
DARK MILLENNIUM – COME
2026 (Massacre Records) - Stil: Avantgarde Death Metal
DARK MILLENNIUM gehörten schon Anfang der Neunziger zu jenen deutschen Extrem-Metal-Bands, die den Death Metal aus den klassischen Mustern herausführten und mit progressiven, psychedelischen und avantgardistischen Elementen aufluden. Während andere damals auf reine Härte setzten, entwickelten DARK MILLENNIUM bereits früh einen fiebrigen, verstörenden Klangkosmos zwischen Doom, Progressive Death Metal und expressionistischem Horror. Nach der starken Rückkehr mit ´Acid River´ legt die Band nun mit ´COME´ ihr vielleicht radikalstes Werk seit den frühen Kulttagen vor.
Das sechste Studioalbum wirkt wie ein einziger taumelnder Trip durch Wahn, Kontrollverlust und zerfallende Wahrnehmung. Denn im Mittelpunkt steht der Rausch. DARK MILLENNIUM behandeln das Thema dabei viel umfassender als im klassischen Rock- oder Metal-Kontext. Es geht um zerbrechende Realität, spirituelle Entgleisung, Halluzination, Angstzustände und jene Momente, in denen Gedanken plötzlich jede Ordnung verlieren. Die Band gießt dieses Konzept in Musik, die sich im ständigen Wandel befindet. Klassische Strophe-Refrain-Strukturen existieren kaum noch. Die Songs fließen ineinander, reißen urplötzlich ab, wechseln Stimmung und Richtung, als würde jemand mitten im Traum den Boden unter den Füßen wegziehen.
Produziert, gemischt und gemastert wurde ´COME´ von Hilton Theissen im “Wide Noise Studio”. Der Gitarrist setzt erneut auf einen organischen Analog-Sound, der bewusst roh, staubig und ungeschönt gehalten ist. Besonders spannend gerät dabei das Wechselspiel zwischen Andre Schaltenberg und Gründungsmitglied Christoph Hesse, die sich die Schlagzeugparts teilen. Ihre unterschiedlichen Spielweisen sorgen dafür, dass die Platte ständig neue Spannungen entwickelt. Mal polyrhythmisch und aggressiv, dann wieder schleppend und fast hypnotisch.
Schon der Opener ´Here´ wirft den Hörer ohne Vorwarnung mitten hinein in diesen Albtraum. Surrende Gitarren und verzerrte Klangflächen erzeugen das Gefühl eines psychedelischen Absturzes. Christian Mertens liefert dazu eine entfesselte Gesangsperformance zwischen heiserem Flüstern, gequältem Schreien und manischem Wahnsinn. Zeilen wie „This is the wrong night to be alive“ wirken dabei wie ein Tor in eine Welt, in der jede Sicherheit längst verschwunden ist. Die Musik schwankt zwischen schleppendem Doom, hektischen Death Metal-Attacken und verstörenden Ambient-Passagen.
Der Übergang in ´Amber´ gelingt nahezu nahtlos. Wo ´Here´ noch brutal zerfetzt, zieht ´Amber´ den Hörer tiefer hinein in einen hypnotischen Sog aus psychedelischen Gitarrenfiguren, schwerem Avantgarde-Death Metal und schimmernden Halluzinationsbildern. Die Lyrics kreisen um Illusion, spirituelle Entgrenzung und den Wunsch nach Kontrollverlust.
´Fear Forest´ gehört zu den düstersten Stücken des Albums. Asymmetrische Gitarrenspuren und schleppende Doom-Riffs erzeugen das beklemmende Gefühl, orientierungslos durch einen endlosen Wald zu irren. Christian Mertens phrasiert die verstörenden Texte mit fast ritueller Intensität. Wenn er Zeilen wie „Every death has a meaning“ ausspuckt, verwandelt sich der Song endgültig in eine paranoide Horrorvision zwischen psychedelischem Death Metal und fiebrigem Doom.
