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GLOD RAMOND KUGEL – No ToXiC

2024 (Nemu Records) - Stil: Jazz, Neue Improvisationsmusik

Mit ´No ToXiC´ tritt ein Trio an, das sich nicht erst finden muss. Hinter dem Projekt stehen Roby Glod, Christian Ramond und Klaus Kugel, drei Musiker, deren Wege sich über Jahrzehnte immer wieder gekreuzt haben und die hier erstmals unter diesem Namen gemeinsam auftreten. Was bei vielen Jazzproduktionen als kurzfristige Begegnung beginnt, wirkt hier vom ersten Moment an wie eingespielt.

Roby Glod bringt Alt- und Sopransaxophon ins Spiel, Christian Ramond hält das Geschehen am Kontrabass zusammen und Klaus Kugel gestaltet das Schlagzeug als offenes Set. Ihre Verbindungen reichen zurück in Formationen wie Windsleepers oder verschiedene Projekte um Theo Jörgensmann und Christopher Dell, dazu kommen gemeinsame Arbeiten im Yamabiko Quintett, wodurch sich dieses Zusammenspiel über Jahre hinweg entwickelt hat.

Aufgenommen wurde das Album an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Juni 2022 im Studio „Kreuzung an Sankt Helena“ in Bonn, veröffentlicht Anfang 2024 bei “Nemu Records”. Vierzehn Stücke in dieser kurzen Zeit einzuspielen, verweist auf einen Ansatz, der stark von spontanen Entscheidungen lebt.

Der Einstieg mit ´Unconscious Superglitzer´ zeigt sofort, wie dieses Trio arbeitet. Das Altsaxophon setzt schnell an, bewegt sich in kurzen, hellen Figuren, während Bass und Schlagzeug eng folgen und das Tempo stabil halten. ´Carol’s Dream´, die einzige Fremdkomposition von Connie Crothers, bringt eine andere Farbe hinein. Hier wechselt Roby Glod zum Sopransaxophon, der Ton wirkt feiner, während Bass und Schlagzeug parallel eigene Wege gehen.

´Se Chussa De Re´ lebt vom engen Zusammenspiel des Trios, dabei bleibt keiner lange im Vordergrund. ´Solution After The Storm´ nimmt das Tempo zurück, einzelne Töne stehen klar im Raum, das Schlagzeug setzt nur sparsam Akzente. In ´Ho Rot Hi-Beck´ rückt das Schlagzeug stärker nach vorn, mit verschobenen Rhythmen und kleinen Brüchen, die das Stück antreiben, während ´Bottlefish´ die Kürze nutzt, um mit verspielten Einwürfen des Saxophons zu glänzen.

´Unconscious Second Turn´ greift Motive des Openers auf, wirkt dabei freier, der Bass nutzt den Bogen und bringt eine dunklere Färbung hinein. ´Basalte´ gehört zu den ruhigeren Stücken, mit reduzierter Dynamik und einzelnen, klar gesetzten Tönen. ´Subconscious Triptychon´ steigert sich deutlich, das Tempo zieht an, das Zusammenspiel wird dichter. ´Freggs!´ ist kurz und knapp, ein kurzer Einschub mit schnellen Wechseln.

´Forgotten Dream´ bringt wieder mehr Ruhe, das Saxophon führt längere Linien, der Bass bleibt zurückhaltend. Der Titeltrack ´No ToXiC´ bündelt vieles von dem, was dieses Album ausmacht. Das Saxophon setzt dichte Figuren, das Schlagzeug reagiert schnell, der Bass hält das Fundament stabil. ´Vortex Hunter´ treibt das Tempo noch einmal nach oben, bevor ´Jour Fruit´ den Abschluss bildet und das Trio in einem ruhigeren, klar geführten Stück zusammenführt.

Auffällig bleibt die enorme Spannweite innerhalb dieses Trios. In einem Moment entsteht eine fast orchestral wirkende Wucht, im nächsten reduziert sich das Spiel auf wenige Töne. Diese Wechsel wirken nicht konstruiert, sondern ergeben sich direkt aus dem Zusammenspiel.

´No ToXiC´ zeigt ein Trio, das sich aufeinander verlassen kann und genau weiß, wie weit es gehen will. Die lange gemeinsame Geschichte der Musiker ist in jedem Stück hörbar, ohne dass sie in Routine umschlägt. Hier entsteht Musik im Moment, getragen von Erfahrung, Offenheit und einem klaren Gespür für das, was gerade passiert.

(8 Punkte)

https://robyglod.bandcamp.com/album/no-toxic

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