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MOLSTONE – Master Of Illusion

2026 (Independent) - Stil: Neo Prog, Symphonic Rock

MOLSTONE legen mit ´Master Of Illusion´ ein Debüt vor, das erstaunlich abgeklärt wirkt. Schließlich kennen die Musiker dieses Terrain seit Jahren. Sänger und Keyboarder Sieberein Schaaf bringt seine Vergangenheit bei FLAMBOROUGH HEAD ein, ohne in alte Muster zu verfallen. Zusammen mit Mol Mulder, Bobby Veenstra, Klaas Hingst und Jan Bulthuis entsteht ein Album, das klassischen Neo Prog, melodischen Hard Rock und symphonische Größe auf natürliche Weise verbindet.

Interessant ist dabei vor allem die Vorgeschichte der Band. MOLSTONE begannen ursprünglich als Hard Rock-Coverband mit Material von DEEP PURPLE, PAT TRAVERS oder JOE BONAMASSA. Genau dieses Fundament bleibt bis heute erhalten. Die Hammond-Orgeln drücken schwer aus den Boxen, die Gitarren bleiben rau und rockig, darüber legen sich breite Synthesizerflächen und lange melodische Soli. Trotzdem klingt ´Master Of Illusion´ nie wie ein nostalgischer Rückblick, sondern erstaunlich frisch und lebendig.

Der über zehn Minuten lange Opener ´The Attic´ entwickelt sich langsam aus einem ruhigen Keyboardauftakt heraus. Dann öffnet sich das Stück immer weiter. Bobby Veenstra schiebt harte Gitarrenriffs unter die ausgedehnten Synthesizer-Melodien, während Gastgitarrist Sander Grupstra mit seiner 12-saitigen Gitarre zusätzliche Farbe hineinbringt. Der Song gehörte bereits Jahre vor den Studioaufnahmen zum festen Live-Repertoire der Band und besitzt genau deshalb diese natürliche Souveränität.

´Eye Of The Storm´ ist deutlich direkter. Harte Gitarrenläufe treffen auf ruhige Keyboardpassagen, ehe das Stück wieder in schnellen, melodischen Prog Rock übergeht. Durch den Mix von Ross Pallone klingt der Song auffallend transparent, fast wie amerikanischer Westcoast-Rock mit europäischem Neo Prog-Einschlag. Inhaltlich dreht sich der Track um falsche Urteile und oberflächliche Wahrnehmung.

Mit ´Bloodtrail´ schalten MOLSTONE einen Gang zurück. Ein melancholisches Piano eröffnet den Song, danach entwickelt sich eine balladeske Hard Rock-Nummer mit deutlichen Achtziger-Vibes. Bobby Veenstra spielt eines der stärksten Gitarrensoli der Platte. Der Text wiederum verarbeitet die Folgen einer Scheidung aus Sicht eines Kindes und bleibt dabei angenehm frei von Kitsch.

Deutlich härter fällt ´Slave To Technology´ aus. Der Song verzichtet weitgehend auf komplizierte Prog-Ausflüge und setzt stattdessen auf ein druckvolles Rhythmusgerüst aus Hammond-Orgel, scharf gespielten Gitarren und treibendem Schlagzeug. Inhaltlich geht es um die düstere Abhängigkeit moderner Gesellschaften von Smartphones, Bildschirmen und digitaler Kontrolle. Musikalisch passt diese fast aggressive Direktheit perfekt zum Thema.

Das symphonische Herzstück der Platte ist das knapp zehnminütige ´Edens Curse´. Sieberein Schaaf greift dabei auf ältere musikalische Ideen aus dem Umfeld von FLAMBOROUGH HEAD zurück, genauer auf Fragmente von ´Garden Of Dreams´. MOLSTONE formen daraus jedoch ein eigenständiges Prog-Epos mit großen Chorpassagen, orchestralen Keyboards und einem langen Synthesizer-Solo. Der Song wechselt mehrfach zwischen ruhigen, fast verträumten Abschnitten und schweren symphonischen Ausbrüchen. Inhaltlich geht es um die Flucht aus gesellschaftlichem Druck in eine künstliche Traumwelt.

´Gate Of Salvation´ führt diese Richtung rockiger fort. Große Chöre treffen auf schnelle Gitarrenfiguren und breite Keyboardteppiche. Der Song arbeitet stark mit Wechseln zwischen ruhigen Passagen und hymnischen Ausbrüchen, während der Text Macht, Profit und gesellschaftliche Gier ins Zentrum stellt.

Eine besondere Stellung nimmt ´Heavy Weight´ ein. Dabei handelt es sich um die einzige Coverversion des Albums. MOLSTONE verwandeln die ursprüngliche Vorlage in ein melancholisches Progressive Rock-Stück mit atmosphärischen Synthesizern und schweren Gitarrenmotiven. Der Hintergrund des Songs verleiht ihm zusätzlich Gewicht, da die Komposition eng mit einem tragischen Verlust im familiären Umfeld von Mol Mulder verbunden ist.

´Taking Me Down´ eröffnet mit dem tiefen Läuten einer Kirchenglocke, bevor sich der Song in Richtung melodischer Hard Rock entwickelt. Vor allem die Gesangslinien erinnern stark an die SCORPIONS zur Klaus Meine-Ära, während gleichzeitig die melodische Eleganz von KAYAK mitschwingt. Inhaltlich beschäftigt sich das Stück mit der Frage, wann romantische Idealisierung in emotionale Abhängigkeit umschlägt.

Das ruhige ´Not Alone´ reduziert die Instrumentierung bewusst. Piano, zurückhaltender Gesang und wenige Keyboardflächen tragen einen Text über häusliche Gewalt. Gerade weil MOLSTONE auf große Effekte verzichten, trifft der Song völlig unverblümt.

Zum Abschluss fährt ´Mind Sculpture´ noch einmal alles auf, was Neo Prog-Fans lieben. Ein langes Keyboard-Intro eröffnet das fast zehnminütige Finale, danach folgen melodische Gitarren, breite Synthesizerflächen und ein großer symphonischer Aufbau, der deutlich an frühe MARILLION und FLAMBOROUGH HEAD erinnert. Inhaltlich kreist der Song um Manipulation und psychologische Kontrolle. Bei der Release-Show in Leeuwarden wurde das Stück sogar mit Tänzern inszeniert.

Produktionstechnisch wirkt ´Master Of Illusion´ bemerkenswert ausgereift. Die beiden Keyboarder überladen die Songs nie, Bobby Veenstras Gitarren behalten permanent Druck und Klarheit, während Klaas Hingst das Album mit präzisem, teilweise fast metallischem Schlagzeugspiel zusammenhält. Trotz einer Laufzeit von mehr als 66 Minuten entstehen kaum echte Schwächen.

Mit ´Master Of Illusion´ liefern MOLSTONE ein starkes Neo Prog-Debüt ab. Die Band verbindet melodischen Achtziger-Prog, schweren Hammond-Hard Rock und moderne Produktion zu einem Album, das gleichzeitig klassisch und eigenständig wirkt. Vor allem aber besitzen diese Songs Substanz. Sie funktionieren schlichtweg über starke Melodien und auffallend souveränes Songwriting.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/Molstone

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