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GONG – Bright Spirit

2026 (Kscope) - Stil: Prog Rock

Mit ´Bright Spirit´ vollenden GONG ihre zwischen 2019 und 2026 gewachsene Trilogie mit erstaunlicher Gelassenheit und einer fast schwerelosen Selbstverständlichkeit. Nach dem düsteren Charme von ´The Universe Also Collapses´ und den wilderen Ausschlägen von ´Unending Ascending´ wirkt dieses Album wie der Moment, in dem sich plötzlich alles fügt. Die Band klingt geschlossener und melodischer, ohne dabei ihre Abenteuerlust einzubüßen.

Die aktuelle Besetzung um Kavus Torabi, Fabio Golfetti, Dave Sturt, Ian East und Cheb Nettles agiert längst wie ein eingespieltes Kollektiv, das intuitiv aufeinander reagiert. Besonders stark fällt diesmal die Gesangsarbeit aus. Die mehrstimmigen Harmonien verleihen den Songs eine warme, fast schwerelose Eleganz.

Dahinter steckt eine alte Tour-Anekdote: Während einer improvisierten Barbershop-Version von ´I’ve Been Stoned Before´ entdeckte die Band zufällig, wie perfekt ihre Stimmen zusammenpassen. Cheb Nettles entwickelte daraus schließlich die Chor-Arrangements von ´Bright Spirit´.

Hinzu kommt Kavus Torabis neuer Lieblingsfetisch: ein kleiner monophoner Analog-Synthesizer, den er vor den Sessions geschenkt bekam und der sich quer durch das Album zieht. Diese sirrenden, kreisenden Sequenzen verleihen vielen Passagen ihren hypnotischen Schwebezustand. Dennoch bleibt das Album erstaunlich songorientiert.

Im zehnminütigen Opener ´Dream Of Mine´ umkreisen sich orientalische Gitarrenfiguren, rollende Percussion und Ian Easts Saxophon in ständigem Wechsel. Später öffnet sich der Song plötzlich zu hymnischen Chören und einer leuchtenden Melodie. ´Mantivule´ bringt danach die klassische Space Rock-Seite von GONG zurück. Lange Gitarrenläufe winden sich durch einen treibenden Groove, irgendwo zwischen frühem HAWKWIND, OZRIC TENTACLES und der alten Radio-Gnome-Ära.

In ´The Wonderment´ ziehen Glissando-Gitarren lange psychedelische Schleifen durch pulsierende Synth-Sequenzen. Hier lebt der Geist von Daevid Allen besonders intensiv weiter, ohne dass die Band in Nostalgie erstarrt. Mit ´Stars In Heaven´ folgt der vielleicht zugänglichste Song der Platte. Sanfte Pop-Melodien, weiche Harmonien und ein fast BEATLES-artiger Schwung sind dafür verantwortlich.

Musikalisch verbinden GONG in ´Fragrance Of Paradise´ Canterbury-Psychedelia, flirrende Jazz-Figuren und orientalische Klangfarben zu einem langen, hypnotischen Prog-Stück. Das kurze ´Relish The Possibility´ wirkt wie ein schwebendes Intermezzo aus Flöten, leichter Percussion und fernöstlichen Synth-Farben, bevor ´Eternal Hand´ die Trilogie mit ruhiger Größe abschließt. Das Stück entfaltet sich langsam um ein schlichtes Gitarrenmotiv, warme Saxophonflächen und kosmische Synths.

GONG müssen nichts mehr beweisen. Die Band verzichtet bewusst auf überdrehte Prog-Artistik und setzt stattdessen auf Atmosphäre, melodische Klarheit und ein tiefes Vertrauen in das gemeinsame Spiel. Das Album wirkt wie eine friedvolle nächtliche Reise durch psychedelische Traumlandschaften, voller kleiner Details, warmer Analogfarben und dieser typisch britischen Space Rock-Melancholie. Mit ´Bright Spirit´ gelingt GONG ein würdiger Abschluss ihrer späten Trilogie. Ein Album voller Wärme, Psychedelik und stiller Euphorie, getragen von Musikern, die ihre eigene Sprache gefunden haben.

(8 Punkte)

https://www.facebook.com/officialgong
https://gongband.bandcamp.com/album/bright-spirit-4

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