PlattenkritikenPressfrisch

WARSENAL – Endless Beginnings…

2026 (Massacre Records) - Stil: Speed/Thrash Metal

Sieben Jahre lang herrschte Funkstille bei WARSENAL. Für eine Band, die sich sonst über Hochgeschwindigkeits-Thrash und explodierende Soli definiert, wirkt diese Pause beinahe ironisch. Doch ´Endless Beginnings…´ macht schnell klar, weshalb das kanadische Trio so lange gebraucht hat. Dieses dritte Album will größer sein als der typische Old-School-Rundumschlag. Mathieu Rondeau, Francis Labine und der neue Schlagzeuger Zack Osiris bauen aus Speed Metal, dystopischer Science-Fiction und klassischem 80er-Thrash ein ambitioniertes Konzeptwerk zusammen, das sich irgendwo zwischen DESTRUCTION, RAZOR, SODOM und frühen KREATOR austobt, dabei aber am liebsten wie WARSENAL klingt.

Der Einstieg ´Mass Grave Mass´ scheint wie eine räudige Verbeugung vor ´For Whom The Bell Tolls´ und feuert sofort alles ab, was diese Platte ausmacht. Die Gitarren rumpeln und jagen, während Mathieu Rondeau seine Vocals mit herrlich giftigem Old-School-Tonfall durch die Boxen keift. Und dieser neue Schlagzeuger wirkt tatsächlich wie ein Schweizer Uhrwerk auf Koffein. Präzise, schnell und völlig gnadenlos.

Dabei erzählt die Scheibe die dystopische Geschichte rund um die „Dawn Mowers“, eine herrschende Elite, die aus einer schwebenden Festung über die Menschheit regiert. ´Flying Fortress´ setzt diese Idee musikalisch perfekt um, mit immer wieder einsetzenden hektischen Speed-Attacken. Die offensichtliche Anspielung auf die historischen B-17-Bomber passt hervorragend zu diesem martialischen Klangbild.

´Phantom Hope´ gehört anschließend zu den längsten Nummern des Albums. Der Song beginnt erst klassisch akustisch, hetzt sodann mit wildem Tempo durch die Gegend, stoppt und explodiert direkt wieder. Besonders stark gerät auch ´Feeding The Wildfire´, ein hymnischer Speed-Kracher mit fantastischem Gitarrensolo, doch ´The Numbening´ versucht es im Gegensatz dazu mit schleppenden Riffs und düsteren Harmonien.

Danach schlägt ´Dawn Mowers´ wieder brutal zurück. Ein wahnsinniger Speed Metal-Hexenkessel mit hektischen Tempowechseln und aggressivem Riffing. ´Dusk Dwellers´ zeigt sich hingegen erst als klassischer Heavy Metal, ehe der Song plötzlich in ein chaotisches Thrash-Inferno umschlägt. Überhaupt wirkt ´Endless Beginnings…´ deutlich cineastischer als der Vorgänger ´Feast Your Eyes´. Die Songs erzählen tatsächlich eine zusammenhängende Geschichte, statt nur lose Einzeltracks aneinanderzureihen.

´Onward To Our Death´ erweitert den Sound schließlich um klassische US Metal-Einflüsse, bevor WARSENAL wieder alles mit rasenden Speed-Passagen niederwalzen. Der abschließende Titeltrack ´Endless Beginnings´ funktioniert dann wie das große Finale eines dystopischen Thrash-Epos. Der endlose Kreislauf aus Rebellion und neuer Tyrannei bekommt hier über sieben Minuten lang seinen perfekten musikalischen Abschluss.

´Endless Beginnings…´ ist kein modernes Hochglanz-Thrashalbum für sterile Perfektionisten. WARSENAL liefern eine wilde, ehrliche und manchmal herrlich überdrehte Platte voller Riff-Gewitter, dystopischer Bilder und kompromissloser Energie. Der Albumtitel beschreibt dabei fast nebenbei die Geschichte der Band selbst: ewige Neuanfänge, ewiger Vorwärtsdrang und immer wieder Chaos.

(7,5 Punkte)

https://www.facebook.com/WarsenalOfficial/

Ähnliche Artikel

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"