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AMULANCE – Return To Deutschland

2026 (Stormspell Records) – Stil: Heavy Metal

Zweifel gibt es immer wieder. Woran ich allerdings nicht zweifle ist der Umstand, dass AMULANCE mit ihrem 1989er Debüt `Feel The Pain` eines der letzten wirklich großen Speed-/Heavy Metal-Alben Ende der Achtziger veröffentlicht haben. Auch wenn der Sound alles andere als perfekt ist, die Songs der Band aus Chicago haben auch heute noch eine Magie, die nur in den Achtzigern möglich war. Dass die Jungs bei „New Renaissance Records“ einen Vertrag bekamen, zeigt eher die Unfähigkeit der etablierten Indie Label der damaligen Zeit, die 1989 schon wieder das Interesse am echten Heavy Metal verloren hatten und somit eine Band wie AMULANCE unter die Räder kam.

Dass „Lost Realm Records” letztes Jahr den Klassiker neu aufgelegt und auch das eine oder andere weitere Juwel aus dem Hause AMULANCE veröffentlicht haben, ist daher lobenswert. Und dass die Jungs im inzwischen gesetzten Alter beim diesjährigen KIT auftreten durften, war lange überfällig. Denn ihr bis dahin einziger Auftritt in Europa fand 2010 auf dem „Headbangers Open Air“ statt und war alles andere als ein gelungener Auftritt, leider. Die Band klang wenig gut eingespielt und Sänger Rik Baez hatte seine Stimme durch intensives rauchen massiv abgefuckt. Zu dem Auftritt veröffentlichte die Truppe eine EP mit dem Titel ´Deutschland`, die damals und auch noch heute rückblickend, eigentlich eine musikalische Katastrophe darstellt. Das Ding hatte der Band mehr geschadet als neues Interesse aufflammen lassen.

Jetzt kommt bei „Stormspell Records“ was neues Altes in CD-Form auf den Markt. ´Return To Deutschland´ lässt aufhorchen und zeigt deutlich, dass die Band noch in der Lage ist zu liefern. Sicher, die alten „Höhen“ in Sachen Gesang wird Rik nicht mehr erreichen, auch ist das Tempo generell etwas zaghafter, aber im Ganzen gesehen ist `Return To Deutschland` ein beeindruckendes Heavy Metal-Statement mit wirklich klasse Songs. Ich habe in diesem Zusammenhang auch bei Rik nachgefragt, woher die Songs stammen etc., weil das nicht wirklich klar aus dem kleinen Text hervorgeht, den Gitarrist Bob Luman im Booklet der CD beigesteuert hat.

Die Songs der `Deutschland` EP klingen für mich auf `Return To Deutschland` viel direkter und insbesondere der Gesang selbst, ist deutlich ansprechender. Wurden die Songs neu aufgenommen oder neu eingesungen?

„Die EP und `Return To Deutschland` sind zwei separate Aufnahmen mit zwei Versionen von AMULANCE. `Return To Deutschland` wurde 2007 mit Vince Varriale, Tom Braddish, Bob Luman, Tony Divozzo und mir aufgenommen. Die `Deutschland` EP wurde 2010 mit Eddie Foltz (Schlagzeug), Pat Cassidy (Gitarre), Tom Braddish, Bob Luman und mir aufgenommen. Ich weiß nicht, ob es der einzige Grund ist, aber der Hauptgrund für die Verschlechterung meiner Stimme ist, dass ich um 2010 herum sehr stark geraucht habe. Ich rauchte ungesunde zwei bis drei Schachteln Zigaretten am Tag, bevor ich 2013 aufhörte; aber ich hatte mir da leider schon unnötigen Schaden zugefügt.“

Wer die EP kennt und sich diese 2007er Versionen hört, wird ganz klar die Songs von 2007 bevorzugen. Satter US Metal wir er sein soll, zwar nicht unerheblich vom AMULANCE Sound des legendären Demos und der LP entfernt, aber überzeugend stark.

Und wann wurden die anderen Songs auf der `Return To Deutschlan“ CD aufgenommen? Soweit ich weiß, waren diese Songs für das zweite Album gedacht. Stimmt das? Was ist das Ausgangsmaterial? Und wann wurden die Versionen auf der CD aufgenommen?

„Die Songs `At Your Grave`, `Shamed`, `A Good Day To Die`, `Alpha One`, `Carry On`, `Ring Of Madness` und `Forsaken` wurden alle 2007 geschrieben und aufgenommen. `Changes`, `The Lost`, `The Crypt` und `Berenice` wurden ursprünglich zwischen Mitte 1988 und Mitte 1989 geschrieben und aufgenommen, aber alle 2007 neu eingespielt. `I The Machine` war einer der härteren SOULPATH-Songs aus den späten 90er Jahren. AMULANCE hat dem Song bei der Neuaufnahme 2007 etwas mehr Wucht verliehen, aber ich finde, er hätte noch härter sein können. Es gibt einen zusätzlichen Hidden-Track, Nr. 15, namens `One Drink Away`, der ebenfalls ein SOULPATH-Song ist. Dieser Song enthält Beiträge von Tom Braddish an Bass und Keyboard, Eddie Foltz am Schlagzeug, Bob Dieter an der Gitarre (RIP) und mir am Gesang. Der Song wurde irgendwann zwischen 1996 und 1998 aufgenommen und ist der einzige auf der CD, der nicht 2007 entstanden ist.“

Ich finde die CD überraschend stark. Klar, man kann sie nicht mit dem Debüt vergleichen, aber ihr habt großartige Metal Songs abgeliefert und das Album ist es wirklich wert, gehört zu werden.

„Danke, Bruder! Ich bin viel zufriedener damit, als ich erwartet hatte. Bis auf die SOULPATH-Songs würde ich alle gerne in die Setlist aufnehmen. Nichts gegen SOULPATH, aber ich sehe die Songs nicht als hundertprozentige AMULANCE-Songs. Grundsätzlich bin ich aber davon überzeugt, dass AMULANCE-Fans von der CD begeistert sein dürften, aber auch Metal-Fans generell. Ich finde sie sind stark und stehen für sich.“

`Return To Deutschland` ist ein klasse US Metal-Album, welches mit einem guten Sound ausgestattet ist, insofern man mit den Hintergründen der Zusammenstellung dieser CD vertraut ist.

(8,5 Punkte)

https://www.facebook.com/Amulance/


Pic: Band

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