
ELLI BERLIN – Elli Berlin
2026 (Metalville) - Stil: Deutsch Rock / Industrial Metal
Deutsche Texte und Songs zwischen Deutsch Rock, Nu und Industrial Metal. Die Sängerin ELLI BERLIN, die eigentlich Eliza Nürnberger heißt und früh mit Schlager startete und sich als EliZa dann in Richtung Rock und schließlich zum Metal entwickelte, legt ein wenig konsistentes Werk unter ihrem Künstlernamen vor. NULL POSITIV ist die Band mit der sie drei Alben zwischen 2017 und 2020 mit hartem Industrial Metal veröffentlicht hat. Weitere Stationen auch bei der SAT1 Castingshow folgten. Dann gab es erste Aktivitäten in Form von einigen EPs unter ihrem (Künstler-) Namen. Und jetzt das Album. Und man liest von Kontroversen um politische Themen wegen Festivalauftritten mit einem Rechtsausleger, den ich wegen seiner Unbedeutendheit hier nicht nenne. Da hat sich die Band aber gleich (überzeugend) distanziert. Also Schwamm drüber.
Zur Musik. Manche Songs waren schon auf der 2024 veröffentlichten ´Hall Of Fame Tour´-CD. Elli ist deutlich weniger hart als bei ihrer Band und dringt in viele Musikbereiche vor. ´Lebensretter´ ist ein Ohrwurm, eher rockig als metallisch. ´Bang Bang´ mit der Gastband BRUNHILDE ist eine Mischung aus mittelhartem Industrial, Nu Metal-Riffs und Rock. Ihr Gesang pendelt zwischen Metal à la Doro, extremeren Vokalarten und Nina Hagen. ´Zu Wahr Um Schön Zu Sein´ ist dann eher wieder Deutsch Rock mit Balladen- und Stadionausrichtung. Ihr Gesang ist auf jeden Fall immer sehr kraftvoll. Die Texte bewegen sich zwischen Zwischenmenschlichem und Außenseitergeschichten mit vielen Metaphern. Manchmal etwas holprig, aber oft auch wirklich okay.

Auch ´Lieder Unserer Zeit´ ist eingängig mit einer Härte, die aber nicht wehtut. ´Wer Bist Du´ schielt stark Richtung AirPlay und ist sicher Castingshow-tauglich. Meine ich gar nicht böse. ´Aus Der Asche´ ist dann gegenteilig stark auf Metal und ein paar Growls aufgebaut, ohne dem Mainstream wirklich weh zu tun. ´Gefallene Engel´ treibt textlich Klischees voran und ist im Duett mit dem Teufel eingespielt. Nee, natürlich nicht mit dem ollen Beelzebub, sondern mit Mike Paulenz (TANZWUT, CORVUS CORAX), der diesen originellen Künstlernamen benutzt (besser als “Kasper”, “Seppl” oder “Großmutter”). Genug der billigen Polemik, versprochen.
´Mutterherz´ ist auch etwas schematisch aufgebaut, hat aber auch Hitpotenzial. ´Hall Of Fame´ greift wieder Metalweisen auf. ´Tief In der Dunkelheit´ zeigt wie Elli auch im “Klargesang” zu überzeugen weiß. Guter Gesang über das ganze Album. Das kann man konstatieren, egal welcher Musikstil gerade bedient wird. Positiv gesehen kann ich von Abwechslung sprechen, kritischer von der “Bedienung unterschiedlicher Zielgruppen”.
Ellis Gesang hält das Album aber zusammen. Teilweise gibt es überzeugende Melodien und vom Songwriting meist im grünen Bereich. Nicht wirklich Metal oder extrem. Unspektakulär. Aber auch sehr unterhaltsam.
(7 Punkte)