´Winter Of Wizards´ springt permanent zwischen frostiger Raserei, progressiven Breaks und schwerem Midtempo hin und her. Gerade wenn sich ein packender Groove festsetzt, zerlegt die Band den Song wieder mit absurden Rhythmuswechseln. Christian Mertens klingt hier vollkommen entfesselt. Seine Vocals taumeln zwischen geisterhaftem Raunen und eruptiven Schreien, während Hilton Theissen und Michael Burmann massive Riff-Wände aufbauen.
´Pieces Of Midnight´ eröffnet mit einer unruhigen, fast geisterhaften Stimmung. Akustische Gitarren, flackernde Klangschichten und verstörende Stimmen ziehen den Hörer langsam tiefer in diesen fiebrigen Albtraum hinein, ehe Death Metal-Riffs den Song plötzlich aufreißen. Abrupte Tempowechsel, verzogene Frequenzen und halluzinogene Gitarrenflächen lassen die Musik ständig ihre Form verändern. Die Lyrics kreisen um Kontrollverlust, Obsession und zerfallende Identität. Gerade Bilder wie „white hell“ und „lost ghosts reservoir“ verleihen dem Stück eine tief verstörende Atmosphäre.
Nach diesem Chaos wirkt ´Green God´ keineswegs wie ein Ruhepol. Der Song besitzt etwas Ritualhaftes. Melancholische Melodien und tranceartige Passagen schweben über einem warmen Analog-Sound, während die Texte Naturmystik, Spiritualität und Rausch miteinander verweben. Gerade diese raue und seltsame Schönheit macht den Song so unheimlich.
Mit ´Witchcraft Island´ erreicht die Platte ihre stärkste cineastische Wirkung. Die Musik entwickelt sich wie eine schamanische Reise zwischen Avantgarde-Death Metal und progressiven Horrorlandschaften. Der Song verändert ständig seine Gestalt, wirkt mal hypnotisch und majestätisch, dann wieder aggressiv und vollkommen entrückt. Besonders eindrucksvoll gerät die Zeile „I’m not afraid of dying, I’m afraid of being reborn“, die das gesamte Konzept von ´COME´ auf den Punkt bringt.
Das Finale ´House Of The Pale Inhabitant´ endet schließlich in völliger Erschöpfung. Schleppende Doom-Passagen, eisige Gitarren und geisterhafte Vocals erzeugen das Gefühl eines kalten Entzugs nach einem viel zu langen Trip. Die Verstärker wurden laut Band bewusst extrem lange ausgefadet, wodurch der Song langsam zerfällt, bis nur noch ein fahler Nachgeschmack bleibt. Gerade dieser unaufgelöste Schluss erzeugt enorme Wirkung.
DARK MILLENNIUM zeigen sich auf ´COME´ in absoluter Höchstform. Christian Mertens liefert seine bislang extremste Gesangsleistung ab, Hilton Theissen und Michael Burmann erschaffen ein gewaltiges Gitarrenfundament zwischen Death Metal, Psychedelic Rock und avantgardistischem Prog, während Gerold Kukulenz mit schweren Bassläufen für permanenten Druck sorgt. Andre Schaltenberg und Christoph Hesse treiben die Musik mit vertrackten, unberechenbaren Rhythmen immer weiter in den Wahnsinn.
Audiophil gehört ´COME´ ebenfalls zu den spannendsten Extrem-Metal-Produktionen des Jahres. Der analoge Klang besitzt Wärme, Schmutz und Wucht zugleich. Gerade auf Vinyl dürfte dieses Album seine volle Wirkung entfalten und die limitierte LP-Version der 2026er Veröffentlichung wie geschaffen für diese Musik sein.
DARK MILLENNIUM präsentieren mit ´COME´ kein gewöhnliches Death Metal-Album. Dieses faszinierende und vollkommen kompromisslose Werk fühlt sich an wie ein fiebriger Bewusstseinsstrom zwischen Wahnsinn, Spiritualität und psychedelischem Horror.
(9 Punkte)
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(VÖ: 22.05.2026)



