
BLOSSOM CULT fanden sich bereits zu Beginn ihrer Laufbahn mitten in einer Welt wieder, die zunehmend ihren inneren Kompass verlor. Orientierung wurde ersetzt durch Dauererregung, Gemeinschaft durch digitale Ersatzräume und Gewissheiten durch eine allgegenwärtige Nervosität. Schon die frühen EPs ´Closure´ und ´Prequel´ spiegelten diese Stimmung wider, doch erst mit ihrem ersten vollständigen Werk ´Home´ entfaltet die deutsche Formation ihre eigentliche Vision. Die Band gießt die Verwerfungen einer modernen Gesellschaft in ein Konzeptalbum zwischen Alternative Metal, Progressive Rock und cineastischer Schwermut, das emotional ebenso aufwühlt wie musikalisch mitreißt.
Wake up mankind.
Wake up mankind.
All I’ve been taught and all I believed is a lie.
Nothing remains of the world I’ve known all my life.
Bedrohlich und beinahe filmisch eröffnet ´Red Pill (I)´ mit düsteren Klangflächen den Weg in diese Welt aus Unsicherheit, Erinnerung und innerem Aufbruch. BLOSSOM CULT setzen dabei sofort auf Atmosphäre, ehe ´Wake Up´ mit hektischer Doublebass, modernem Riffing und weiten Harmonien hereinbricht. János Romualdo Krusenbaum führt den Song mit rauer Emotionalität durch seine Stimmungswechsel, während Piano und orchestrale Elemente dem Stück eine melancholische Größe verleihen.
Mit ´Death To The Gatekeepers´ greifen BLOSSOM CULT deutlich aggressiver an. Gesangsausbrüche und schwere Gitarren treffen auf eine überraschend melodische Grundstruktur. Gegen Ende öffnet sich der Song allerdings plötzlich in eine jazzige Piano-Passage. Anschließend nimmt ´Open Arms´ das Tempo heraus und verbindet Alternative Rock, Grunge-Anklänge und progressive Feinheiten zu einer emotionalen Hymne über Hoffnung und Vergebung.
Wunderbar schwebend beginnt ´Paint The Sky´ mit filigranen Gitarrenfiguren und entwickelt sich zu einer melancholischen Rock-Ballade. Dazwischen fungiert ´Black Pill (II)´ erneut als düsteres Bindeglied, innerhalb dieses Konzepts über Entfremdung und Identitätssuche.
´No More Heroes´ bewegt sich anschließend zwischen modernem Prog Metal und bedrückender Nachdenklichkeit. Noch eigenwilliger gerät ´Hail To The I´, das mit verspielten Grooves, orientalisch anmutenden Melodielinien und schweren Djent-Rhythmen eine ganz eigene Dynamik entwickelt.
Der federnde Basslauf, die zerbrechlichen Gesangslinien und die immer wieder aufbrechenden Instrumentalpassagen verleihen ´Traitor´ eine beinahe progressive Rock Oper-Ausstrahlung. Dagegen wirkt ´Moon´ wie eine stille nächtliche Erinnerung. Piano, Streicher und sanfte Gitarren tragen einen der intimsten Songs der Platte.
Besonders eindrucksvoll gerät ´End Of The Line´. Mit Leo Margarit von PAIN OF SALVATION am Schlagzeug und Andreas Kübler als zusätzlicher Stimme wächst das Stück zu einem epischen Prog Metal-Brocken heran. ´Further´ knüpft daran mit melancholischem Piano und schweren Gitarrenwellen an, ehe ´Waltz Of The Beyond´ zwischen düsterem Walzer, Art Rock und progressiver Melancholie taumelt.
The world’s a madhouse.
So save your soul.
The world’s a madhouse.
But you can be whole.
Mit dem abschließenden Titelsong ´Home´ kehren BLOSSOM CULT schließlich zur Ruhe zurück. Klare Gitarren, warme Gesangsharmonien und eine beinahe versöhnliche Grundstimmung lassen das Album nach all seinen inneren Kämpfen behutsam ausklingen.
BLOSSOM CULT gelingt mit ´Home´ ein bemerkenswertes Debütalbum zwischen modernem Progressive Metal, Alternative Rock und atmosphärischem Art Rock. Die orchestralen Elemente, die cineastischen Arrangements und die enorme emotionale Spannweite verleihen dem Werk eine eigene Handschrift. Vor allem aber besitzen die Songs genau jene Mischung aus Melancholie, Härte und hymnischer Größe, die aus einem guten Album ein wirklich packendes Erlebnis macht.
(8,5 Punkte)



