchro!´ kein perfektes Album ab. Sie liefern etwas Wertvolleres. Ein Album mit Schrammen. Ein Album mit Narben. Ein Album mit Charakter. So muss Noise Punk klingen.
www.soundsofsubterrania.com
https://www.instagram.com/sounds_of_subterrania
Presspic: Nick Nofuture



